Freitag, 20. Dezember 2024 @ 18:36
„Wer in Wels schweigt, macht sich mitschuldig“, sagt Maximilian Friedl, Sprecher der KPÖ Wels, dazu. „Wir erleben hier keinen Zufall, sondern ein System, das von oben geduldet wird. Eine Stadt, die den Anschein erweckt, rechtsextreme Symbolik und Gesten zu bagatellisieren, macht sich selbst zur Bühne für Hass und Hetze. Das ist nicht die Zukunft, die wir für Wels wollen.“
Wels ist in den letzten Jahren zum Schauplatz mehrerer Machenschaften geworden, die den Geist jener „alten Herren“ wachrufen, welche sich einst die Herrschaft über Volk und Gesellschaft aneignen wollten. Die finanzielle Förderung eines deutschnationalen Burschenschaftertreffens durch die Stadt im Jahr 2022 ist nur ein markantes Beispiel aus einer Reihe verhängnisvoller Zuwendungen. Die Aufstellung der „Venus von Wels“ – einer Nachbildung eines einst von der NSDAP verehrten Kultobjekts – verkörpert das verzerrte Geschichtsverständnis, das sich hier Bahn bricht. Statt die Lehren der Vergangenheit zu beherzigen, werden Symbole, die einst als Stützen des Schreckensregimes dienten, nun als unverdächtige kulturelle Objekte präsentiert, als handle es sich um harmlose Zeugnisse einer vergangenen Epoche.
All dies geschieht unter den verschlossenen Lippen des Bürgermeisters, der seine Stimme nur allzu gern schweigen lässt, wo Empörung, Klarstellung und entschlossenes Vorgehen nottäten. Ob antisemitische Schmierereien auf Spielplätzen oder unverkennbare Signale im städtischen Getriebe – Rabl weigert sich beharrlich, die klaren Worte zu finden, mit denen man solchen Auswüchsen entgegentreten müsste. Doch dieses Schweigen ist kein bloßer Mangel an Mut, sondern ein stillschweigendes Einverständnis, ein Nährboden für eine weitere Eskalation. Hier offenbart sich jener gefährliche Mechanismus, mit dem sich die Normalisierung des Ungeheuerlichen vollzieht: Durch passive Duldung verschiebt sich die moralische Messlatte unmerklich nach unten, bis selbst die eklatantesten Verletzungen der menschlichen Würde als Randnotiz oder „unglückliche Einzelfälle“ abgetan werden.
Die Bürgerinnen und Bürger von Wels stehen an einem entscheidenden Punkt. Die Frage, die sich ihnen stellt, ist, ob sie fortfahren wollen, den verborgenen Mächten der Reaktion und der nationalistischen Zersetzung das Feld zu überlassen – oder ob sie sich entschließen, die Schande der Duldung abzustreifen und wieder an die Prinzipien der Gleichheit, der Solidarität und der menschlichen Freiheit anzuknüpfen.
Es ist an der Zeit, das Schweigen zu durchbrechen, die falsche Mäßigung beiseitezulegen und den reaktionären Umtrieben in aller Deutlichkeit die Stirn zu bieten. Nur so kann Wels aus dem Schatten der Verharmlosung heraustreten und den Weg zur Erneuerung beschreiten, auf dem die Werte der Gerechtigkeit, der Freiheit und der menschlichen Würde nicht als leere Phrasen, sondern als lebendige, wirkende Prinzipien erstrahlen.
20.12.2024 Maximilian Friedl, KPÖ Wels