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Ein Experte für alles

  • Dienstag, 18. November 2008 @ 22:23
Kapital Ausgerechnet von Gerald Mandlbauer, dem Chefredakteur der stramm neoliberal ausgerichteten „OÖN“ wurde der Industrielle Hannes Androsch recht derb zurechtgestutzt. Anlass dafür war, dass der mediale Hansdampf in allen Gassen zur Misere um AUA, Post und Telekom gemeint hatte, schuld daran wäre der „ideologisch motivierte Privatisierungswahnsinn“.

Mandlbauer erinnerte Androsch süffisant daran, dass er selbst 1994 durch die Privatisierung der AT&S als „Schnäppchen“ um damals 90 Millionen Schilling und 1997 durch den spottbilligen Erwerb der Salinen AG (gemeinsam mit Raiffeisen) reich geworden war und als Partner der „Heuschrecke“ Cerberus den Verkauf der BAWAG eingefädelt hat: „Kapitalist ist Androsch trotzdem keiner. Das sind nämlich immer nur die anderen“ so zynisch das „Landeshauptblatt“ OÖN.

Der „Held der Wirtschaft“

Auch die großbürgerliche „Presse“ macht aus ihrem Spott über „Hannes Androsch, Held der Wirtschaft“ kein Hehl und weist auf das Phänomen hin, dass der „Elder Statesman“ Androsch trotz sonst überaus negativ beurteilter Aktivitäten wie Steuerhinterziehung oder Arbeitsplatzvernichtung sich nach wie vor in der Bevölkerung „ungeheurer Beliebtheit“ erfreut. Kein Wunder – dafür sorgt schon „Onkel Hans“ und seine „Krone“.

Nicht nur im Massenblatt sondern so gut wie in allen Medien darf der jetzt vom SPÖ-Chef Werner Faymann zum Wirtschaftsberater geadelte Androsch seinen Sermon ablassen. Was Niki Lauda für den Luftverkehr, ist Androsch für die Wirtschaftspolitik „nämlich Experte für eh alles: Katastrophen, Fehlentwicklungen, Personalentscheidungen. Sie fragen, wir antworten“ spottet die „Presse“, die zudem genüsslich informiert, wie Faymann beim Frühstück am Lido in Venedig seinen Urlaubsnachbarn Androsch als Berater angeheuert hat.

Regieren wir Kreisky und Androsch

Sein Credo hat der neue SPÖ-Chef schon verkündet: „Ich würde gerne so wie sie regieren“ – gemeint sind Bruno Kreisky und Hannes Androsch. Abgesehen vom tiefen Zerwürfnis zwischen den einstigen Politikern spielt es das heute auch sonst nicht. Und nur mit Nostalgie wird Faymann wohl schlecht Politik machen können. Aber immerhin „er fragt, und er kann auch zuhören“ im Unterschied zum Vorgänger Gusenbauer, der es wagte Androschs Ratschläge in den Wind zu schlagen.

Umsonst ist bekanntlich der Tod und so sind auch Androschs Tipps nicht kostenlos. Daher sitzt er auch als „Vertrauensmann“ von Faymann im Aufsichtsratspräsidium jener staatlichen Gesellschaft, die über die 100-Milliarden-Bürgschaft für vom Ruin bedrohte Banken entscheidet. Und dort hat ihm der SPÖ Chef „großen Freiraum gelassen, die Sache mit zu beeinflussen“.

Androsch als „heimlicher Finanzminister“ (wie eine Boulevardzeitung titelte) sorgt ganz uneitel für Omnipräsenz, etwa auf einer eigenen Website sogar mit eigener Zitatensammlung. Denn er sieht sich als Feuerwehr und „wenn es brennt, rückt man aus“ und sein Wirken sieht er als „moralische Verpflichtung“. Seine Beliebtheit findet er „schmeichelhaft und ehrenvoll“, laut einer „profil“-Umfrage würden 40 Prozent seine Rückkehr in die Politik befürworten.

