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Keine Unterstützung für den deutschnationalen ÖTB!

  • Samstag, 9. Juli 2005 @ 11:25
Antifa Am 3. Oktober 1995 hat der Bundesparteitag der SPÖ mit überwältigender Mehrheit einen Beschluss gefasst, der alle sozialdemokratische Funktionäre und Mandatare auf allen Ebenen verpflichtet, gegen jede Subventionierung oder sonstige öffentliche Unterstützung des „Österreichischen Turnerbundes“ (ÖTB) aufzutreten. Begründet wurde dieser Beschluss mit dem Gedankengut der ÖTB-Führung, das sich in einer Fülle deutschnationaler und rechtsextremer Aktivitäten äußerte. Gleichzeitig hielt der Bundesparteitag fest, dass viele ÖTB-Mitglieder nur aus Gründen des Sports beigetreten sind.

In letzter Zeit wird von Seiten des ÖTB und auch von Seiten mancher SPÖ-Funktionäre behauptet, der ÖTB habe sich seit Mitte der 90er Jahre wesentlich gewandelt und sei heute ein normaler Sportverband ohne deutschnationale und rechtsextreme Inhalte.

Richtig ist, dass der ÖTB vorsichtiger agiert, seit er unter dem Druck massiver öffentlicher Kritik fürchten musste, Mitglieder und finanzielle Förderungen zu verlieren. Die frühere „nationalsozialistische und österreichfeindliche Schreibweise“ in ÖTB-Zeitschriften (so ein rechtskräftiges Gerichtsurteil aus 1981) unterbleibt heute ebenso wie die noch vor einigen Jahren übliche Verwendung von Fahnen mit der Aufschrift „Rassenreinheit“.

Eine genauere Überprüfung zeigt allerdings deutlich, dass es sich hierbei um taktische Zugeständnisse und keineswegs um eine wirkliche Änderung des Denkens der ÖTB-Führung handelt. Noch immer tritt sie für „die Erhaltung, Pflege und Förderung des deutschen Volkstums“ ein (ÖTB-Leitsätze vom 17. 11. 1996). Diese deutschnationale Ideologie ist der Hintergrund für Vorfälle wie die folgenden:

1998 weigern sich Schüler des Wiener Gymnasiums Rahlgasse, in einem ÖTB-Saal zu turnen. Denn dort findet sich noch immer eine Büste des „Turnvaters“ Friedrich Ludwig Jahn – eines fanatischen Antisemiten und Rassisten – und darunter die Inschrift: „Dem Deutschen kann nur durch Deutsche geholfen werden. Fremde Helfer bringen uns immer tiefer ins Verderben.“ Schuldirektorin und Stadtschulrat unterstützen die Schüler. („Der Standard“ vom 31. 1. / 1. 2. 1998)

2001 veröffentlicht der ÖTB Oberösterreich eine Todesanzeige für Sepp Holzinger. Darin heißt es wörtlich: „Das „Jahnsche Turnen“ mit all seinen Ausprägungen erfüllte sein ganzes Leben. Unser Turnbruder war im ÖTB OÖ. jahrelang als Gaujugendwart und Gauturnwart tätig. Während dieser Zeit errichtete er Fundamente, auf denen nach wie vor unser Turnen aufbaut.“ (OÖN vom 27. 9. 2001) Der vom ÖTB für seine bis heute prägende Jugendarbeit Gewürdigte war auch jahrelang oö. Landesvorsitzender der neonazistischen, später verbotenen „Nationaldemokratischen Partei“ (NDP). Als der Salzburger Rechtsextremist Fritz Rebhandl 1992 wegen NS-Wiederbetätigung verurteilt wurde, schrie Holzinger im Gerichtssaal „Schandurteil!“. (Vgl. Wolfgang Purtscheller: „Aufbruch der Völkischen - Das braune Netzwerk“, Picus Verlag, Wien 1993)

2001 führt der ÖTB Wien eine Totenehrung durch. Dabei wird gemeinsam das SS-Lied „Wenn alle untreu werden“ gesungen. Anschließend werden Sprüche von Ottokar Kernstock (deutschnationaler Schriftsteller, Kriegspropagandist, Verfasser des „Hakenkreuzliedes“) und Herbert Böhme (nationalsozialistischer Schriftsteller, Verfasser von Gedichten wie „Des Blutes Gesänge“ oder „Der Führer“) vorgetragen. („Unser Turnen“ 12 / 2001)

Das „Dokumentationsarchiv des österreichischen Widerstandes“ (DÖW) weist in einem aktuellen Gutachten darauf hin, dass noch immer hohe ÖTB-Funktionäre rechtsextremen Burschenschaften angehören bzw. für die rechtsextreme Zeitschrift „Aula“ Beiträge schreiben. Die bisherige Gesamtbeurteilung des ÖTB hält das Dokumentationsarchiv aufrecht. Auch der Politikwissenschafter Univ.-Prof. Dr. Anton Pelinka stellt fest: „Die verschiedenen Aktivitäten des ÖTB überschreiten vielfältig die Grenze zum Rechtsextremismus.“

Der Landesparteitag der SPÖ Oberösterreich möge daher beschließen:

# Alle Funktionäre und Mandatare der SPÖ Oberösterreich sind verpflichtet, auf allen Ebenen gegen jede wie auch immer geartete, unmittelbare oder mittelbare Subventionierung des „Österreichischen Turnerbundes“ und seiner Zweigvereine aufzutreten.

# Alle Funktionäre und Mandatare der SPÖ Oberösterreich sind verpflichtet, auf allen Ebenen jede wie auch immer geartete sonstige Unterstützung des „Österreichischen Turnerbundes“ und seiner Zweigvereine (z.B. durch die Übernahme von Ehrenschutz) abzulehnen.

Diese beiden Punkte gelten insbesondere im Hinblick auf das nächste ÖTB-Bundesturnfest, das 2006 in Linz stattfinden soll. (Die Bundesleitung des ÖTB hat ihren Sitz in Traun.)

# Die sozialdemokratischen Fraktionen in oö. Gemeinden, in denen Denkmäler des „Turnvaters“ Jahn existieren bzw. Verkehrsflächen oder Einrichtungen nach ihm benannt sind, werden aufgefordert, in geeigneter Weise für öffentliche Information über das extrem rassistische und antisemitische Gedankengut Jahns zu sorgen. Das kann durch Entfernung bzw. Umbenennung geschehen, aber auch durch Zusatztafeln und sonstige Öffentlichkeitsarbeit.

Antrag an den Landesparteitag 2003 der SPÖ Oberösterreich, eingebracht von der Sozialistischen Jugend Oberösterreich


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