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Schuldenfrei?

  • Donnerstag, 25. Juni 2026 @ 08:16
Wels Bürgermeister Rabl meldet zum aktuellen Rechnungsabschluss 2025 nur 4,2 Millionen Euro Schulden und spricht von einem nahezu schuldenfreien Wels. Rechnet man die sechs städtischen Töchterfirmen dazu, kommt der „Konzern Stadt Wels“ auf 354,7 Millionen Euro Schulden. Vor der Sommerpause stellt die KPÖ Wels deshalb eine einfache Frage: Warum zählt Rabl die Töchter nicht mit?



Wels, 25. Juni 2026. Auf dem Hauptkonto der Stadt stehen kaum Schulden, das ist richtig. Doch die Stadt hat sechs eigene Firmen, von der gemeinnützigen Wohnbaugenossenschaft bis zur Holding Wels GmbH, in der unter anderem eww, Messe Wels und Stadtbus gebündelt sind. Über sie werden große Projekte gebaut und finanziert. Außerhalb des Hauptkontos summieren sich dort die Schulden auf rund 348,8 Millionen Euro (Stand Geschäftsjahr 2023). Mit dem Hauptkonto zusammengerechnet trägt der „Konzern Stadt Wels“ rund 354,7 Millionen Euro (Stand Rechnungsabschluss 2024).

Diese sechs Firmen sind die Töchter der Stadt. Sie gehören ihr, und als Eigentümerin trägt die Stadt die wirtschaftliche und politische Verantwortung. Da gilt eine Regel, die man vom Küchentisch kennt: Wenn die eigenen Töchter Schulden haben und man am Ende für sie geradesteht, ist man nicht schuldenfrei. Egal, wie sauber das Hauptkonto aussieht.

„Schuldenfrei“ ist deshalb nicht falsch, aber unvollständig. Es gilt fürs Hauptkonto, nicht für die ganze Stadt. So fühlt sich Wels schuldenfrei an. Als Ganzes ist es das nicht.

Die Stadt sagt es selbst. In ihrer Budgetpräsentation räumt sie ein, dass die „Null-Schulden“-Bilanz die Wohnbauförderdarlehen nicht enthält. Also genau jenen Wohnbau, der den größten Brocken ausmacht.

Auffällig ist außerdem eine Veranlagung von 18,5 Millionen Euro: Geld, das die Stadt 2025 bei ihrer eigenen Holding Wels GmbH angelegt hat. Wofür, zu welchen Konditionen und für wie lange, ist nicht öffentlich. Genau das fragen wir ab.

Die KPÖ Wels will die ganze Rechnung auf den Tisch: die Stadt und ihre sechs Töchter zusammengerechnet, einmal im Jahr und für alle nachlesbar.

Maximilian Friedl, Bezirksvorsitzender der KPÖ Wels: „Wenn die eigenen Töchter Millionenschulden haben und der Papa am Ende dafür geradesteht, dann ist er nicht schuldenfrei. So einfach ist das.“

Friedl ergänzt: „Auf dem Hauptkonto schuldenfrei zu sein, ist nur die halbe Wahrheit. Die Welser:innen haben ein Recht auf die ganze Wahrheit.“

Forderung. Die KPÖ Wels beantragt nach dem Informationsfreiheitsgesetz die Übermittlung der vorhandenen Unterlagen zu Verbindlichkeiten, Haftungen und Beteiligungen der Stadt. Zugleich legt sie den Gemeinderatsfraktionen die politische Forderung vor, künftig jährlich einen verständlichen „Konzern-Schuldenbericht“ für ganz Wels zu veröffentlichen.

Methodik. Die 354,7 Mio. Euro sind die Summe der ausgewiesenen Finanzverbindlichkeiten des Kernhaushalts (Rechnungsabschluss 2024: rund 5,9 Mio. Euro) und der sechs unmittelbaren Beteiligungen der Stadt (Geschäftsjahr 2023: rund 348,8 Mio. Euro), ausgewiesen im Rechnungsabschluss 2024 der Stadt Wels, Anlage 6j. Rabls aktuelle 4,2 Mio. Euro betreffen den Kernhaushalt 2025; aktualisierte Werte für die Beteiligungen liegen für 2025 noch nicht vor, weshalb der Konzernwert auf dem letzten dokumentierten Stand beruht. Die Stadt besitzt diese Beteiligungen zu 93,56 bis 100 Prozent; für zusätzlich ausgewiesene Haftungen von 31,12 Mio. Euro steht sie unmittelbar ein (Anlage 6r). Eigene Berechnung in Anlehnung an die Betrachtungsweise des Rechnungshofs, der die Verbindlichkeiten der städtischen Beteiligungen bereits 2015 und 2018 gesondert ausgewiesen hat. Kein amtlicher Konzernabschluss.

Quellen:
– Rechnungsabschluss 2024 der Stadt Wels (amtlich): Anlage 6j (unmittelbare Beteiligungen, GJ 2023); Bericht S. 8; Bilanz S. 18; Anlage 6r (Haftungen). Abruf: wels.gv.at → Wels in Zahlen → Budget → Rechnungsabschlüsse.
– Stadt Wels, Pressemeldung „Rechnungsabschluss 2025 mit 24,7 Mio. Euro Überschuss“, 24.06.2026 (Schuldenstand 4,2 Mio. €; Veranlagung 18,5 Mio. € bei der Holding Wels GmbH). wels.gv.at.
– Stadt Wels, Pressemeldung zum Doppelbudget 2026/27 bzw. „Budget: Wels weiter mit Überschüssen – ohne neue Schulden“, 02.12.2025 (Null-Schulden-Politik; Ausklammerung der Wohnbauförderdarlehen). wels.gv.at.
– Beteiligungsbericht 2024 der Stadt Wels (Kontext, Geschäftsjahr 2024). wels.gv.at.
– Satzung der Gemeinnützigen Welser Heimstättengenossenschaft mbH (FN 93785w, Fassung 2023), Firmenbuch (Stimmrechtsbegrenzung).
– Rechnungshof Österreich, Berichte zur Stadt Wels, Reihe Oberösterreich 2015/8 (Vorbericht) und 2018/3 (Follow-up).
– OÖN/nachrichten.at, „Doppelbudget 2026/2027: Wels bleibt dank hoher Rücklagen schuldenfrei“, 02.12.2025.
– Informationsfreiheitsgesetz (BGBl. I Nr. 5/2024), Bundeskanzleramt / RIS – in Kraft seit 1.9.2025.

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