Weil zwei Kunstprojekte, die sich kritisch mit der Linzer Stadtwache beschäftigen, vom Land nicht gefördert werden, ist die freie Szene in Oberösterreich verschnupft: Die Kulturplattform Kupf kritisiert, dass zwei von ihrer Jury ausgewählte Arbeiten abgelehnt wurden, nachdem die FPÖ dagegen mobil gemacht hatte. Im Büro von Kulturreferent Landeshauptmann Josef Pühringer (V) begründet man die abschlägige Entscheidung damit, dass bei den Projekten "weder zeitgenössische noch künstlerische Inhalte erkennbar" seien.
Sie glauben gar nicht, was in „Bad Fucking“ alles passiert, bevor sie es nicht gelesen haben. Das neue Buch von Regisseur, Autor und Volksbildner Kurt Palm ist ein satirischer Krimi und eine kriminelle Satire. Von Peter Grubmüller.
OÖN: Ist der in Worte gegossene Wahnsinn die einzige Möglichkeit, um die Realität zu schildern?
Palm: Absolut, wobei ich glaub’, dass ich in meinem Buch noch untertreibe, die Realität ist noch wilder. Mit Bad Fucking hab’ ich nur die Wirklichkeit bis zur Kenntlichkeit entstellt.
Zeigen, was reaktionäre Politik und ungehemmtes Profitstreben anrichten. – Gedenkblatt für Eugenie Kain.
Gläubige hätten es leichter. Alles sei geregelt. Die Verstorbenen kämen in den Himmel. Das gehe in der Regel schnell, deshalb auch die Eile, mit der sie den Zurückgebliebenen entrissen würden. Wenige Sätze nur, die bei einem christlichen Begräbnis über sie gesprochen würden. Dann müsse losgelassen werden. Die Toten würden übergeben und auf den Weg geschickt, und die Angehörigen blieben zurück mit den dürren Worten eines Geistlichen und sollten Zuversicht im Gebet finden.
Scharf ins Gericht geht Thomas Trenkler im „Standard“ mit dem Sinn der Kulturhauptstädte: „Den Politikern ist egal, was die Künstler und Autoren hervorbringen, solange es sich nur gut verkaufen läßt“ heißt es da.
Und Trenkler schlußfolgert, dass das „EU-Label Kulturhauptstadt zu etwas, das in der gegenwärtigen Form nicht intendiert war: zu einem Vehikel der Tourismusmanager“ verkommen ist und nennt Linz09 ebenso als Beispiel dafür wie Ruhr oder Istanbul 2010.
Die Schriftstellerin Eugenie Kain ist viel zu früh verstorben. Von Franz Fend
Die Stimme von Eugenie Kain ist verstummt. Sie war noch nicht Fünfzig, als sie die heimtückische Krankheit, gegen die sie so lange angekämpft hat, hingerafft hat. Wir sind fassungslos, eine große Lücke bleibt.
Gutsch, Roman / Kepplinger, Christoph (Hg.): Wir retten ein System! Linkes Wort am Volksstimmefest 2009. Wien: Globus Verlag 2009. ISBN 978-3-9502669-1-7, 140 S., brosch. €-A 12,00 / €-D 12,00 / CHF 18,01.
Das „Linke Wort“ ist eine AutorInnenlesung, die seit 1975 jährlich im Rahmen des Wiener Volksstimmefests, dem traditionellen Presse- und Volksfest der KPÖ, stattfindet. An beiden Festtagen werden Prosatexte und Lyrik vorgetragen, die in der Folge als Anthologie veröffentlicht werden.
Die Beantwortung des KUPF-Fragebogens durch die KPÖ entspricht der einer Vorzugsschülerin. Von der soliden Basisfinanzierung der Initiativen über die Aufhebung der prekären Arbeitsverhältnisse von Kulturarbeiterinnen hin zu einer stärkeren Förderung der freien Medienlandschaft finden sich hier die zentralen Anliegen der Kulturszene wieder; Leere Wahlversprechen? Eher nicht, zu interessiert und informiert sind die Antworten. Spürbar ist hier eine echte Nähe - inhaltlich, personell und strukturell.
Alles andere als ideal waren die Bedingungen, unter denen Eugenie Kain ihre neuen Erzählungen geschrieben hat. Eine schwere Krankheit fordert ihren Tribut. Der Qualität der Texte hat das nichts anhaben können. Zugleich zeugt „Der Schneckenkönig“ von unermüdlichem Engagement.
Mit Mieze Medusa und Sigi Maron & Rocksteady Allstars bringt das Festival am Sa. 27. Juni zwei Musikhighlights, die die österreichische Kulturszene prägen. Während Maron als „Haudegen“ des kritischen Liedes schon einige Jahrzehnte lang das Land beackert, kommt mit Mieze Medusa und Tenderboy die junge und unkonventionelle Kulturszene zu Gehör.
