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Novelle verschärft Glücksspiel-Problematik

  • Mittwoch, 14. Juli 2010 @ 11:58
News „Der Hilferuf des Salzburger Instituts Glücksspiel & Abhängigkeit (SBG) und der niederösterreichischen Selbsthilfegruppe Anonymer Spieler beweisen einmal mehr die Problematik des Glücksspiels, welche mit der jüngsten Gesetzesnovelle weiter verschärft wird“ stellt KPÖ-Landesprecher Leo Furtlehner fest.

Laut dem Salzburger Institut können die Beratungseinrichtungen die Flut an Hilfesuchenden kaum mehr bewältigen und werden zudem nur mangelhaft von der öffentlichen Hand unterstützt, die sich jedoch am Unglück der Spielsüchtigen eine goldene Nase verdient und wie ein Zuhälter agiert. Laut Glücksspielnovelle steigen die Einnahmen für Bund und Länder in Millionenhöhe, auf Förderungen für Beratungseinrichtungen wurde hingegen vergessen und man schickt Betroffene lieber in die Psychiatrie.

Als Folge der neoliberalen Hegemonie nach dem Motto „Jede ist seines Glückes Schmied“ ist laut einer Studie von „RegioPlan Consulting“ den ÖsterreicherInnen das Glücksspiel wichtiger als die Bildung. So wurde 2009 durchschnittlich 1.020 Euro pro Haushalt an Automaten, Lotto und Toto, für Lotterien und im Internet verzockt, 2001 waren es noch 460 Euro. Der Anteil der Ausgaben für Glücksspiel vom Haushaltseinkommen stieg von 1,4 auf 2,5 Prozent.

Laut Schätzungen sind 1,5 Prozent der Bevölkerung spielsüchtig, weitere drei bis vier Prozent gelten als gefährdet. Spielsüchtige haben im Schnitt 41.600 Euro Spielschulden, jeder vierte verlor seinen Arbeitsplatz, jeder sechste wurde kriminell um Geld für Schulden und neue Spieleinsätze aufzutreiben. Das Ansteigen der Spielsucht führt vermehrt zu Beschaffungskriminalität, Trennung von der Familie, Verlust von Arbeitsplatz und Wohnung und zur Verschuldung.

Derzeit stehen 18.000 Spielautomaten – davon 7.000 illegal – in Salons und Gasthäusern, weitere 1.800 Automaten betreibt die Casinos Austria. Bis jetzt ist das „kleine Glücksspiel“ nur in Wien, Niederösterreich, der Steiermark und Kärnten legal. Mit der Novelle wird es bundesweit legalisiert und bis 2015 die Höchstzahl auf 7.000 Automaten beschränkt. Zusätzlich darf eine unbegrenzte Anzahl an „Video Lottery Terminals“ betrieben werden, die sich in Bezug auf das Suchtpotenzial nicht von anderen Spielautomaten unterscheiden.

Im Gegenzug wird allerdings der Höchsteinsatz von bisher 50 Cent auf 10 Euro pro Sekunde auf das 20fache, der maximal mögliche Gewinn von 20 Euro auf 10.000 Euro auf das 500fache erhöht. Durch diese Kombination ist es möglich, in nur einer Stunde problemlos ein durchschnittliches Jahreseinkommen zu verspielen. Bei einer Ausschüttungsquote von 85 bis 95 Prozent sind Verluste beim regelmäßigen Spiel zwangsläufig vorprogrammiert.

Die Novelle gilt allgemein als „Lex Novomatic“ und maßgeschneidert für den gleichnamigen Glücksspielkonzern: „Die hohen Kosten für die Folgen der Spielsucht tragen nicht nur die Spielsüchtigen, sondern auch deren Angehörige und letztendlich die Allgemeinheit. Gewinner gibt dagegen nur wenige. Einer von ihnen ist Novomatic-Chef Johann Graf, mit über vier Milliarden Euro aus dem Glücksspiel verdienten Vermögen bereits der viertreichste Österreicher“ so Furtlehner.

Die Erträge aus legalen und illegalen Automaten haben sich von 2003 bis 2009 von 223,6 auf 508,8 Millionen Euro mehr als verdoppelt, ihr Anteil an den von 1,11 auf 1,54 Milliarden Euro gestiegenen gesamten Glücksspielerträgen ist von 20 auf 33 Prozent rasant gestiegen. Derzeit kassieren die Länder aus dem „Kleinen Glücksspiel“ jährlich rund 100 Millionen Euro, die mit der Novelle künftig erwarteten 150 bis 170 Millionen Euro wurden vom Institut für Höhere Studien (IHS) auf 100 bis 120 Millionen reduziert.

Die volkswirtschaftlichen Kosten der Spielsucht sind hingegen enorm, sie werden allein für die Steiermark – wo der KPÖ-Landtagsabgeordnete Ernest Kaltenegger das Thema schon seit 2005 thematisiert hat – mit 43,5 Millionen Euro pro Jahr angenommen. Die öffentliche Hand muss daher die Hilferufe der Beratungsstellen ernst nehmen. Da die Novelle die Probleme in Zusammenhang mit der Spielsucht noch weiter verschärft tritt die KPÖ für ein völliges Verbot des „Kleinen Glücksspiels“ ein wie das als einzigem Bundesland in Vorarlberg auch künftig der Fall ist.


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