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Die SPÖ und der Turnerbund

  • Mittwoch, 9. März 2005 @ 22:24
Antifa „Nicht in Aussicht genommen ist jedoch eine gänzliche Einstellung der Förderungen des ÖTB, soweit diese dessen rein sportlichen Aktivitäten betreffen", teilte der Linzer Bürgermeister Franz Dobusch (SPÖ) der KPÖ als Beantwortung einer Resolution mit, in welcher verlangt wurde, dass die Stadt Linz den deutschnationalen Turnerbund nicht mehr subventionieren soll.

Recht salomonisch löste die SPÖ auch einen Antrag der Grünen, das 2006 in Linz stattfindende Bundesturnfest des ÖTB nicht zu fördern: Neben den sieben Grünen stimmten vier SPÖ-Mandatare für diesen Antrag, dagegen stimmten erwartungsgemäß ÖVP und FPÖ. Weil sich aber die große Mehrheit der SPÖ-GemeinderätInnen der Stimme enthielt und Enthaltungen nicht gewertet werden, wurde der Antrag abgelehnt, der ÖTB darf also für 2006 mit satten Subventionen rechnen. Schon bisher förderte die Stadt Linz den ÖTB, laut Subventionsbericht waren es beispielsweise im Jahre 2002 satte 70.000 Euro.

Mit dem Turnerbund hält es die SPÖ wie mit der FPÖ: Da beschließt der Bundesparteitag 2004 mit der FPÖ nicht zu kooperieren. Im Detail aber interpretieren Ambrozy für Kärnten oder Voves für die Steiermark die FPÖ ganz anders. Ähnliches gilt für den ÖTB: Da beschließt der SPÖ-Landesparteitag 2002 einen SJ-Antrag die deutschen Turner nicht mehr zu fördern. Wo aber die SPÖ das Sagen hat, fließen weiterhin die Subventionen, denn da geht es angeblich nur um das edle Turnen. Als Draufgabe hat im Jänner 2002 die SPÖ in Perg ihren „Arbeiterball" sogar in der ÖTB-Turnhalle veranstaltet, Berührungsängste gibt es da nicht.

Seit 1980 das Wiener Landesgericht die Schreibweise der „Bundesturnzeitung" als neofaschistisch bewertete sind die Turnerbündler freilich vorsichtig und empfindlich geworden. So führte etwa die jahrelange Kritik der Initiative Welser gegen Faschismus an der Förderung des ÖTB in Wels letztlich zu einer Abspaltung in einen eigenen Verein.

Als in Attnang-Puchheim 2004 der dortige KPÖ-Gemeinderat Stefan Krenn die Förderung des ÖTB kritisierte und sich dem Gemeinderäten von SPÖ und Grünen anschlossen, gab es zunächst eine Welle von organisierten Anrufen. Besorgte TurnerInnen beklagten, dass der Sport gefährdet sei. Dann hatte der örtliche ÖTB offenbar Kreide gefressen und distanzierte sich per Flugblatt von allem was einem Turner von echt-deutschem Schrot und Korn heilig ist – erklärte aber recht treuherzig natürlich nicht für andere Vereine oder gar „Gaue" des ÖTB sprechen zu können.

Aber die Turner-Lobby in der Sozialdemokratie funktioniert noch immer wie geschmiert. So lehnte in Braunau der dortige Bürgermeister die Forderung der Kommunistischen Jugend nach Umbenennung der Jahnstraße ab. Und in Linz hatte schon im Jahre 1999 die SPÖ gemeinsam mit ÖVP und FPÖ einen Antrag der Grünen zur Entfernung des Jahn-Denkmales im Volksgarten und Umbenennung von Jahnstraße und Jahnschule – seit Jahren von der KPÖ als Erinnerung zum jährlichen Budget eingebracht – strikt abgelehnt. Jetzt steht das Thema neuerlich an, nachdem die Grünen die Umbenennung der Jahnstraße in Sophie-Scholl-Straße fordern.

Solche sozialdemokratische Hartnäckigkeit erinnert frappant an eine SPÖ-Bezirkskonferenz in Wels in den siebziger Jahren. Dabei hatte der damalige Bürgermeister und Bezirksobmann Spitzer zu einem SJ-Antrag demzufolge SPÖ-Mitglieder nicht Mitglied des ÖTB sein dürften beschwichtigend erklärt: "Die Genossen im ÖTB sind auch Genossen..."

Offenbar soll der bekennend Rassist und Antisemit und als geistiger Vorfahre der Nazis geltende „Turnvater" Friedrich Ludwig Jahn – mit Aussprüchen wie „Polen, Franzosen, Pfaffen, Junker und Juden sind Deutschlands Unglück!" – auch weiterhin ein Vorbild für die Jugend sein. Das anhaltende ÖTB-Lobbying ist ein recht bezeichnender Beitrag zum Gedenkjahr 2005…

© Leo Furtlehner


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