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Made in China

  • Freitag, 15. September 2006 @ 09:43
Global 17 Stunden am Tag, sieben Tage die Woche für 60 Euro im Monat

Zwei Mitarbeiterinnen von Arbeitsrechtsorganisationen aus Hong Kong berichteten anlässlich des Filmstarts von „China Blue“ über ihre Erfahrungen in der chinesischen Bekleidungsindustrie.

17 Stunden am Tag, sieben Tage die Woche für 60 Euro im Monat – Für die 20-jährige Jasmin, die in der südchinesischen Stadt Shaxi Jeans für den Export nach Europa und in die USA zuschneidet, ist es Alltag. Der Film China Blue von Micha X. Peled zeigt Einblicke hinter die Fabrikstore und gibt den anonymen ArbeiterInnen ein Gesicht. Yuk Yuk Choi von Worker Empowerment und Jenny Chan von Students and Scholars against Corporate Misbehaviour kennen die Probleme und Ängste der chinesischen ArbeiterInnen und setzen sich für ihre Rechte ein.

Überwiegend junge Frauen verlassen ihre Heimatdörfer, um in den Städten Arbeit zu finden. In ländlichen Provinzen sind sie mit begrenzten Ausbildungsmöglichkeiten, Armut, arrangierten Ehen und patriarchalischen Strukturen konfrontiert. Mit der Flucht in die Städte erhoffen sie sich Unabhängigkeit und Anschluss an die moderne Welt. „Gerade junge, unverheiratete Frauen auf der Suche nach Arbeit haben kaum eine Wahl, als in Fabriken unter unmenschlichen und gefährlichen Bedingungen zu arbeiten. Sie wissen nicht über ihre Rechte Bescheid und haben oft nicht den Mut und die Kraft für die Verbesserung ihrer Situation zu kämpfen“, erläutert Yuk Yuk Choi von Worker Empowerment die Situation von jungen Wanderarbeiterinnen.

In China sterben täglich rund 350 Menschen auf Grund von Arbeitsunfällen. Über 80 ArbeiterInnen erleiden täglich Verstümmelungen an der Hand durch die Arbeit an nicht ausreichend gesicherten Maschinen. Neun von zehn chinesischen Herstellern missachten nicht nur die internationalen Kernarbeitsnormen, sondern auch Chinas eigene Arbeitsgesetze. So schreibt das chinesische Arbeitsrecht eine tägliche Arbeitszeit von acht Stunden vor, tatsächlich sind die ArbeiterInnen 14 Stunden und mehr in den Fabriken beschäftigt.

Die ArbeiterInnen produzieren sieben Tage die Woche Waren für den Export, obwohl ein freier Tag vorgeschrieben wäre. Die monatlichen Überstunden sind sieben Mal höher als das vom Gesetzgeber definierte Maximum von 36 Stunden. Trotz der überlangen Arbeitszeiten bekommen die Beschäftigten ein Gehalt unter dem Mindestlohn ausbezahlt. In der Sonderwirtschaftszone Shenzhen wäre ein Gehalt in der Höhe von 700 yuan (70 Euro) gesetzlich vorgesehen, effektiv bekommen die ArbeiterInnen 500 yuan (50 Euro). „Insbesondere die Provinzregierungen sind primär am wirtschaftlichen Wachstum interessiert. Die Lage der ArbeiterInnen ist zweitrangig“, erklärt Jenny Chan von Students and Scholars against Corporate Misbehaviour die ungeahndeten Verstöße gegen das chinesische Arbeitsrecht.

Nicht nur die Regierung trägt Verantwortung für die schlechten Arbeitsbedingungen. Besonders der Druck der westlichen Konzerne zwingt die Zulieferbetriebe in China ihre ArbeiterInnen bis 3 Uhr in der Früh arbeiten zu lassen. „Menschenwürdige und sichere Arbeitsplätze müssen zum Verkaufsargument Nummer eins für die KonsumentInnen in Europa werden, um eine Verbesserung für die ArbeiterInnen zu erreichen“, erklärt Michaela Königshofer, Koordinatorin der Clean Clothes Kampagne.

Als Strategie zur Kostensenkung lagern multinationale Unternehmen Teile der Produktion in Zulieferbetriebe aus, wobei sich formelle und informelle Wirtschaft immer mehr verschränken. Helga Neumayer vom Verein Frauensolidarität weist auf die besonders prekäre Situation der Frauen hin, die am Ende einer langen Kette von Subunternehmen stehen und die Aufträge in Heimarbeit erledigen. Jene Arbeiterinnen der so genannten „Informellen Wirtschaft“ stehen unter enormen Druck, da sie für die Erledigung von just-in-time-Aufträgen exzessive Überstunden machen, ihre Kinder zuhause in die Fertigung der Waren einbinden und pro Stück bezahlt werden. Sie arbeiten unter hoher körperlicher Belastung, ohne Arbeitsverträge und Lohnvereinbarungen, ohne Mutterschutz, Pensions-, Kranken- und Unfallsversicherung und ohne arbeitsrechtliche Vertretung z.B. in Gewerkschaften. Die Arbeitsrechte der Frauen in der informellen Wirtschaft ist Thema einer zweijährigen Kampagne der Frauensolidarität.

Die Suche nach den billigsten Anbietern hat nicht nur für Jasmin, die Protagonistin des Films China Blue, die Auswirkung, dass sie 17 Stunden am Tag, sieben Tage die Woche für 60 Euro im Monat arbeiten muss, sondern dass auch in Österreich Menschen ihre Arbeit verlieren. Das jüngste Beispiel ist die Schließung einer kärntnerischen Schuhfabrik. „Wirtschaftliches Wachstum darf nicht auf Kosten der Arbeiterinnen und Arbeiter erzwungen werden. Die Kernarbeitsnormen müssen zum Bestandteil aller internationalen Handelsverträge und Übereinkommen der WTO werden“, fordert Monika Kemperle, die in der gmtn für den Textilbereich verantwortlich ist.

Clean Clothes - Kampagne für faire Arbeitsbedingungen weltweit - setzt sich für die Interessen der ArbeitnehmerInnen in der Bekleidungs- und Sportartikelindustrie ein und vertritt die Forderungen kritischer KonsumentInnen nach Einhaltung von sozialen Mindeststandards bei der Herstellung von Bekleidung und Sportartikeln. Sie wird in Österreich von zahlreichen gewerkschaftlichen, kirchlichen, frauen- und entwicklungspolitischen Organisationen getragen und von der Österreichischen Entwicklungszusammenarbeit gefördert.

Weitere Infos: http://www.cleanclothes.at

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