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Der Tag, an dem die US-Truppen Steyr erreichten

  • Mittwoch, 5. Mai 2010 @ 13:16
Geschichte Meindls Tod: „Da weiß man wenig. Es wurde eine verkohlte Leiche gefunden“, Otto Treml
Bild: Archiv Treml

STEYR. Heute vor 65 Jahren marschierten amerikanische Truppen in Steyr ein, um dem Nazi-Regime ein Ende zu bereiten. Auch das Konzentrationslager in Münichholz wurde am 5. Mai 1945 befreit.

Er wird nicht müde, daran zu erinnern, was damals passiert ist im und um den Zweiten Weltkrieg: Otto Treml. Der ehemalige Steyrer Gemeinderat forscht, hebt Dokumente aus, verfasst Berichte. Freilich weiß er auch über jene Tage Bescheid, an denen Amerikaner und Russen nach Steyr kamen.

5. Mai 1945: Amerikanische Truppen dringen nach Steyr vor, Nazi-Oberbürgermeister Ransmayr übergibt die Stadt an einen US-Offizier. SS-Sturmführer Georg Meindl, der als Generaldirektor der Steyr-Werke eingesetzt ist, wird verhaftet. Die US-Soldaten beschlagnahmen unter anderem das Stadtplatz-Hotel Steyrerhof. Dort wird auch das Truppenkommando untergebracht. Über die Zivilbevölkerung wird ein Ausgehverbot verhängt. Lediglich von 9 bis 12 und von 14 bis 16 Uhr dürfen die Steyrer hinaus auf die Straßen.

Auch Fragen, die vermutlich nie mehr beantwortet werden können, tun sich auf. „Nähere Umstände zum Tod von Meindl weiß man nicht, es ist auch nicht bekannt, warum er so schnell aus dem Gefängnis entlassen worden ist“, sagt Treml. Fünf Tage nach seiner Verhaftung hätte sich der SS-Mann schon wieder auf freiem Fuß befunden, kurz danach wurde eine verkohlte Leiche in einem kleinen Haus in Neuzeug gefunden, daneben Meindls Papiere. Selbstmord? Lynch-Justiz? Man wisse es nicht.

Besser Bescheid wisse man um das Schicksal manches Widerstandkämpfers und um das, was wenige Tage vor Kriegsende geschah. Während in Wien bereits die Rote Armee das Kommando übernommen hatte, setzten die Hitler-Truppen in Oberösterreich das Morden fort. Unter jenen Deserteuren, die in Enns gehängt bzw. erschossen wurden, war auch der Wolferner Franz Steinmayr. Am 1. Mai richteten die Nazis den Steyrer Widerstandskämpfer Friedrich Derflinger hin. Ebenfalls wenige Tage vor Kriegsende wurden – im KZ Mauthausen – die Steyrer Ferdinand Sigmund, Otto Pensl und Johann Buchholzer umgebracht. Auch sie hatten dem KPÖ-Widerstand angehört.

Gauleiter August Eigruber, der sich zu diesem Zeitpunkt bereits auf der Flucht befand, hielt in der Bibliothek von Schloss Lamberg seine letzte Rundfunkansprache. Die Bevölkerung solle ausharren, sagte er. Er sollte später von den Amerikanern in St. Pankratz aufgegriffen und 1946 als verurteilter Kriegsverbrecher gehängt werden.

Die Sowjettruppen erreichten Steyr am 8. Mai 1945. Bis zum 28. Juli war die Stadt zweigeteilt, die Enns war Demarkationslinie. Franz Prokesch, SPÖ, wurde zum Bürgermeister des amerikanisch besetzten Teils bestellt. Bürgermeister in Steyr-Ost wurde Johann Kahlig von der KPÖ.

Quelle: OÖN, 5.5.2010, www.nachrichten.at


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