Personalabbau bei KTM
- Donnerstag, 28. November 2024 @ 10:30
“KTM-Pierer kämpft um sein Lebenswerk” so oder so ähnlich titeln die Medien, die sich mit den Finanzproblemen des Motorradherstellers beschäftigen. Ganz so, als ob Stefan Pierer selber das Unternehmen KTM in seiner eigenen Garage hochgezogen und bis heute an der Produktion mitgewirkt hätte.
Doch KTM wurde schon in den 30ern als Schlosserei in Mattighofen gegründet. Später erweiterten die Unternehmensgründer Kronreif und Trunkenpolz (das K und T in KTM) ihre Dienstleistungen auf die Reparatur von Motorräder. Nach dem Zweiten Weltkrieg begann man mit der Eigenproduktion. Erst in den 90ern übernahm Pierer selbst KTM, den das Unternehmen war damals schon einmal in die Insolvenz geschlittert.
Als Vorsitzender der Oberösterreichischen Industriellenvereinigung ist Pierer nicht gerade zimperlich um gegen Arbeitslose und Sozialleistungen zu hetzen. Leistung müsse sich wieder lohnen und angeblich gäbe es Anreize zum “Nicht-Arbeiten”. Auch den Luxus von Lohnnebenkosten könne sich Österreich im internationalen Wettbewerb nicht mehr leisten. Natürlich lehnt er auch höhere Steuern auf ein tatsächlich leistungsloses Einkommen, wie der Erbschaft, ab.
Bei sich selbst scheint Pierer nicht so streng zu sein, vor allem wenn es darum geht, Geld vom Staat zu kassieren. Sein Privates Museum, die KTM-Motohall, bekam vom Land Oberösterreich mehrere Millionen aus verschiedenen Kulturfördertöpfen. Und KTM nahm auch gerne 11 Millionen Corona-Hilfen vom Bund - zufälligerweise wurden kurze Zeit später 11 Millionen an Dividenden ausgezahlt, einige Millionen direkt an Pierer selbst.
Kaum jemand wird wohl daran glauben, dass Pierer selbst wegen der Finanzprobleme bei KTM in finanzielle Schwierigkeiten kommen wird. Die Last werden wie immer die Menschen tragen, die für ihr Geld bei KTM arbeiten. Schon im August wurden 200 Beschäftigte entlassen, bis zum Jahresende werden voraussichtlich weitere 300 Mitarbeiter “abgebaut”.
Es gäbe natürlich auch die Möglichkeit, die Gesellschaft aus der Geiselhaft von Kapitalisten wie Pierer zu befreien: Überführung von KTM in öffentliches Eigentum. Viele Motorsportfans werden auch dann KTM-Maschinen kaufen, wenn kein Superreicher an der Spitze Millionen an Profiten einsackt. Dieses Geld kann man dann ordentlich investieren, um gemeinsam mit der Gesellschaft zu überlegen, was man in Mattighofen neben Enduromaschinen und -teilen noch produziert werden könnte.
Wir stehen aufgrund des neuen drohenden Handelskriegs zwischen den USA und China vor schwierigen Zeiten, und vielleicht können die Fachleute in Mattighofen ihr Know-How nutzen, um andere technische Teile zu fertigen, die in Österreich gebraucht werden. Und auch wenn Elektromotorräder alleine sicher nicht die Verkehrswende bringen, könnten sie ein wichtiger Teil davon sein, und auch andere wichtige Bauteile für eine nachhaltige Verkehrswende “made in Mattighofen” wären möglich.