Dabei ist das gar nicht notwendig. Die offizielle Politik hat sich bekanntlich schon längst soweit selbst entmachtet, dass andere, nämlich die bestimmenden Kräfte der Wirtschaft, die wirklich wichtigen Entscheidungen treffen: „Man kann auch mitgestalten, ohne ein politisches Amt zu haben“ so Androsch trocken. Wie freilich die Grenzen der eigenen Wahrnehmung verschwimmen macht Androsch mit seiner Kritik „Politik wurde zum Seitenblicke-Event mit einer Selbstgefälligkeit von unbeschränkter Trivialität“ deutlich.

Laut dem Politikberater Thomas Hofer ist Androsch ein „Kommunikationstalent“, das „kompexe Inhalte massentauglich unters Volk bringen“ kann. So gesehen ist das Dreigestirn des Populismus, nämlich Dichand, Androsch und Faymann wohl die bestimmende Kraft in diesem Land (da kann sich höchstens noch Strache dazugesellen). Der als „Retter der österreichischen Wirtschaft“ gefeierte SPÖ-Industrielle wird sogar nachsichtig behandelt, wenn er auf einen Schlag 600 Beschäftigte der AT&S auf die Straße schmeißt. Und von einer Rückzahlung der für den Ausbau des Leiterplattenwerkes am Standort Leoben-Hinterberg im Jahre 2006 kassierten Subventionen wie von der KPÖ gefordert ist natürlich auch keine Rede. Den Seinen gibt´s der Herr bekanntlich im Schlafe – zumindest mit dem Segen der SPÖ-Mehrheit im Leobener Gemeinderat.

Androsch kauft alles

Lang ist die Liste der einst staatlichen Unternehmen die Androsch kaufte oder kaufen wollte: Bei AT&S, Salinen und voestalpine war er dabei auch erfolgreich, Interesse angemeldet hatte er zudem bei Telekom, Lenzing, DDSG, HTM, Steyr-Daimler-Puch AG, Semperit, Porzellanmanufaktur Augarten, VA-Tech und Böhler-Uddeholm. Wobei Insider vermuten, dass es Androsch weniger um eine wirkliche Übernahme, sondern um mediale Präsenz und patriotisches Gebärden gegangen war.

Im Salzkammergut wartet die Bevölkerung heute noch auf die Verwirklichung der großspurigen Versprechungen des von den Medien untertänig zum „Salzbaron“ hochstilisierten Industriellen mit Wohnsitz in Bad Aussee, einem Refugium von „Reich und schön“, bei der Übernahme der Salinen AG. Die Region mit Reichtum zu überziehen, davon kann freilich keine Rede sein. Und im Innviertel bangen die Beschäftigten der Salinen-Tochter FACC seit Jahren um ihre Arbeitsplätze in der unsicheren Flugzeugzulieferindustrie.

Geld als Hebel zur Macht

Zu seinem medial in großflächigen Interviews und Seitenblicke-Berichten abgefeierten 70er im Frühjahr 2008 gab Androsch Einblick in seine Welt: „Geld hat mich nie um des Geldes Willen interessiert“, so seine Erkenntnis, sondern nur als „Hebel etwas zu bewegen“ und „Gleiches gilt für Macht“. Dabei kam dem von 1970 bis 1981 amtierenden Finanzminister sicher zugute, wenn er meint „Wir mussten nicht den Marsch durch die Institutionen antreten, wir haben sie einfach übernommen“. Der verlorenen Macht, nicht Kanzler geworden zu sein, trauert er wohl heute noch nach.

Wer so selbstbewusst wie Androsch über den Dingen steht kann nicht frei von Verschwörungstheorien sein: „Die Justiz hat sich voll einspannen lassen, die Minister Herbert Salcher, Franz Vranitzky und Ferdinand Lacina haben als Chefs der Finanzbehörden mitgemacht, um den Wunsch des Herrn und Meisters zu erfüllen“ um in einem „von A bis Z getürkten Verfahren“ die Verurteilung Androschs wegen Steuerhinterziehung zu erreichen, vertraute der dem „Standard“ an.

Doch das hinderte Androsch nicht, nach seinen beiden Karrieren mit der Steuerberatungskanzlei Consultatio und als Finanzminister 1981 eine dritte Karriere als hochbezahlter Generaldirektor der Creditanstalt anzutreten, der 1994 eine vierte als Industrieller folgte, der durch die New-Economy-Blase der 90er Jahre vom „Leider-Nein-Millionär“ zum Schilling-Milliardär wurde.

© Leo Furtlehner, 2008


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