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Bericht von Günther, einem der Verhafteten

  • Freitag, 8. Mai 2009 @ 12:53
Demokratie Ich bin Magister der Sozial- und Wirtschaftswissenschaften, Stadtsoziologe und freischaffender Künstler und momentan für das „Festival der Regionen“ Projekt „Filiale Auwiesen“ tätig. Darüber hinaus bin ich Rockmusiker, ehemaliger Jugendkulturarbeiter, kurz, das was man in Linz einen „Freie Szene Mensch“ bezeichnet. Ganz ausdrücklich möchte ich darauf hinweisen, dass ich keiner Partei angehöre.

Seit ich in jungen Jahren im Fernsehen gesehen habe, wie 1989 die Menschen in der DDR auf die Straße gegangen sind, um gegen unhaltbaren Zustände Widerstand zu leisten, bin ich mir darüber bewusst, wie wichtig und richtig es ist, auf die Straße demonstrieren zu gehen und für demokratische Verhältnisse einzutreten. Darum mache ich das auch seit vielen Jahren!

Dies ist die Schilderung der Ereignisse, wie ich sie erlebt habe:

An jenem 1. Mai 2009 ging ich zum alternativen 1. Mai Aufmarsch. Die Stimmung war zu Beginn friedlich und unaufgeregt. Als Polizeieinheiten eine wahllos ausgesuchte Gruppe umstellten, nahm ich das zunächst gar nicht als Gefahr wahr. Von diesen umstellten Personen trugen nur einige wenige zu Beginn eine Kapuze, manche eine Sonnenbrille. Personen, die Nase und Mund bedeckt haben sollen, habe ich nichts mitgekommen, ich habe keine gesehen. Darüber hinaus muss noch festgestellt werden, dass sich zwar sehr viele Jugendliche (14-20 jährige) aber auch einige ältere Menschen in diesem Kessel befanden.

Erst als einige der Beamten Beschimpfungen und Bedrohungen von sich gaben änderte sich die Lage. Verwunderung und Empörung breitete sich aus. Um die Situation zu entschärfen haben sich die Umstellten auf den Boden gesetzt. Auf Gerüchte, dass die Polizei die Aufnahme der Personalien forderte, protestierte ich mit Worten. Niemals habe ich von Gewalt Gebrauch gemacht.

Erst als die Provokation der Polizisten handgreiflich wurden und Schreie zu vernehmen waren, sind alle wieder aufgestanden. Die Beamten haben den Kreis immer enger gezogen. Aufgrund des hohen Ausmaßes der Bedrohung auf unsere Unversehrtheit habe ich mich an der Person neben mir festgehalten. Genau auf diese Stelle erfolgte dann der Angriff, der im Video zu sehen ist. Ich habe die Anzahl der Schläge nicht mitbekommen, da in erster Linie mein Nebenmann getroffen wurde. Ich wurde dann von vielen Armen gepackt, ich ließ meinen Körper erschlaffen und leistete somit nicht den geringsten Funken von Widerstand. Trotzdem zerrten die viele Arme meine Extremitäten in alle Richtungen. Mein Gesicht wurde zu Boden gedrückt, ich habe „Aua, Aua“ gerufen und mir wurden Handschellen angelegt. Eigentlich war es zunächst eine starre Fixierung, später wurden mir bewegliche Handschellen angelegt. In der Nietzschestraße wurde ich wieder wie ein Mensch behandelt, also wie auf einem normalen Amt. Mir wurde „Aggressives Verhalten“ vorgeworfen, nach einer Stunde wurde ich aus der Haft entlassen.

Meine Empfindungen zu dieser Sache kann ich folgendermaßen beschreiben:

Viel mehr als die Schläge und die unschöne Verhaftung schmerzen mich die Worte der höchsten Sicherheitsbeamten. Ich bin zu tiefst empört, dass der Versuch unternommen wird, mich mit Begriffen, die eine negative Assoziation hervorrufen sollen, zu diffamieren und darüber, dass haltlose Vorwürfe verbreitet werden.

Ich danke allen Menschen, die sich jetzt solidarisch erklären und mir helfen und möchte mit einem Zitat von Vaclav Havel enden:

„Ein natürlicher Nachteil der Demokratie ist, dass sie denen die Hände bindet, die es ernst mit ihr meinen.“

Quelle: HYPERLINK „http://www.gutzitiert.de/zitat_autor_vaclav_havelJ932.html„ http__ www.gutzitiert.de/zitat autor vaclav havel 1932.html, 7.05.2009


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