Ärztemangel in Wels: Eine Stadt lässt ihre Bürger*innen im Stich

Mittwoch, 23. Oktober 2024 @ 18:45

Medizinisch steht Wels am Abgrund. Der Ärztemangel, der seit 2018 in unserer Stadt grassiert, hat sich mittlerweile zur Katastrophe entwickelt. Die hausärztliche Versorgung bricht Monat für Monat weiter ein, während die Verantwortlichen in der Stadtpolitik ihre Hände in den Schoß legen. Wels, eine der wohlhabendsten Städte in Oberösterreich, schafft es nicht einmal, den grundlegenden Zugang zur Gesundheitsversorgung für seine Bürger*innen sicherzustellen. Stattdessen muss das Klinikum Wels-Grieskirchen immer öfter als Notlösung herhalten. In der dort seit 2023 existierenden Versorgungseinheit für Allgemeinmedizin sind mehrstündige Wartezeiten auch nach Voranmeldung keine Seltenheit. Von 26 Kassenstellen für Allgemeinärzte in Wels sind derzeit de facto 10 Stellen unbesetzt. Die Eröffnung von zugesicherten Primärversorgungszentren in der Stadt wird stetig weiter nach hinten verschoben. Besonders betroffen sind davon die Bewohner:innen der städtischen Alten- und Pflegeheime. Ohne Hausärzt:in können Rezepte für Dauermedikation nicht erneuert werden, der Transport in die zwei Ordinationsstellen im Klinikum Wels-Grieskirchen wird nicht von der Gesundheitskasse übernommen und kann daher nicht durchgeführt werden.

Wie lange wollen wir uns noch damit abfinden, dass ältere Menschen, chronisch Kranke und Familien ohne Hausärzt:innen auskommen müssen? Die Zustände sind untragbar. Bürger:innen werden mit Aussagen wie „Wir nehmen keine neuen Patient:innen auf“ konfrontiert, während das System zunehmend nur denen zugutekommt, die es sich leisten können. Die Gesundheitsversorgung wird zu einem Privileg, anstatt ein Grundrecht zu sein. Und das in einer Stadt, die genug Ressourcen hätte, um für ihre Einwohner:innen eine stabile und gerechte Versorgung zu gewährleisten.
Dieser Ärztemangel ist kein Naturgesetz, sondern das Ergebnis politischer Untätigkeit und einer neoliberalen Gesundheitsökonomie, die Profite über Menschenleben stellt. Die Stadt Wels hat die Möglichkeit, sofortige Maßnahmen zu ergreifen, doch was sehen wir? Halbherzige Förderprogramme, die die Kernprobleme nicht einmal ankratzen sowie Gesundheitsgipfel, in denen eine Bündelung der Kräfte versprochen wird, die anschließend zu keinem Ergebnis führt.

Die KPÖ fordert ein radikales Umdenken: Statt sich weiterhin in die Hände des Marktes zu begeben, muss die Stadt die Initiative übernehmen. Warum stellt die Stadt Wels nicht einfach eigene Ordinationen für Hausärzt:innen zur Verfügung? Ärzt:innen sollten sich nicht länger mit den Kosten und der Bürokratie für den Praxisstart auseinandersetzen müssen. Die Stadt könnte die Räumlichkeiten bereitstellen und im Gegenzug langfristige Verträge abschließen. Nach 20 Jahren könnten die Mediziner:innen die Ordination sogar übernehmen. Eine einfache, aber gerechte Lösung, die den Zugang zur Gesundheitsversorgung endlich wieder sichert.

Wir dürfen es nicht länger zulassen, dass Menschen in Wels aufgrund kapitalistischer Interessen und mangelhafter Planung leiden. Wels hat das Potenzial, eine Stadt zu sein, die für alle ihre Bürger:innen da ist – wenn die Politik endlich den Mut findet, das Gesundheitssystem von den Profiten zu befreien und für die Menschen zu kämpfen.

Wels steht vor einer Entscheidung: Wollen wir eine Stadt sein, die sich um ihre Bürger:innen kümmert, oder eine Stadt, die die Kranken und Schwachen ihrem Schicksal überlässt?


KPÖ Oberösterreich - Ärztemangel in Wels: Eine Stadt lässt ihre Bürger*innen im Stich
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