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1934: ”Der junge Genosse hat zu 99 Prozent recht...”

  • Mittwoch, 12. Februar 2014 @ 08:00
Geschichte Die KPÖ war am 26. Mai 1933 verboten worden, nachdem sie und ihre Presse schon lange fortgesetzten Justiz- und Polizeischikanen ausgesetzt war. Die Partei hatte sich jedoch gut auf die Illegalität vorbereitet. Von Juni bis August 1933 entstanden neue Organisationen und Stützpunkte, auch die Zahl der Mitglieder nahm trotz der Illegalität zu. Im September 1933 fand auf der ”Gis” (Gemeinde Lichtenberg) eine Landeskonferenz statt, bei der sich eine linke Gruppe unter Franz Haider der KPÖ (Obmann Sepp Teufl) anschloss.


Schon seit Jahren war es eine der Hauptaufgaben der Kommunisten gewesen, im Rahmen des Republikanischen Schutzbundes mitzuarbeiten. Hier traten die Kommunisten stets aktiv gegen die Politik des ständigen Nachgebens auf und verlangten die Mobilmachung der Arbeiterschaft.

Auftreten bei SDAP-Versammlungen

Franz Haider, der Landesobmann der KPÖ nach 1945, berichtet in seinen Erinnerungen über drei große Vertrauensmännerkonferenzen der SDAP im Herbst 1933, die im Theresiensaal, in der Dorfhalle und in der Bergbahn in Urfahr zur Vorbereitung des außerordentlichen Parteitages der Sozialdemokratischen Partei durchgeführt wurden und bei denen der Parteiführer Otto Bauer sprach.

Im Theresiensaal trat Sepp Teufl als kommunistischer Diskussionsredner auf, in Urfahr Felix Brandstätter und in der Dorfhalle in der Franckstraße Franz Haider. Franz Haider berichtet darüber: ”Otto Bauer sagte in seinem Schlusswort: Der junge Genosse (nämlich Franz Haider, die Red.) hat zu 99 Prozent recht. Was aber ist dann, wenn das eine Prozent eintritt, dass die Arbeiterschaft die Gefahr noch nicht genug versteht?” Otto Bauer setzte sich bei diesen Konferenzen dafür ein, weiter ”Gewehr bei Fuß” zu stehen.

Das Zentralkomitee der KPÖ hat den Vorgängen in Linz und Oberösterreich schon 1933 große Bedeutung beigemessen. Es entsandte einen eigenen Instrukteur nach Linz, den aus Kärnten stammenden Simon Kompein, der in Linz unter dem illegalen Namen König wirkte.

Anfang Februar 1934 fand eine Zusammenkunft der kommunistischen Gruppenverantwortlichen von Linz statt. Dabei wurde auch ein Brief an das Zentralkomitee beschlossen, in dem auf die zugespitzte Lage in Linz aufmerksam gemacht wurde. Das Zentralkomitee schickte daraufhin zwei ihrer wichtigsten Mitarbeiter, nämlich Leopold Hornik und Alfred Klahr, nach Linz.

Historisch bedeutendes Flugblatt

Hornik, Klahr und Kompein (König) trafen in Linz mit dem Schutzbund-Kommandanten des Gebietes Franckstraße, Franz Kaltenböck, zusammen. Auf der Grundlage dieser Diskussion wurde von Hornik dann das historisch bedeutsame Flugblatt verfasst, das am 10. Februar als Sonderdruck der ”Roten Fahne” erschienen ist, in den Betrieben verteilt wurde.

Das berühmt gewordene Flugblatt war ein Versuch, größere Aktionen auszulösen, die dem bevorstehenden Ansturm des Faschismus zuvorkommen sollten. Wäre dieser Aufruf stärker durchgedrungen, dann wäre der Ausgangspunkt für die schließlich doch losbrechenden Kämpfe günstiger gewesen, als es dann, wenige Tage später, der Fall war.

Die KPÖ trug die Auseinandersetzung über den einzuschlagenden Weg ständig in die Sozialdemokratische Partei hinein. Franz Haider berichtet: ”Gegen Ende 1933 und Anfang 1934 gab es fast täglich Besprechungen innerhalb der Partei, Schutzbundversammlungen und andere Zusammenkünfte. Die Wehrturner-Abteilung des Schutzbundes stand fast vollkommen unter unserem Einfluß. Wir arbeiten mit der 54. Schutzbundabteilung zusammen, die als die radikalste Abteilung galt.”

Warnung vor ”Putschdenken”

Die KPÖ hatte auch fest umrissene Vorstellungen von der Entwicklung des Kampfes und warnte ausdrücklich vor abenteuerlichem ”Putschdenken”. Franz Haider sagte dazu: ”Wir versuchten über Otto Huschka (den damaligen Linzer Schutzbundkommandanten, die Red.) auf Richard Bernaschek einzuwirken, dass der wirtschaftliche und politische Kampf entfaltet wird zu einer breiteren Streikbewegung, um so zum Massenwiderstand zu kommen.”

Peter Kammerstätter berichtet, wie er bei Zusammenkünften des Schutzbundes und in Kreisen von Gewerkschaftern und Sportlern immer wieder die Auffassung der KPÖ vertreten habe, dass die wirtschaftlichen und politischen Auseinandersetzungen auf allen Gebieten entfaltet werden müßten und der Generalstreik die Krönung sein muß.

