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Befreiungsfeier 2009 von Nazi-Provokation überschattet

  • Sonntag, 10. Mai 2009 @ 16:43
Antifa Die diesjährigen Befreiungsfeiern anlässlich des 64. Jahrestages der Befreiung vom Nazifaschismus wurden von einer Neonazi-Provokation bei der Gedenkfeier im ehemaligen Konzentrationslager Ebensee überschattet. Dabei wurden die TeilnehmerInnen, unter ihnen zahlreiche Überlebende, von einer Gruppe schwarzgekleideter und mit schwarzer Maske Vermummter mit Sieg-Heil-Rufen und Hitlergruß beleidigt wurden. Der Vorsitzende des Mauthausen Komitee Willi Mernyi spricht von einem unglaublichen Tabubruch: „Vor wenigen Wochen die KZ-Gedenkstätte Mauthausen geschändet, gestern ehemalige Häftlinge mit Nazi-Parolen provoziert - was kommt als nächstes?“

Die vom Mauthausen Komitee Österreich und der Österreichische Lagergemeinschaft Mauthausen organisierte Befreiungsfeier in der Gedenkstätte des ehemaligen Konzentrationslagers Mauthausen würdigte heuer schwerpunktmäßig den religiösen Widerstand gegen den Nazifaschismus. Rund 7.000 Menschen waren laut Polizeiangaben zur großen Kundgebung am 10. Mai 2009 anlässlich der Befreiung der Häftlinge durch US-amerikanische Truppen vor 64 Jahren gekommen.

Mit Kranzniederlegungen bei der Gedenktafel für die 42 kurz vor Kriegsende im KZ Mauthausen ermordeten Widerstandskämpfer an der Klagemauer sowie beim Einmarsch der Delegationen auf den Appellplatz beim Sarkophag ehrte eine Delegation der KPÖ – darunter der oö Landessprecher Leo Furtlehner und die Stv. Landessprecherinnen Gerlinde Grünn und Margit Kain sowie die KPÖ-KandidatInnen zur EU-Wahl Michael Schmida und Eugenie Kain – den antifaschistischen Widerstand und die Opfer des Faschismus.

Bei der im Jahre 2001 auf Initiative von KZ-Verband und KPÖ-Oberösterreich an der Klagemauer angebrachten Gedenktafel für die am 28. April 1945 bei der letzten Vergasungsaktion im KZ Mauthausen auf ausdrücklichen Befehl von Nazi-Gauleiter Eigruber ermordeten Antifaschisten – darunter der damalige KPÖ-Landesobmann Sepp Teufl – fand eine Gedenkkundgebung statt. Dabei würdigte KPÖ-Landessprecher Leo Furtlehner den antifaschistischen Widerstand und ging auf aktuelle Fragen des antifaschistischen Kampfes ein. Für den KZ-Verband sprach Landesvorsitzender Harald Grünn. Die Kundgebung wurde mit dem Partisanenlied „Bella Ciao“ abgeschlossen.

Neben den zahlreichen ausländischen Delegationen und vielen anderen österreichischen Organisationen zog eine Abordnung mit Fahnen von KPÖ, GLB sowie der Europäischen Linkspartei auf den Appellplatz ein.

Bei der Kundgebung auf dem Appellplatz richteten die Vertreter von fünf Religionen und der Überlebenden des KZ-Mauthausen einen dringenden Appell an Bundespräsident Fischer und die Bundesregierung, Maßnahmen gegen den aufkeimenden Rechtsextremismus und zunehmenden Rassismus zu ergreifen.

Unter den mehr als 200.000 Häftlingen, die zwischen 1938 und 1945 in Mauthausen inhaftiert waren, befanden sich auch Tausende, die sich aufgrund ihrer religiösen Überzeugung gegen das NS-Regime aufgelehnt hatten. Unter ihnen waren zahlreiche ZeugInnen Jehovas, die wie einer der Gedenkredner, Karl Hubmann vom Verein Lila Winkel, betonte „nicht die gewaltsame Veränderung der politischen Ordnung“ zum Ziel hatten, sondern lediglich dem Gebot „Du sollst nicht töten“ folgten.

Obwohl nicht aus religiösen sondern aus rassischen Gründen verfolgt, war es für Jüdinnen und Juden wichtig, „Gott und sich selbst treu zu bleiben und ihre moralische Würde und jüdischen Werte auch im Angesicht des Todes und der Vernichtung zu bewahren“ hob Rabbiner Schlomo Eliezer Hofmeister hervor.

Der römisch-katholische Altbischof Maximilian Aichern und der evangelische Bischof Michael Bünker widmeten sich in ihren Reden nicht nur jenen Glaubensbrüder und -schwestern, die auch angesichts der Gefahr für das eigene Leben zu ihren christlichen Werten standen, sondern bezogen klar Stellung zu den Fehlern und Versäumnissen ihrer Kirchen: „Insgesamt hat die evangelische Kirche im Nationalsozialismus Schuld auf sich geladen. Sie hat gegen sichtbares Unrecht nicht protestiert, sie hat geschwiegen und weggeschaut, sie ist dem Rad nicht in die Speichen gefallen“, meinte Bischof Bünker. „Die Einsicht in die Fehler und Versäumnisse der Vergangenheit muss uns dazu bringen, in der Gegenwart wachsam zu sein, Sensibilität zu entwickeln, für Bildung und Information zu sorgen und Zivilcourage zu zeigen“, hob Bischof Aichern hervor.

In ihrem Appell, den die Religionsvertreter gemeinsam mit den Überlebenden des KZ-Mauthausen und dem Mauthausen Komitee Österreich als Veranstalter der Gedenkfeier, stellvertretend an die anwesenden Ehrengäste Bundespräsident Heinz Fischer, Nationalratspräsidentin Barbara Prammer, Innenministerin Maria Fekter, ÖGB-Präsident Erich Foglar und Altbischof Herwig Sturm richteten, forderten sie dazu auf, „alle Mittel und Maßnahmen zur Bekämpfung von Rechtsextremismus und Rassismus auszuschöpfen, ein Klima zu schaffen, das von Respekt für alle Menschen unterschiedlicher Herkunft, Hautfarbe, sexueller Ausrichtung, Alter, Religion und Weltanschauung getragen ist, verstärkt für Gleichberechtigung und Antidiskriminierung einzutreten, um eine Arbeitswelt des Miteinanders zu gestalten, für ein Klima des Verständnisses und der Toleranz zu sorgen, dafür zu sensibilisieren, dass Worte Wegbereiter für Taten werden können, und aufzuzeigen, wo die Würde des Menschen bedroht wird und ewig gestrigen Stammtischparolen und demagogischen Hetzern mutig entgegen zu treten.“

In dem 1938 unmittelbar nach der Annexion Österreichs durch Hitlerdeutschland errichteten Nazi-Konzentrationslager Mauthausen und seinen rund 50 Nebenlagern wurde die Hälfte der insgesamt über 200.000 inhaftierten Menschen – darunter Regime-Gegner, Juden, Kriegsgefangene, Roma und Sinti sowie Homosexuelle – ermordet. Bereits im Vorfeld der Befreiungsfeier in Mauthausen fanden zahlreiche Kundgebungen bei Gedenkstätten in den ehemaligen Außenlagern und anderen Stätten der Verfolgung in der Nazi-Ära statt.

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