Ein unermüdlicher Kämpfer für eine lebenswerte Stadt
- Samstag, 7. Juni 2025 @ 15:15
Lieber Lorenz,
danke, dass du mit diesem Antrag die wichtige – und leider von Entscheidungsträger:innen viel zu wenig beachtete – Arbeit von Hans Hörlsberger würdigen willst. Ihn mit einem „Hans-Hörlsberger Hain" zu ehren und an ihn zu erinnern ist ein starkes Zeichen.
Ich bin mir jedoch nicht ganz sicher, ob Hans darüber wirklich froh gewesen wäre. Ich kannte ihn einigermaßen gut. Über mehr als ein Jahrzehnt hinweg standen wir in regem Austausch, vor allem zu Fragen der Verkehrs- und Stadtentwicklung. Er war ein unermüdlicher Kämpfer für eine lebenswerte Stadt – eine Stadt, die in erster Linie den Menschen gehört, nicht den Dingen: nicht dem Geld, nicht den Autos.
Selbst in den letzten Monaten seines Lebens, als es ihm gesundheitlich sichtlich nicht gut ging, ließ er es sich nicht nehmen, sich intensiv mit aktuellen Entwicklungen auseinanderzusetzen. Er analysierte das sogenannte „Innenstadtkonzept“ oder etwa die geplante – und nun zum Teil wieder aufgegebene – Radwegführung auf der Nibelungenbrücke. Und er machte – wie so oft – klügere, menschlichere, vorrausschauendere Gegenvorschläge.
Im Juni des vergangenen Jahres, nach einem dreiwöchigen Krankenhausaufenthalt, schrieb er mir eine E-Mail. Er kündigte darin an, sich zurückzuziehen – was ihm, wie wir wissen, kaum gelungen ist. In derselben E-Mail schickte er mir, wie er es nannte, eine „Hinterlassenschaft“. Diese bestand aus einem PDF-Dokument mit einer für Hans typischen Planskizze: eine Karte mit den Hotspots in Linz, wo aus seiner Sicht dringend Verbesserungen bzw. wo eine Neugestaltung aber auch Nichtverwirklichung nötig sind.
Ich möchte dieses Dokument heute hier zitieren.
- Gegeneinbahnen Humboldtstraße und Dinghoferstraße
Breitere Gehsteige, ein Mehrzweckstreifen für zügiges Radfahren, schmälere Fahrbahnen. Keine eigene Busspur – stattdessen eine bevorzugte Einfahrt für Linienbusse am Hessenplatz.
- Begegnungszone „Südliche Landstraße“
Führung des Fahrzeugverkehrs auf der Straßenbahntrasse durch die Haltestelle „Bürgerstraße“, analog zur inneren Landstraße beim „Taubenmarkt“. Keine Parkplätze. Eine Fußgängerzone sei nicht nötig, so Hans – der Vorschlag dazu sei nur ein Ablenkungsmanöver.
- Martin-Luther-Platz
Der Platz solle bei der Neugestaltung unbedingt weitgehend für flexible städtische Nutzungen freigehalten werden – ohne überflüssige „Behübschungen“.
- Begegnungszone Johann-Konrad-Vogel-Straße
Eine ebene Begegnungszone – von Hauswand zu Hauswand. Schanigärten sollen direkt an die Gebäude der Gastronomie heranrücken. Eine Einbahnregelung aus der Tiefgarage ist möglich.
- Begegnungszone Hinsenkampplatz
Der Platz zwischen Neuem Rathaus und AEC soll neu gestaltet werden – ohne Fußgängerunterführungen! Dazu eine neu situierte Straßenbahnhaltestelle „Rudolfstraße“ nach den Vorschlägen der Firma ZIS+P aus dem Jahr 2009.
- Neugestaltung Bulgariplatz
Priorität für die Fußgänger\*innen – nicht nur am Platz selbst und bei den Straßenbahnhaltestellen des “Bulgariplatz“ sondern auch rundherum in den Wohn- und Einkaufsgebieten im Viertel
- Umsteigeknoten „Bahnhof Linz-Urfahr“
Verbesserung nach dem Vorschlag der Schweizer Firma METRON: bessere Koordination von Mühlkreisbahn (MKB) und Buslinien (13, 25, 33, 48 usw.).
- Nahverkehrsdrehscheibe Hauptbahnhof Linz
Fahrgastfreundlicher gestalten: Alle städtischen Busse sollen künftig an einer gemeinsamen Haltestelleninsel am Bahnhof halten. Die Straßenbahnen im Ersatzverkehr sollen in der Nähe des Bahnhofs oberirdisch wenden. Umstiege sollen ebenfalls oberirdisch erfolgen und kurz sein.
- Regionalstadtbahn und Umsteigeknoten „Urfahr-Ost“
Keinesfalls Gestaltung so wie sie jetzt für die RSB (S6 + S7) vorgesehen ist! Die S6 ist ein zu teures Vorhaben ohne Effekt für den öffentlichen Verkehr (siehe derzeitigen Linien-Bestand). Die S7 ist bis zur Uni nur Konkurrenz zur fast gleichen Geschwindigkeit der Straßenbahn-Linien 1+2 und zur Bus-Linie 77 und bietet noch keine bewertete Verbindung zum (unteren) Mühlviertel. Dieses ist auch weder von der Topografie noch von der Siedlungsstruktur des Mühlviertels von einer Bahnlinie zu erschließen, sondern durch Busse.
Hans’ Vorschläge (es gab und gibt noch unzählige mehr) waren nie abstrakt und großspurig. Sie waren durchdacht, pragmatisch, menschenzentriert und getragen von dem tiefen Wunsch, die Stadt für alle lebenswerter zu machen. Ich bin überzeugt: Es wäre vielleicht die größte Ehre, die wir ihm erweisen könnten, wenn wir einige seiner Ideen tatsächlich umsetzten.
(Foto: LINZER AUFBRÜCHE 1979 -89, Peter Arlt bei Hans Hörlsberger | dorftv 2011 https://www.dorftv.at/video/3256)