Er sei bei diesen Feststellungen zum Teil auf heftigen Widerstand gestoßen, wobei vor allem das Argument gebraucht wurde, dass ihm, dem Jüngeren, die Erfahrung fehle, um hier für Kampfmaßnahmen ”Ratschläge” erteilen zu können. Aber bei einem anderen Teil habe er ebenso stürmische Zustimmung zu seinen Ausführungen gefunden, auch bei wichtigen Schutzbundfunktionären.

”Hotel Schiff” als gefährliche Mausefalle

Die Kommunisten machten sich auch keine Illusionen über strategische Schwächen von bestimmten Kampfplänen. Sie machten sich beispielsweise Sorge darüber, dass das ”Hotel Schiff” als Kampfleitung sehr bald eine gefährliche Mausefalle werden könnte. Der Gang der Ereignisse hat ihnen dann bitter recht gegeben.

Franz Haider berichtet: ”Wir hatten uns damals in der Parteigruppe besprochen, Richard Bernaschek dazu zu bewegen, die Leitung des Schutzbundes vom ”Hotel Schiff” weg in ein streng illegales Zentrum zu verlegen und im ”Hotel Schiff” selbst nur einen kleinen Bereitschaftsdienst zu lassen.”

Die KPÖ hatte für die engere Leitung bereits einen illegalen Zusammenkunftsort festgelegt und auch Kuriere eingeteilt, die Verbindung halten sollten mit den illegalen Organisationen in den Betrieben und mit der Leitung des Schutzbundes.

Kompein-König berichtet: ”Bereits im Dezember 1933 hatte ich durch Vermittlung eines Genossen, ich glaube es war Genosse Teufl oder Genosse Brandstätter, Kontakt mit dem Schutzbund-Kommandanten des Abschnittes Dorfhalle (Franz Kaltenböck, die Red.). Bereits im Jänner hat mich dieser Genosse in sein Vertrauen gezogen und ich konnte an Besprechungen mehrerer Kommandanten in seiner Wohnung teilnehmen. Auf diese Weise wusste ich viele Einzelheiten der geplanten Abwehr und es war für mich klar, wenn die Polizei vor einem der Arbeiterheime in Linz aufmarschiert, um dort eine Hausdurchsuchung vorzunehmen, dass es dann krachen wird.”

Kommunist als Schutzbundführer

Eine Besonderheit stellt der Einfluß der KPÖ auf die Februarkämpfe in Attnang-Puchheim dar, da der dortige Bezirksschutzbundkommandant Karl Sulzberger, ein Vertreter der Linksopposition in der SDAP bereits im Sommer 1933 der KPÖ beigetreten, im Auftrag des KPÖ-Vorsitzenden Johann Koplenig jedoch die Doppelmitgliedschaft beibehalten hatte.

Die offensichtlich dem Einfluß der KPÖ geschuldete Stimmung im Attnanger Schutzbund gab der Linzer Bürgermeister Ernst Koref in einem Bericht über eine Versammlung im Arbeiterheim Attnang über die ”menschlich einfach formuliert, rabiat gewordenen Genossen des Hausruckviertels” wieder, die ”unbedingt losgehen wollten” und resümierte, dass ”die mir auferlegte Bremserrolle war weder seelisch noch physisch eine befriedigende Aufgabe”.

Literatur:
- Garscha Winfried/McLoughlin Barry, Wien 1927 - Menetekel der Republik, Globus-Verlag Wien, 1987
- Fiereder Helmut, Der Republikanische Schutzbund in Linz und die Kampfhandlungen im Februar 1934, Kulturamt der Stadt Linz, 1983
- Grabner Günther/Hangler Reinhold/Hawle Christian/Kammerstätter Peter, „An die Wand mit ihnen“, Zu den Ereignissen des Februar 1934 im Bezirk Vöcklabruck, Vorwort von Josef Mair, Eigenverlag der KPÖ, 1984
- Kammerstätter Peter, Der Aufstand des Republikanischen Schutzbundes in Oberösterreich am 12. Februar 1934 im Spiegel der Literatur und Lyrik, Eigenverlag, 1986
- Slapnicka Harry, Oberösterreich - Zwischen Bürgerkrieg und Anschluss (1927-1938), OÖ Landesverlag, 1975
- Treml Otto, 1934 Februarkampf in Steyr, KPÖ-Steyr, 1984
- Weidenholzer Josef/Perfahl Brigitte/Hummer Hubert, „Es wird nicht mehr verhandelt...“, Der 12. Februar 1934 in Oberösterreich, Ludwig-Boltzmann-Institut für Geschichte der Arbeiterbewegung, Universität Linz, 1984
- Der Kampf war hart und schwer - Februar 1934, KPÖ-Oberösterreich, 1999
- Garscha Winfried/Hautmann Hans, Februar 1934 in Österreich, Globus-Verlag Wien, 1984
- Kain Franz, Februar 1934 - KPÖ hat das Erbe treu bewahrt, Neues Linz, Nummer 1/1984, Februar 1984
- Reisberg Arnold, Februar 1934 - Hintergründe und Folgen, Globus-Verlag Wien 1974

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