Den 100. Jahrestag der Parteigründung begeht die KPÖ-Oberösterreich am 21. Februar 2019. Während die KPÖ in Wien bereits am 3. November 1918 gegründet wurde, erfolgte dies in Oberösterreich nach einigen gescheiterten Versuchen erst am 21. Februar 1919 im Gasthaus „Zum Goldenen Elephanten“ in der Bethlehemstraße 38 in Linz: „Die KPÖ war bekanntlich in ihrer Geschichte immer eine kleine Partei, nur 14 Jahre von 1945 bis 1959 im Parlament und nie im oberösterreichischen Landtag vertreten. Trotzdem spielte sie in wichtigen Phasen der Geschichte eine wichtige Rolle und gehört untrennbar zur politischen Landschaft des Landes Oberösterreich“, so KPÖ-Landessprecher Leo Furtlehner.

So war die KPÖ – obwohl schon seit 1933 verboten – aktiv am Februaraufstand 1934 als letzten Versuch die parlamentarische Demokratie zu retten mit Ausgangspunkt in Linz beteiligt. Im Gefolge erhielt die illegale KPÖ starken Zuzug von enttäuschten Mitgliedern der Sozialdemokratie. Gestützt auf den von Alfred Klahr gelieferten Nachweis einer eigenständigen österreichischen Nation spielte die KPÖ eine herausragende Rolle im Widerstand gegen das Nazi-Regime und brachte im antifaschistischen Widerstandskampf nach dem „Anschluss“ 1938 große Opfer, allein in Oberösterreich kamen dabei etwa 160 Mitglieder der KPÖ ums Leben.

Auch beim Wiederaufbau in Gemeinden und Betrieben nach der Befreiung durch die Alliierten 1945 war die KPÖ sehr engagiert. Die Partei spielte eine maßgebliche Rolle in dem als „kommunistischer Putsch“ verleumdeten Oktoberstreik 1950 – der seinen Ausgang in der US-Besatzungszone in Steyr und Linz hatte – gegen die Lohn-Preis-Pakte der Regierung. Wegen ihres Kampfes für die 1955 erreichte immerwährende Neutralität wurde die KPÖ sogar des Hochverrats bezichtigt. Und über die Jahrzehnte hinweg war und ist die KPÖ aktiv im sozialpolitischen Kampf für die Interessen der Lohnabhängigen und engagiert in Gemeinden, Betrieben, Gewerkschaften und Bündnisse,

Als „Kind der Oktoberrevolution“ von 1917 war die KPÖ seit ihrer Gründung Teil der kommunistischen Weltbewegung und trug über die Zeit der Kommunistischen Internationale (1919-1943) hinaus viel zu lange unkritisch vor allem mit dem Stalinismus verbundene Fehlentwicklungen, Deformationen und Verbrechen unter Missbrauch des Anspruchs auf wirklichen Kommunismus mit – Ereignisse mit denen sich die KPÖ seit langem kritisch und selbstkritisch auseinandersetzt.

Als Reaktion auf das Scheitern des realsozialistischen Modells 1989/91 entschied sich die KPÖ für eine Erneuerung auf marxistischer Grundlage und ist heute eine wesentlich andere Partei als vor 30 Jahren: „Dass die KPÖ ungeachtet aller Schmähungen über ihre angebliche Überflüssigkeit, Bedeutungslosigkeit oder Chancenlosigkeit bei Wahlen nach wie existiert zeigt ebenso die Hartnäckigkeit von Kommunist_innen wie auch die Notwendigkeit einer eigenständigen Partei links von SPÖ und Grünen und ebenso die Notwendigkeit einer Partei mit Anspruch auf grundsätzliche Kritik des realen Kapitalismus und dem Ziel sozialer Gerechtigkeit und einer solidarischen Gesellschaft“ so Furtlehner.

Die KPÖ-Oberösterreich würdigte den 100. Jahrestag ihrer Gründung mit einer Festveranstaltung am 16. Februar. Bei der von der Linzer Gemeinderätin Gerlinde Grünn eingeleiteten und musikalisch von Paul Schuberth und mit Rezitationen von Alenka Maly kulturell gestalteten Veranstaltung sprachen Landessprecher Leo Furtlehner über "Reflexionen auf 100 Jahre KPÖ" (http://ooe.kpoe.at/article.php/20190216230521939) und der Stv. Landesprecher Michael Schmida über "Kommunismus im 21. Jahrhundert?!" (http://ooe.kpoe.at/article.php/2019021710542094). Gezeigt wurde das Video „PRAKTISCH ZEITLOS“ von Alenka Maly & Roland Freinschlag. Neu beigetretene Mitglieder begründeten ihre Motive Mitglied der KPÖ zu werden und langjährige Mitglieder wurden geehrt.

Bild: Im damaligen Gasthaus „Zum Goldenen Elephanten“ in der Linzer Bethlehemstraße 38 wurde am 21. Februar 1919 die KPÖ in Oberösterreich gegründet (Foto: Rudolf Spiegl)