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Gemeinsame Erklärung antifaschistischer Organisationen

  • Montag, 10. Juli 2006 @ 09:28
Antifa zum „Österreichischen Turnerbund“ (ÖTB) anlässlich des „Bundesturnfestes“ in Linz

Jahrzehntelang äußerte sich das Gedankengut der Führung des „Österreichischen Turnerbundes“ (ÖTB) in deutschnationalen und rechtsextremen Aktivitäten. Ungeachtet dessen gehörten und gehören viele Mitglieder dem ÖTB nur aus Gründen des Sports an.

In letzter Zeit wird von Seiten des ÖTB behauptet, er habe sich wesentlich gewandelt und sei schon seit langem ein normaler Sportverband ohne deutschnationale und rechtsextreme Inhalte.

Richtig ist, dass der ÖTB vorsichtiger agiert, weil er unter dem Druck massiver öffentlicher Kritik fürchten muss, Mitglieder und finanzielle Förderungen zu verlieren. Die frühere „nationalsozialistische und österreichfeindliche Schreibweise“ in ÖTB-Zeitschriften (so ein rechtskräftiges Gerichtsurteil aus 1981) unterbleibt heute ebenso wie die noch vor einigen Jahren übliche Verwendung von Fahnen mit der Aufschrift „Rassenreinheit“.

Eine genauere Überprüfung zeigt allerdings, dass es sich hierbei eher um taktische Zugeständnisse als um eine wirkliche Änderung des Denkens der ÖTB-Führung handelt. Noch immer tritt letztere für „die Erhaltung, Pflege und Förderung des deutschen Volkstums“ ein (ÖTB-Leitsätze vom 17. 11. 1996). Diese deutschnationale Ideologie ist der Hintergrund für Vorfälle wie die folgenden:

1998 weigern sich Schüler des Wiener Gymnasiums Rahlgasse, in einem ÖTB-Saal zu turnen. Denn dort findet sich noch immer eine Büste des „Turnvaters“ Friedrich Ludwig Jahn – eines fanatischen Antisemiten und Rassisten – und darunter die Inschrift: „Dem Deutschen kann nur durch Deutsche geholfen werden. Fremde Helfer bringen uns immer tiefer ins Verderben.“ Schuldirektorin und Stadtschulrat unterstützen die Schüler. („Der Standard“ vom 31. 1. / 1. 2. 1998)

2001 veröffentlicht der ÖTB Oberösterreich eine Todesanzeige für Sepp Holzinger. Darin heißt es wörtlich: „Das „Jahnsche Turnen“ mit all seinen Ausprägungen erfüllte sein ganzes Leben. Unser Turnbruder war im ÖTB OÖ jahrelang als Gaujugendwart und Gauturnwart tätig. Während dieser Zeit errichtete er Fundamente, auf denen nach wie vor unser Turnen aufbaut.“ („OÖ. Nachrichten“ vom 27. 9. 2001) Der vom ÖTB für seine prägende Jugendarbeit Gewürdigte war auch jahrelang oö. Landesvorsitzender der neonazistischen, später verbotenen „Nationaldemokratischen Partei“ (NDP). Als der Salzburger Rechtsextremist Fritz Rebhandl 1992 wegen NS-Wiederbetätigung verurteilt wurde, schrie Holzinger im Gerichtssaal „Schandurteil!“. (Vgl. Wolfgang Purtscheller: „Aufbruch der Völkischen - Das braune Netzwerk“, Picus Verlag, Wien 1993)

2001 führt der ÖTB Wien eine Totenehrung durch. Dabei wird gemeinsam das SS-Lied „Wenn alle untreu werden“ gesungen. Anschließend werden Sprüche von Ottokar Kernstock (deutschnationaler Schriftsteller, Kriegspropagandist, Verfasser des „Hakenkreuzliedes“) und Herbert Böhme (nationalsozialistischer Schriftsteller, Verfasser von Gedichten wie „Des Blutes Gesänge“ oder „Der Führer“) vorgetragen. („Unser Turnen“ 12 / 2001)

Das „Dokumentationsarchiv des österreichischen Widerstandes“ (DÖW) ordnet den ÖTB dem „Vorfeld des Rechtsextremismus“ zu.

Anlässlich des „Bundesturnfestes“ des ÖTB in Linz fordern die unterzeichneten antifaschistischen Organisationen alle demokratischen Parteien sowie deren Mandatarinnen und Mandatare auf, jede wie auch immer geartete unmittelbare oder mittelbare Subventionierung oder sonstige Unterstützung des „Österreichischen Turnerbundes“ und seiner Zweigvereine abzulehnen.

Ein wirklicher Gesinnungswandel der ÖTB-Führung wäre allerdings dann gegeben, wenn sie folgende Maßnahmen setzt:

1) Völlige Aufgabe des Kults um den „Turnvater“ Friedrich Ludwig Jahn
2) Beseitigung aller belasteten Symbole und Mahnmale (Jahn-Denkmäler, Turnerkreuze etc.)
3) Streichung des "deutschen Volkstums" aus den ÖTB-Leitlinien und uneingeschränktes Bekenntnis zur österreichischen Nation
4) Ehrliche Aufarbeitung der eigenen Geschichte (Rassismus, Antisemitismus und "Arierparagraph" in der Vorläuferorganisation „Deutscher Turnerbund 1919“, enges Zusammenwirken mit der NSDAP und nach 1945 mit rechtsextremen Organisationen wie dem "Verein Dichterstein Offenhausen" etc.)
5) Völlige Aufgabe des Dietwarte-Wesens (d.h. der deutschnationalen Ideologiefunktionäre des ÖTB)

Die unterzeichneten antifaschistischen Organisationen fordern den ÖTB und seine Zweigvereine auf, für eine Erfüllung dieser Punkte zu sorgen. Der ÖTB würde sich damit tatsächlich zu einem normalen demokratischen Sportverband entwickeln, gegen dessen Subventionierung keine Einwände bestehen.

Linz, am 10. Juli 2006
OÖ. Netzwerk gegen Rassismus und Rechtsextremismus


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