Strukturelle Gewalt erfordert strukturelle Lösungen
- Freitag, 23. Januar 2026 @ 10:46
Statement von Gemeinderätin Gerlinde Grünn in der Gemeinderatssitzung am 22.1.2026 in der aktuellen Stunde zum Thema "Die Gewalt, die wir erziehen - Wie unsere Gesellschaft Gewalt produziert – und sie zugleich verurteilt - Möglichkeiten der Gewaltprävention in Linz": Erst im November – rund um den Internationalen Tag gegen Gewalt an Frauen – gab es in Linz eine intensive Auseinandersetzung mit dem Thema: zahlreiche Veranstaltungen, eine Demonstration, eine Brückenaktion auf der Nibelungenbrücke sowie eine noch laufende Informationskampagne, die Männer zur Übernahme von Verantwortung animieren soll.
Und nun, leider schon zu Beginn des Jahres 2026, wurden erneut zwei Frauen im Beziehungskontext ermordet. Wir wissen: Jede dritte Frau erlebt im Laufe ihres Lebens geschlechtsspezifische Gewalt. Femizide – also die Ermordung von Frauen, weil sie Frauen sind – sind dabei nur die Spitze des Eisbergs. Gewalt ist somit kein individuelles Problem, sondern ein strukturelles. Ihre Ursachen liegen in der patriarchalen Geschlechterordnung: dort, wo Männer Frauen nicht als gleichwertig ansehen, sondern als Menschen, die dominiert werden müssen, und wo Frauen in Beziehungen als Besitz betrachtet werden. Nicht umsonst gilt der private Raum als der gefährlichste Ort für Frauen.
Was ist also die Aufgabe der Politik?
Für mich ist das klar: Ungleichheit und Abhängigkeit müssen durch entsprechende Rahmenbedingungen bekämpft werden. Leistbares Wohnen, Frauenlöhne, von denen man gut leben kann, höhere Frauenpensionen für ein würdiges Leben im Alter sowie Kinderbetreuungseinrichtungen zur Entlastung von der unbezahlten Care-Arbeit, die nach wie vor großteils von Frauen geleistet wird. Alles, was die Selbstständigkeit von Frauen fördert, ermöglicht erst das Entkommen aus Gewaltbeziehungen.
Und natürlich braucht es Gewaltschutz: Schutzräume, Beratung, Übergangswohnungen und rechtliche Grundlagen zur konsequenten Verfolgung von Gewalttätern – heute liegt ja auch ein Antrag gegen Doxing vor. All das ist notwendig, damit sich Frauen Hilfe holen und Perspektiven für ein selbstständiges Leben entwickeln können.
Es braucht also ein ganzes Bündel an Maßnahmen zur Bekämpfung von Gewalt an Frauen. Und dabei ist auch die Stadt Linz gefordert, die für die Daseinsvorsorge zuständig ist. Denn eine bedarfsgerechte Daseinsvorsorge ist ein wesentlicher Bestandteil eines wirksamen Gewaltschutzes.






