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VCÖ: Zu hohe Stickoxid-Emissionen von Diesel-Pkw

  • Donnerstag, 27. April 2017 @ 16:48
Verkehr In Oberösterreich ist der Anteil der Diesel-Pkw mit 58 Prozent deutlich höher als in Deutschland mit 33 Prozent, macht der VCÖ aufmerksam. Oberösterreich ist damit von den aktuellen Messergebnissen des deutschen Umweltbundesamt besonders stark betroffen. Demnach stoßen neue Diesel-Pkw auf der Straße im Schnitt sechs Mal so viele Stickoxide aus als unter Laborbedingungen ermittelt wird. Zudem verschmutzen neue Diesel-Pkw die Luft bei Null Grad im Schnitt doppelt so stark wie bei 18 Grad. Der VCÖ weist darauf hin, dass neben Anrainern auch die Pkw-Insassen, wenn sie etwa im Stau stehen, große Schadstoffmengen einatmen müssen.

"Diesel-Pkw verschmutzen bei kaltem Wetter die Luft mit deutlich größeren Stickoxidmengen als bei wärmeren Temperaturen. Dieses Ergebnis der aktuellen Abgastests ist für Oberösterreich sehr unerfreulich und relevant", stellt VCÖ-Expertin Ulla Rasmussen fest. Im Winter ist die Stickstoffdioxid (NO2)-Belastung in Oberösterreich im Schnitt deutlich höher als im Rest des Jahres. So weist die Messstelle Linz 24er Turm wies im Jänner 2016 mit einer Belastung von rund 41 Mikrogramm NO2 pro Kubikmeter Luft eine deutlich höhere Belastung auf als im Mai 2016 (21 Mikrogramm NO2).

Die Messungen des deutschen Umweltbundesamts ergaben, dass moderne EURO6-Diesel-Pkw bei null Grad im Schnitt fast doppelt so viel NOx ausstoßen als bei 18 Grad, bei den älteren EURO4 Diesel-Pkw ist der Unterschied geringer, aber mit 40 Prozent ebenfalls hoch. Das Umweltbundesamt stellte für Deutschland fest, dass die Hälfte der Fahrleistung in Deutschland bei Temperaturen von unter 10 Grad Celsius erfolgt. Dieser Wert dürfte in Oberösterreich noch höher sein.

In Oberösterreich ist der Anteil an Diesel-Pkw viel höher als in Deutschland, macht der VCÖ aufmerksam.58 Prozent der knapp mehr als 900.000 Pkw fahren mit Diesel, in Deutschland sind nur 33 Prozent aller Autos Diesel-Pkw. Allein seit dem Jahr 2010 wurden in Oberösterreich mehr als 222.000 Diesel-Pkw neu zugelassen.

Für Salzburgs Luftqualität ist der Dieselboom negativ. Dieselabgase enthalten größere Mengen an Stickoxiden. Die Dieselfahrzeuge sind Hauptverursacher der Stickoxid-Emissionen. Vor allem Stickstoffdioxid (NO2) ist sehr gesundheitsschädlich. Es kann die Atemwege schädigen, Entzündungen, Bronchitis und Lungenödeme können die Folge sein. Bei längerer andauernder hoher Konzentration nimmt die Zahl der Herzinfarkte zu. Stickoxide sind zudem mitverantwortlich für die Bildung von Feinstaub. Der VCÖ weist darauf hin, dass in Österreich seit Jahren bei zahlreichen Messstellen der NO2-Jahresgrenzwert überschritten wird. Neben den Anrainerinnen und Anrainern sind auch die Auto-Insassen einer hohen Schadstoffbelastung ausgesetzt. So stehen Pkw im Stau in einer regelrechten Abgaswolke.

Die Messergebnisse des deutschen Umweltbundesamts zeigen, dass EURO5-Diesel-Pkw beim Fahren besonders hohe Schadstoffmengen ausstoßen. Statt der für die Tests im Labor vorgeschriebenen 180 Milligramm pro Kilometer waren die tatsächlichen NOx-Emissionen mit durchschnittlich 906 Milligramm fünfmal so hoch. Die neuen EURO6 Diesel-Pkw überschritten beim Fahren mit durchschnittlich 507 Milligramm den Grenzwert von 80 Milligramm um das 6-Fache. Im Vergleich zu den alten EURO4 Diesel-Pkw weisen die EURO6-Modelle nur geringe Fortschritte auf, die EURO5 Modelle stoßen sogar mehr Stickoxide aus als die EURO4-Modelle (674 Milligramm NOx / Kilometer).

"Für die Gesundheit der Bevölkerung ist relevant, was beim Fahren auf der Straße beim Auspuff rauskommt. Die aktuellen Messergebnisse zeigen, dass die im Labor ermittelten Werte nicht das Papier wert sind auf dem sie stehen", fordert VCÖ-Expertin Rasmussen Konsequenzen zum Schutz der Gesundheit der Bevölkerung. So sollen Hersteller jene Modelle, die auf der Straße deutlich höhere NOx-Emissionen aufweisen, kostenlos nachrüsten. Zudem sind die Abgaskontrollen auf EU-Ebene massiv zu verbessern. In Österreich ist die Steuerbegünstigung für Dieseltreibstoff rasch abzuschaffen. Derzeit ist die Mineralölsteuer auf Diesel um 8,5 Cent pro Liter niedriger als auf Eurosuper und damit ein Anreiz sich beim Neuwagenkauf für den gesundheitsschädlicheren Diesel zu entscheiden.

VCÖ: Allein seit dem Jahr 2010 mehr als 222.000 neue Diesel-Autos in Oberösterreich (Anzahl Neuzulassungen von Diesel-Pkw in Oberösterreich)

1.Jänner bis 31. März 2017: 7.403 (50,7 Prozent)
Gesamtjahr 2016: 30.181 (55,3 Prozent)
Gesamtjahr 2015: 27.994 (55,9 Prozent)
Gesamtjahr 2014: 28.571 (55,9 Prozent)
Gesamtjahr 2013: 31.937 (57,0 Prozent)
Gesamtjahr 2012: 34.187 (57,0 Prozent)
Gesamtjahr 2011: 34.125 (53,8 Prozent)
Gesamtjahr 2010: 28.579 (50,8 Prozent)
Summe: 222.977 Diesel-Pkw

Quelle: Statistik Austria, VCÖ 2017, http://www.vcoe.at


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