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Anni Haider (1902-1990): Wegen Hochverrat angeklagt

  • Freitag, 22. März 2013 @ 08:00
Biografien Anni Haider, geborene Ladislav, kam am 22. März 1902 als Tochter einer Wiener Arbeiterfamilie zur Welt. Schon vor dem Februar 1934 war sie Betriebsrätin in einem Textilbetrieb und nahm aktiv an den Februarkämpfen des Jahres 1934 teil.

Sie emigierte anschließend in die Tschechoslowakei und von dort aus 1936 anschließend in die Sowjetunion, wohin ihr am 11. September 1924 geborener Sohn Karl Ladislav (aus einer Beziehung mit Karl Ulip) schon kurz nach den Februarereignissen mit einer Kindergruppe gekommen war.

Während der Emigration in Moskau lernte sie Franz Haider (1907-1968), der schon vor 1934 von der SDAP zur KPÖ übergetreten war und später von 1945 bis 1968 Landesobmann der KPÖ-Oberösterreich war, kennen. Anni und Franz Haider kehrten Anfang 1938 nach Österreich zurück, wo sie am 15. Februar 1938 ihren Sohn Helmut zur Welt brachte. Auch in den nächsten Jahren war sie ständig zwischen Wien, Linz und Prag für die illegale KPÖ tätig. Am 2. März 1940 heirateten Anni und Franz Haider. 1941 wurde sie gemeinsam mit Franz Haider, Erwin Puschmann, Franz Sebek, Margarete Schütte-Lihotzky und Karl Lisetz durch eine Spitzel in der Leitung verraten und verhaftet.

Während ihrer Haft im Inquisitenspital in Wien kursierte die Nachricht „Die Haiderin bekam die Anklageschrift. Für sie gibt es keinen Ausweg; die Schrift ist der Tod“. Anni Haider wusste nicht, dass ihr Gatte Franz über seine Mutter Kontakt mit Linz aufgenommen hatte und dass von einigen Seiten der Kampf um ihrer beider Leben begann.

Die Mutter nahm unter Anleitung von Franz Haider die Verbindung mit Sepp Teufl und dem ehemaligen Schutzbundführer Hruska, der Nationalsozialist und rechte Hand von Gauleiter Eigruber geworden war, auf. Anni Haider wusste auch nicht, dass Hruska an der Verhandlung teilnahm und einige Leute des zweiten Senats beeinflußte.

Wegen Hochverrat angeklagt wurde für sie vom Staatsanwalt die Todesstrafe beantragt. Anni Haider wurde wegen „Nichtanzeige des Vorhabens eines hochverräterischen Unternehmens“ am 22. September 1942 zu 15 Jahren, Franz Haider zu 13 Jahren Zuchthaus verurteilt. Puschmann, Sebek und Lisetz wurden wegen „Vorbereitung zum Hochverrat“ zum Tode, Schütte-Lihotzky zu 15 Jahren Zuchthaus verurteilt.

Anni Haider war ebenso wie Margarete Schütte-Lihotzky im Zuchthaus Aichach in Bayern inhaftiert, in dem sie schließlich von den US-Truppen am 29. April 1945 befreit wurde. Franz Haider war im Zuchthaus Garsten bei Steyr eingesperrt. Im Jahre 1943 kam ihr Sohn Karl Ladislav bei einem Partisaneneinsatz in der Sowjetunion ums Leben.

Nach dem Krieg stellte sich Anni Haider sofort wieder in den Dienst der Partei. Sie übte wichtige Funktionen in der Partei, in der Frauenbewegung und später in der Pensionistenbewegung aus. So war sie nach 1945 Frauenvorsitzende der KPÖ in Oberösterreich und später langjährige Landesvorsitzende des Bundes Demokratischer Frauen (BDF). Von 1946 bis 1955 gehörte sie der Landesleitung der KPÖ-Oberösterreich an.

Anni Haider genoss durch ihre antifaschistische Tradition und ihren aufrechten Charakter breite Achtung und Anerkennung. Sie starb nach längerem Leiden am 22. Juni 1990 in Linz.

Quelle: Gugglberger Martina, „Versuche, anständig zu bleiben“...




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Peter Kammerstätter (1911-1993). Eine Dokumentation über Leben und Werk des Antifaschisten und Historikers der oö Arbeiterbewegung.
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