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Wahlbarometer Radfahren in Linz - Die Antworten von Gerlinde Grünn

  • Montag, 6. Januar 2025 @ 19:52
Verkehr
Die Linzer KPÖ-Bürgermeisterkandidatin Gerlinde Grünn im Rad-Check der Radlobby Linz.


1. Wie schätzen Sie die Situation für Radfahrer*innen in Linz derzeit ein? Was ist Ihre Vision?
Wo fahren Sie persönlich gerne Rad in Linz, wo eher ungern?

Ich nutze das Rad vor allem zwischen meiner Wohnung (Innenstadt) und meinem Büro (Bulgariviertel). Ich fahre vorsichtig, weil mir die zahlreichen Gefahren auf meiner Strecke recht bewusst sind. Gerne fahre ich außerhalb der Stoßzeiten, besonders abends, wenn der Autoverkehr merkbar weniger wird.

Insgesamt ist die Situation für Radfahrer*innen in Linz dringend verbesserungswürdig. Wir haben es mit einem regelrechten Flickwerk unterschiedlicher Verkehrsanlagen zu tun, die offenbar nach dem Motto „Hauptsache das Rad weg“ gestaltet sind – das heißt, Hauptziel scheint zu sein, Radfahrende irgendwie von der Straße und dem schnelleren Autoverkehr fernzuhalten. Häufig geschieht dies auf Kosten der Gehwege, die verkleinert werden, um schmale und oft unzureichende Radstreifen zu markieren.

Kritisch sehe ich, dass in Linz nach wie vor neue kombinierte Geh- und Radwege gebaut werden. Selbst neu errichtete oder geplante Radweganlagen, wie etwa auf der Nibelungenbrücke oder in der Lederergasse, erfüllen die Anforderungen an eine moderne, sichere und komfortable Radverkehrsinfrastruktur nicht.

Ihre Vision: Und wie denken Sie, müsste ein Verkehrssystem ausschauen, das es den Linzer*innen ermöglicht, sicher und komfortabel Rad zu fahren - und zwar von jung bis alt?

Ein solches Verkehrssystem müsste klar die Prioritäten bei der aktiven Mobilität und auch bei den Öffis setzen. Radfahrer*innen müssen in der Stadt zügig, leicht und sicher vorankommen. Dazu sind infrastrukturelle Verbesserungen notwendig. Es reicht aber sicher nicht aus nur Maßnahmen für den Radverkehr umzusetzen. Eine Fahrradstrategie allein ist viel zu wenig. Wir müssen die Autonutzung in der Stadt unpraktisch machen und den motorisierten Individualverkehr insgesamt stark reduzieren, indem wir den Verkehr langsamer machen und Parkmöglichkeiten reduzieren. Neben einer Fahrradstrategie braucht es nämlich eigentlich eine Verkehrswende- oder eine Autovermeidungsstrategie.

Gibt es für Sie vorbildhafte Städte diesbezüglich?

Vorbildlich sind für mich Städte, die nicht nur einen höheren Radverkehrsanteil als Linz vorweisen, sondern in denen der sogenannte „Umweltverbund“ insgesamt einen deutlich höheren Anteil am Verkehrsaufkommen hat. Besonders inspirierend sind Städte wie Basel, Bern und Zürich in der Schweiz, die traditionell einen hohen Anteil am öffentlichen Verkehr aufweisen. Ebenso gelten Amsterdam, Kopenhagen und Freiburg im Breisgau in Deutschland immer wieder als Best-Practice-Beispiele.


2. Radverkehr braucht Infrastruktur - und dafür braucht es Geld!
Werden Sie als Bürgermeister*in sicherstellen, dass ein Budget von insgesamt mindestens 100 Mio. Euro bis 2042 bereitgestellt wird, damit das in der Linzer Fahrradstrategie formulierte Ziel von 25 % Radverkehrsanteil erreicht werden kann?

Es steht außer Frage, dass für den Ausbau der Radmobilität ausreichend finanzielle Mittel bereitgestellt werden müssen. Leider ist die budgetäre Ausstattung dafür in Linz sogar rückläufig. Für die sogenannte "aktive Mobilität" – also Rad-, Fußgänger- und Wanderwege – waren heuer im Haushalt noch 1,8 Millionen Euro vorgesehen. 2025 soll dieser Betrag jedoch auf nur mehr eine Million Euro sinken.

Im Vergleich mit anderen Städten schneidet Linz damit schlecht ab: Während 2025 in Linz lediglich fünf Euro pro Einwohner:in für die Radinfrastruktur vorgesehen sind, lag dieser Betrag 2023 in Salzburg bei fast 17 Euro und in Graz sogar bei 34 Euro pro Einwohner:in. Dabei muss erwähnt werden, dass das Land Steiermark in Graz bisher die Budgetsummen verdoppelt hat. Eine vergleichbare finanzielle Unterstützung durch das Land gibt es in Linz – abgesehen von der Mitfinanzierung einzelner Projekte – leider nicht.

Allerdings möchte ich betonen, dass Geld allein nicht ausreicht. Auch bei der Radinfrastruktur ist ein zielgerichteter und effizienter Einsatz der finanziellen Mittel unerlässlich. Es drängt sich der Eindruck auf, dass in Linz stattdessen oft in teure Prestigeprojekte investiert wird, wodurch die Mittel für eine ganzheitliche Verbesserung der Radmobilität fehlen.

