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Dichterstein Offenhausen

  • Sonntag, 1. Januar 2006 @ 22:43
Antifa Der ”Dichterstein Offenhausen” wurde beginnend mit dem Jahr 1963 vom gleichnamigen Verein auf einem Berg in Offenhausen, einer kleinen Marktgemeinde in der Nähe von Wels, Oberösterreich, errichtet. Der Verein wurde 1963 von Joseph Hieß, einem Rassisten und Antisemiten, der von 1945 bis 1948 im alliierten Kriegsverbrecherlager Glasenbach inhaftiert war, gegründet.

Die ideologischen Schwerpunkte lagen u. a. in der „Volksgemeinschaft“, einem „rassisch-biologischen“ Weltbild etc. Fritz Stüber, ehemaliger Parlamentsabgeordneter des ”Verbandes der Unabhängigen” (Vorläuferpartei der FPÖ) und Gründer der deutschnationalen und rechtsextremen Zeitschrift ”Eckartbote”, übernahm die Enthüllung des Dichtersteins.

Das Monument besteht aus einer Konstruktion aus Stein und einer umgebenden Steinmauer, in die Ziegel und Täfelchen mit den Namen von rund 400 völkischen und/oder nationalsozialistischen Dichtern wie Kernstock, Stüber, Ziesel etc. eingelassen wurden. Auch die Namen von rund 70 klassischen Dichtern und Schriftstellern wie zB Goethe, die für die Ideale des Vereines umgedeutet wurden, wurden verwendet. Hingegen fehlen die Namen von Schriftstellern, die den Nationalsozialisten als Juden galten oder aus anderen Gründen nicht den Idealen der Nazis entsprachen.

Über dem Eingangstor stand der Spruch ”Wer den Geist verrät, verrät sein Volk”, wobei die optische Gestaltung an die Sprüche über den Eingängen zu Konzentrationslagern erinnert. In die Stufen zum Tor waren einschlägige Begriffe wie ”Sippenreinheit”, ”Ahnenehrung” etc. eingraviert. Der Verein veranstaltete seit seiner Gründung alljährlich Treffen, an denen sich Neonazis und Rechtsextremisten aus dem In- und Ausland beteiligten. Als Treffpunkt diente das Gasthaus des ehemaligen Offenhausener FP-Gemeinderates Erich Lauber.

An den Treffen nahmen FPÖ-PolitikerInnen, AktivistInnen der neonazistischen ”Volkstreuen außerparlamentarischen Opposition” und Mitglieder der US-amerikanischen NSDAP/AO teil oder betätigten sich als Vortragende. Andreas Mölzer hielt beispielsweise 1985 ein Referat zum Thema ”Der Kampf um deutsche Identität”, für das er vom Verein im Jahr 1990 sogar einen Preis erhielt. 1991 war der Neonazi Gerd Honsik bei einem Treffen anwesend. Die Referentenlisten lesen sich wie das Who-is-Who der deutschen und österreichischen Rechtsextremisten- und Neonaziszene.

Nach jahrelangen Protesten von antifaschistischen Gruppen wurde 1998/1999 der Verein ”Dichterstein Offenhausen” wegen Verletzung des NS-Verbotsgesetzes aufgelöst, der Dichterstein selbst jedoch nicht abgetragen. Im Jahr 2004 wurde das Grundstück, das sich im Besitz des liquidierten Vereines befand, an eine Privatperson verkauft. Kaufinteresse hatte – was kaum verwundert – auch Erich Lauber.

Der Dichterstein befindet sich mittlerweile in einem ziemlich lädierten Zustand. Der Großteil der Namen ist unkenntlich gemacht, der Spruch über dem Eingangsbereich ist unleserlich, weil etliche Buchstaben fehlen. Dennoch ist er nach wie vor ein Anziehungspunkt für Neonazis. Im Jahr 2004 stattete der von dem Verfassungsrechtler Heinz Mayer in einem Gutachten als neonazistisch eingestufte ”Bund freier Jugend” (BFJ) anlässlich seines alljährlichen Treffens einheimischer und internationaler Neonazis (”Tag der volkstreuen Jugend”) einen Besuch mit Kranzniederlegung ab.

Die Mutterorganisation des BFJ, die ”Arbeitsgemeinschaft für demokratische Politik”, eine der aktivsten rechtsextremen bis neonazistischen Organisationen Österreichs, die nach eigener Aussage eine ”innige” Beziehung zum ihr ”inzwischen ans Herz gewachsenen Örtchen Offenhausen” hat und 1963 aus einer “Tischrunde” anlässlich eines Treffens des Vereines ”Dichterstein Offenhausen” entstand, führt regelmässig Veranstaltungen im Gasthaus von Lauber, der Träger des „AFP Verdienstabzeichens für Volk und Heimat“ ist, durch.

So fand erst im Oktober 2005 ein Treffen statt, bei dem u.a. Horst Mahler (NPD) über das „deutsche Reich als europäische Aufgabe“ referierte. Im Dezember fiel der BFJ im Rahmen einer rassistischen Hetzkampagne in den oberösterreichischen Städten Gallneukirchen und Freistadt auf. Mitte Jänner nahm man, teilweise ausgestattet mit einer blauen Kornblume (dem Symbol der Nationalsozialisten in der Zeit, als die NSDAP verboten war), am Neujahrstreffen der FPÖ in Wels teil.

Eine Frage, die in Zusammenhang mit dem ”Dichterstein Offenhausen” aufgeworfen werden muss, ist, warum es beinahe vier Jahrzehnte dauerte, bis die Behörden ernsthafte Schritte gegen die Aktivitäten dieses Vereins ergriffen. Nach wie vor verunziert das unsägliche Monument die Landschaft, nach wie vor sind einige Namen von nationalsozialistischen Dichtern wie Erwin Guido Kolbenheyer, Ottokar Kernstock, Franz Karl Ginzkey etc. zu lesen.

Im Sinne einer Bewusstmachung des immer noch existierenden braunen Gedankenguts in unserer Gesellschaft wäre es angebracht, zumindest eine Hinweistafel anzubringen, um auf die fragwürdige Geschichte der Vereins und den jahrzehntelang ebenso fragwürdigen, öffentlichen Umgang damit hinzuweisen.

Weiterführende Links:
http://www.aurora-magazin.at/gesellschaft/mueller.htm
http://www.doew.at/
http://www.infoladen-wels.at


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