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KPÖ für Neuauflage der Debatte über Wagner-Jauregg

  • Dienstag, 14. März 2006 @ 11:43
News Die Veröffentlichung der Studie „Nobelpreisträger im Zwielicht“ von Wolfgang Neugebauer und Peter Schwarz nimmt die KPÖ-Oberösterreich zum Anlass für die Forderung nach einer Neuauflage der Debatte um den umstrittenen Nobelpreisträger Julius Wagner-Jauregg.

Im Gedenkjahr 2005 hatte das Land Oberösterreich unter Berufung auf eine Historikerstudie keinen Handlungsbedarf für eine Umbenennung der nach Wagner-Jauregg benannten Landesnervenklinik als auch der nach ihm benannten Straßen in Linz und Wels gesehen. Er sei nicht „historisch belastet“ obwohl die NSDAP in einem Nachruf feststellte „Seine Erbforschungen sind heute nicht mehr aus dem Gedankengebäude der nationalsozialistischen Gesellschaftslehre fortzudenken“ , seine Behandlungsmethoden seien für die damalige Zeit üblich und „ethisch vertretbar“ gewesen.

Neugebauer und Schwarz bewerten hingegen das oberösterreichische Historiker-Gutachten als „eine Reinwaschung von Julius Wagner-Jauregg, und zwar in allen inkriminierten Punkten“. Sie kritisieren auch, dass das Gutachten der Kommission nicht allgemein zugänglich ist und folglich der öffentlichen Rezeption, Diskussion und Kritik entzogen“ bleibt.

Eine 2003 vom Wiener Gemeinderat eingesetzte Historikerkommission über die Ehrengräber auf dem Wiener Zentralfriedhof stellte fest, dass sich der 1927 mit dem Nobelpreis ausgezeichnete in Wels geborene Mediziner Julius Wagner-Jauregg (1857-1940) 1940 einen Antrag auf Aufnahme in die NSDAP gestellt hatte, der zunächst zurückgestellt und durch seinen Tod nicht weiter behandelt wurde.

Der Wiener Restitutionsbeauftragte Kurt Scholz hatte 2004 als Resümee der Kommission festgestellt „Aus heutiger Sicht kann ich nicht empfehlen, das Ehrengrab Wagner-Jaureggs beizubehalten“. Das muss nach Meinung der KPÖ sinngemäß auch für alle anderen nach Wagner-Jauregg benannten Einrichtungen gelten. Der mittlerweile vorhandene Wissenstand über die Person Wagner-Jaureggs – der laut Scholz auch „antisemitische Züge“ hatte – ist dafür ausreichend. Nach Wagner-Jauregg benannte Verkehrsflächen gibt es in Sankt Pölten, Stockerau, Tulln, Gablitz, Linz, Wels, Graz, Feldkirchen bei Graz sowie in den Wiener Bezirken Alsergrund und Penzing.

Die Auseinandersetzung mit Wagner-Jauregg wird in der kritischen Psychiatrie seit mehreren Jahrzehnten verfolgt. Aber auch Zeitgenossen des Mediziners haben dessen Methoden bereits kritisch hinterfragt. So kritisierte Karl Kraus in der „Fackel“ bereits 1904, dass sich Wagner-Jauregg „für die Internierung des von ihm nie untersuchten, bloß durch einen bedenklichen Theaterarzt geschilderten Girardi aussprach“. Die Zeitung „Der Freie Soldat“ kritisierte die Anwendung des damals als Neuerung eingeführten in der deutschen Armee entstandenen Elektroschocks mit den Worten „Es liegt der Verdacht mehr als nahe, dass diese Ströme überhaupt nicht zu Heilzwecken, sondern lediglich zu Folterzwecken angewendet wurden. Insbesondere wurde diese elektrische Heilmethode auf der Klinik Wagner v. Jaureggs angewendet.“

Die heutige oö Landesnervenklinik Wagner-Jauregg befindet sich an der Stelle der „Musteranstalt“ Niedernhart in der NS-Ära: „Gerade im Hinblick auf die Vergangenheit des Namensgebers ist daher Handlungsbedarf angesagt“, meint KPÖ-Landessekretär Leo Furtlehner. Nach Meinung der KPÖ wäre es angebracht, die Landesnervenklink wie auch die dortige Straße nach einem Opfer der NS-Verbrechen zu benennen. Ein solches Opfer war etwa der Eisenbahner Ludwig Gföller (1885 bis 1942) aus Attnang-Puchheim, der wegen seiner Aktivitäten gegen das Naziregime 1941 verhaftet und nach Niederhart eingeliefert wurde, wo er am 9. Juli 1942 durch einen „Herzstillstand“ der Euthanasie zum Opfer fiel.


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