Vor allem aber muss Schluss sein mit Parallelförderungen und dem gleichzeitigen Ausbau aller Verkehrsarten – insbesondere von Autostraßen. Ich bin für die sofortige Einstellung aller städtischen Subventionen für das übergeordnete Straßennetz, wie beispielsweise den Bau der A26-Autobahn. Die dadurch frei werdenden Mittel sollen stattdessen in den Ausbau des "Umweltverbunds" – also Radverkehr, Fußverkehr und öffentlichen Verkehr – investiert werden.


3. Städtische Mobilitätsplanung - Radverkehrsprojekte sollen nicht am Personalmangel scheitern!
Wie werden Sie als Bürgermeister*in dafür sorgen, dass Radverkehrsprojekte nicht mehr - wie derzeit der Fall - am Personalmangel scheitern? Haben Sie konkrete Ideen, wie z.B. kurzfristig der Personalstand in der Mobilitätsplanung erhöht werden soll?

Der Spardruck in der städtischen Verwaltung macht sich auch in der Mobilitätsabteilung mit Personalmangel bemerkbar. Teilweise ist die Arbeitsüberlastung jedoch auch auf die politischen Verantwortlichen zurückzuführen: Wenn zuständige Politiker*innen ihre Prestigeprojekte bevorzugt umgesetzt sehen möchten, verursacht dies in der Verwaltung zusätzliche Arbeit, die sinnvoller eingesetzt werden könnte.


4. Mehr Radverkehrsanteil: Von welchen anderen Verkehrsmitteln soll sich der Anteil am Modal Split zugunsten des Radverkehrs verlagern und wie kommunizieren Sie dies?
Der umweltfreundliche Verkehr soll zunehmen. Dazu wurde vom Gemeinderat mit der Linzer Fahrradstrategie die Steigerung des Radverkehrsanteils von derzeit 10,7 % auf 25 % bis 2042 festgelegt. Bei welchen anderen Verkehrsmittel sollen die rund 14 % am Modal Split reduziert werden und wie wollen Sie dies erreichen? Wie haben Sie vor, dies entsprechend an die Linzer*innen zu kommunizieren?

Ich erwarte einen klaren, langfristigen Plan der Politik, der von den zuständigen Politiker*innen in Zusammenarbeit mit der entsprechenden Fachabteilung eigenständig entwickelt und demokratisch diskutiert und durch eine Mehrheit im Gemeinderat beschlossen wird. Derzeit jedoch werden viele Masterpläne, Strategien und Konzepte in Auftrag gegeben – oft unter Berücksichtigung der bereits bestehenden Absichten der Stadt Linz. Diese Vorgehensweise bindet erhebliche personelle Ressourcen und wird häufig an externe Beratungsfirmen delegiert. Diese liefern zwar „schöne Vorzeigepapiere“, die jedoch von Beamt*innen und insbesondere von verantwortlichen Politiker*innen primär genutzt werden, um bereits geplante Vorhaben bzw. ihre eigenen Wünsche nachträglich zu legitimieren.

Zusätzlich wird diese kostenintensive Methode häufig durch sogenannte „Bürgerbeteiligung“ aufgewertet, die letztlich jedoch kaum echten Einfluss auf die getroffenen Entscheidungen hat. Auch die Linzer Fahrradstrategie ist ein solches Papier. Was dieses Dokument nicht beantwortet, ist die zentrale Frage: Wenn beim Radverkehr ein großes Plus angestrebt wird, wo soll das Minus bei anderen Verkehrsarten und im Verkehrsaufkommen entstehen? Hier fehlt es der verantwortlichen Politik ganz eindeutig am Mut, klar Position zu beziehen. Wenn diese Entscheidungen jedoch ausbleiben, droht im schlechtesten Fall, dass das Minus beim Zufußgehen und bei der Nutzung öffentlicher Verkehrsmittel liegt. Ein kaum besseres, aber realistisches Szenario ist, dass das ambitionierte Ziel, den Radverkehrsanteil bis 2042 auf 25 % zu steigern, schlichtweg verfehlt wird.

In der Mobilitätsfrage sind nicht nur Pull-, sondern auch Push-Maßnahmen notwendig, um eine echte Verkehrswende zu erreichen. Dazu zählen beispielsweise weniger und verschmälerte Fahrstreifen, kooperative Verkehrsmisch-Systeme, flächendeckendes Tempo 30 und noch weniger, reduzierte Parkmöglichkeiten im Straßenraum, erhöhte Parkgebühren für öffentliche Parkplätze (insbesondere für große Fahrzeuge), breitere Gehsteige mit Schatten spendenden Bäumen, mehr Mehrzweckstreifen für zügiges Radfahren, zusätzliche Verkehrsinseln in der Straßenmitte, mehr (ungeregelte) Schutzwege und Radfahrüberfahrten sowie vieles mehr.

Den gesamten Rad-Check mit den Antworten aller Kandidat*innen auf der Radlobby-Site: https://www.radlobby.at/linz/wen-als-...-rad-check

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