Eine Sonderschule im neuen Gewand
- Donnerstag, 11. Dezember 2025 @ 10:30
Wir enthalten uns beim Schulausbauprogramm – und zwar aus einem ganz einfachen Grund: Die geplante sogenannte „Schule für alle“ im Linzer Süden ist keine inklusive Schule, sondern eine Sonderschule mit neuem Etikett. Wenn auf die ASO 4 verweisen wird, ist das klar eine Sonderschule mit 15 Sonderschulklassen und lediglich zwei Integrationsklassen. Ein neuer Name macht daraus noch lange kein inklusives Schulzentrum.
Im 1. Ausschuss und im Linz-Newsletter war ja auch vom „Bau einer neuen Sonderschule“ die Rede. Erst nach massiver Kritik von Behindertenanwaltschaft, Behindertenrat, Selbstbestimmt-Leben-Vertreter*innen und Fachwissenschaft wurde das Wording geändert – nicht aber das Konzept. Das ist nichts anderes als eine Mogelpackung.
Wichtig ist auch: Im Schulorganisationsgesetz und in der Schulbauverordnung gibt es diesen „neuen“ Schultyp gar nicht. Man muss sich entscheiden: Baut man eine Regelschule – also eine Volks- oder Mittelschule – oder baut man eine Sonderschule. (auf diesen Sachverhalt zielt ja auch der Zusatzantrag der Grünen ab - wobei sowieso an allen Schultypen inklusiver Unterricht möglich sein muss) Und mehr noch: Wie sieht das besondere pädagogische Konzept für dieses angeblich inklusive Bildungsangebot aus? Wie wird es finanziert? Dazu steht in der Vorlage nichts. Stattdessen ist lediglich die Rede davon, mit der Bildungsdirektion Oberösterreich ein inklusives Angebot anzustreben. „Anstreben“ ist aber kein Konzept.
Österreich hat sich mit der UN-Behindertenrechtskonvention verpflichtet, ein inklusives Bildungssystem aufzubauen und den Ausbau segregierter Schulen zu beenden. Der geplante Neubau geht genau in die entgegengesetzte Richtung und bindet noch mehr Ressourcen in separierten Klassen, anstatt inklusive Strukturen zu stärken. So verschlechtert man die Situation sogar, statt sie zu verbessern. Letztlich muss die Sonderschule ganz aus dem Schulorganisationsgesetz gestrichen und durch gut finanzierte Formen einer gemeinsamen Schule ohne Ausgrenzung ersetzt werden.
Die prognostizierten steigenden Sonderschulzahlen sind auch Folge mangelnder Ressourcen in den Integrationsklassen. Mit echten Investitionen in inklusive Settings – Nachmittagsbetreuung, Assistenz, multiprofessionelle Teams – würden sich viele Eltern gar nicht für eine Sonderschule entscheiden. Das sollte bzw. muss angestrebt werden! Wir wollen ein modernes, inklusives Bildungssystem – keine Sonderschule im neuen Gewand.
Solange das Schulbauprogramm aber nach Schularten im Paket abgestimmt wird und der Sonderschulbau darin unkritisch mitläuft, können wir nicht zustimmen. Darum: Enthaltung.









