Donnerstag, 11. Dezember 2025 @ 16:39
Heute beraten wir auch über das Verkehrsbudget – und damit auch über Entscheidungen, die Linz über Jahrzehnte prägen werden. Leider fließen weiterhin enorme Summen in Bau-Projekte, die unser Budget massiv belasten. Wir erleben in Linz eine Vielzahl teurer, luxuriöser Prestigeprojekte in gebaute Infrastruktur– egal ob für den öffentlichen Verkehr oder für den motorisierten Individualverkehr. Was wir hingegen nicht erleben, ist eine klare, konsistente Verkehrspolitik für eine Mobilitätswende und für mehr Mobilitätsgerechtigkeit.
Es gibt zwar unzählige Konzepte mit schönen Worten und Versprechen:
– Da ist etwa das noch immer gültige „Gesamtverkehrskonzept für den Großraum Linz“ des Landes Oberösterreich mit dem Ziel, den MIV-Anteil von 68 % auf 60 % zu senken.
– Dann das gemeinsam von Land und Stadt entwickelte „Mobilitätsleitbild für die Region Linz“, das eine Reduktion des MIV-Anteils von 57 % auf 47 % vorsieht
– Daneben die Fahrradstrategie der Stadt Linz mit dem ambitionierten Ziel, den Radanteil bis 2040 auf 25 % zu erhöhen, ergänzt durch einen Masterplan Gehen, der das Zufußgehen attraktiver machen soll.
– Und schließlich wurde bei der Präsentation des integrierten Innenstadtkonzeptes vom damaligen wie auch vom jetzigen Bürgermeister eine autofreie Innenstadt angekündigt – und doch schafft es dieses Haus nicht einmal, Anträgen zuzustimmen, die eine Verkehrsberuhigung im Zentrum erreichen wollen.
Die Realität ist eben eine andere: Der motorisierte Individualverkehr geht in Linz nicht zurück. In relativen Zahlen bleibt er konstant hoch, in absoluten Zahlen steigt er sogar weiter – ebenso wie die Zahl der Kraftfahrzeuge in dieser Stadt.
Solange der Autoverkehr wächst, verpuffen Investitionen in den öffentlichen Verkehr, und all diese Strategiepapiere sind nur Schall und Rauch. Dabei ist es eigentlich ganz einfach: Ohne Einschränkungen beim Autoverkehr funktioniert keine Verkehrswende. Ohne PUSH gibt es kein PULL!
Was wir in Linz aber sehen, sind Projekte, die den Straßenverkehr noch verstärken: Großstraßenbauprojekte, Großgaragen, neue Stellplätze, autogerechte Straßensanierungen und Verkehrssignalanlagen und vieles mehr. Linz ist also weiterhin ganz klar eine Autostadt!
Wir sind außerdem der Meinung, dass es wesentlich effektivere und kostengünstigere Lösungen für den öffentlichen Verkehr gibt als jene Großprojekte, die derzeit politisch propagiert werden.
Die größten Potenziale liegen in der Stärkung des bestehenden Liniennetzes und in einem echten Angebotsfahrplan: mit dichten Intervallen, längeren Betriebszeiten, dem Wegfall von Ferienfahrplänen und einer besseren Abstimmung mit den OÖVV-Linien. Dazu gehört auch der gezielte Ausbau der bestehenden S-Bahn mit zusätzlichen Haltestellen im Stadtgebiet – etwa an der Turmstraße.
Linz braucht attraktive, gut funktionierende Umsteigepunkte zwischen Bahn, Straßenbahn, den Bussen der Linz Linien und dem Regionalverkehr. Und viele davon könnten schon jetzt, mit überschaubaren Mitteln, realisiert werden – und nicht erst in zehn Jahren, wenn vielleicht eine Regionalstadtbahn kommt oder der S-Bahn-Ausbau im Südosten abgeschlossen ist.
Aber auch das beste Angebot im öffentlichen Verkehr hilft nicht, wenn nicht gleichzeitig die Autonutzung eingeschränkt bzw. unattraktiver gemacht wird. Die einfachste restriktive Maßnahme ist das Zulassen der Selbstbehinderung des Autoverkehrs – also des Staus. Allerdings muss dieser so gemanagt werden, dass er in der Stadt möglichst wenig Schaden, etwa durch Abgase, Lärm oder Trennwirkungen verursacht, und dass dabei vor allem das Fortkommen des öffentlichen Verkehrs nicht behindert wird.
Dies kann erreicht werden, indem der öffentliche Verkehr klar priorisiert wird – etwa durch Busspuren, Pförtnerampeln, Bus-Schleusen und die Verwirklichung von Kaphaltestellen, sowohl für den innerstädtischen als auch für den Regionalbusverkehr auf den Hauptkorridoren.
Eine weitere wirksame Maßnahme ist die Erhöhung des Parkdrucks, also die Verringerung des Angebots und die Erhöhung der Kosten für das Abstellen von Kraftfahrzeugen, um städtische Flächen nicht länger dem ruhenden Verkehr zu opfern. Schließlich sollte auch die Geschwindigkeit des Autoverkehrs – sofern nicht ohnehin durch Staus selbst reduziert – gezielt verringert werden.
Das gesamte Mobilitätstempo muss schrittweise, aber spürbar in der Stadt abgesenkt werden. Nur so schaffen wir ein menschliches, sichereres Miteinander im öffentlichen Raum und schützen gleichzeitig Umwelt, Natur und Klima für kommende Generationen. Erreicht werden kann das durch Tempobeschränkungen, die Ausweitung von Begegnungszonen, Fahrrad- und Wohnstraßen sowie andere Verkehrsberuhigungsmaßnahmen – deren Einhaltung konsequent kontrolliert werden muss.
Schließlich ist auch bei der Finanzierung des ÖV die ungerechte Lastenverteilung zwischen der Stadt und den anderen Gebietskörperschaften zu nennen: Die Stadt kann den öffentlichen Verkehr nicht alleine tragen – Bund und Land müssen deutlich stärker in die Verantwortung genommen werden, und zwar nicht nur bei ÖV-Großprojekten!
Ich komme zum Schluss: Eine nachhaltige, zukunftsorientierte Verkehrspolitik entsteht nicht durch immer neue teure Großprojekte, sondern durch Verkehrsvermeidung, Verlagerung und echte Priorität für den Umweltverbund – also für den öffentlichen Verkehr und die aktive Mobilität.
Das macht Linz lebenswerter – und entlastet zugleich das Budget. Vielen Dank!
Es gilt das gesprochene Wort.
Videoaufzeichnung: https://youtu.be/6lYXhgOQPa4[*1]