Mieze Medusa und Tenderboy vertreten die HipHop- und Poetry-Slam-Szene. Mieze Medusa ist Gewinnerin des FM4 Protestsong-Contest 2007 und hat ihr literarisch-kreatives Schaffen in ihrem ersten Roman „Freischnorcheln“ weiterentwickelt. Beim Festival des politischen Liedes erwarten die ZuhöhrerInnen Miezes Lyrics und Tenderboys Beats, zu einer feinen und eigenständigen elektronischen und lyrischen Version des HipHop geformt.
Der ORF wird von der Bundesregierung und der Landesregierungen sowie den im Parlament vertretenen Parteien für ihre Interessen vereinnahmt. Die aus verschiedenen Faktoren wie Konkurrenz durch Privatsender, hohe Rechtekosten für die EM2008, die Digitalisierung und das Internet und nicht zuletzt die Wirtschaftskrise resultierenden finanziellen Probleme des ORF werden dazu benützt, um den ORF noch weiter in Richtung Werbemarkt zu drängen um ihn als öffentlich-rechtliche Sendeanstalt de facto abzuschaffen und um Radio und TV-Stationen anschließend zu privatisieren und/oder an einen ausländischen Konzern zu verkaufen. Ohne Zweifel sind unternehmensstragische Maßnahmen im Einklang mit der Belegschaftsvertretung erforderlich, um eine gesicherte wirtschaftliche Grundlage für 2009 und die Folgejahre zu gewährleisten.
Im besten Fall ärgert oder beglückt sie, im schlimmsten geht sie am Zwang zur Originalität zugrunde - Über die Kunst der Glosse und zur Kolumnensammlung von Kurt Palm
Kurt Palm, Kolumnist mit Durchblick: "Seine Glossen brennen kunstvoll ab wie Weihnachts- kerzen, blitzartig eine nach der anderen ..."
Wenn es um Fakten und Vergleiche geht, wird der Linzer SPÖ-Planungsstadtrat Klaus Luger schnell zur Mimose: Bei der Präsentation des Linzer Stadtatlas mit der Fragestellung der Lebensqualität der Stadt am 18. Dezember 2008 im Architekturforum meinte er nämlich sichtlich gereizt, aus diesem Werk sei keine Strategie ableitbar, ein wirklicher Vergleich sei nicht möglich. Woraufhin Atlas-Autor Peter Arlt meinte, dass im Stadtatlas selbst betont wird, dass dieser keine Handlungsanleitung ist, sondern unter dem Motto „Statistik für alle“ durch den Vergleich einer Fülle von Bereichen mit 300 anderen europäischen Städten Diskussionen auslösen will.
Ahasver kehrt zurück
Roman
Edition Art Science, Wien – St. Wolfgang 2008
ISBN 978-3-902157-51-5
Ein Israeli, dessen Eltern einst rechtzeitig vor der Okkupation Österreichs durch Nazi-Deutschland aus Wien geflüchtet sind, kommt in die ›Stadt seiner Väter‹. Hier wird er einerseits mit einer Vergangenheit konfrontiert, die in seinem bisherigen Leben kaum eine Rolle gespielt hat, aber auch mit der Fremdsicht auf den Nahostkonflikt. Diesem, wie auch der zunehmenden Radikalisierung der israelischen Gesellschaft ohne Bereitschaft zu einer dauerhaften Lösung wollte er mit seiner Reise nach Wien entkommen, wobei ihm anfangs noch unklar ist, ob er lediglich einer Auszeit bedarf oder der Aufenthalt zur letzten Station seiner Lebensreise würde. Eine späte Liebe scheint ihm die Entscheidung zu erleichtern.
Der deutsche Sänger Wenzel hat Texte der oberösterreichischen Schriftstellerin Henriette Haill vertont. Das Ergebnis ist die CD „Strassenballade- Wenzel singt Henriette Haill“, die zum Preis von 17 Euro auf der Website Wenzels http://www.wenzel-im-netz.de/ erhältlich ist.
In erster Linie werden stets zwei Argumente für das freie Fernsehen dargebracht. Das erste ist im Wesentlichen eine demokratiepolitisches und lautet: Es sollen alle Fernsehen machen dürfen, nicht nur die öffentlich rechtlichen und Kommerziellen Companys. Das zweite ist ein technisch-tautologisches und lautet folgendermaßen: Heute ist es technisch leicht möglich, Fernsehen zu machen, aus dem Grund können alle Fernsehen machen können. Die Bedeutung des herablassenden Slogans „Wer kann der kann“ hat eine Umkehrung seiner Bedeutung erfahren. Beide Argumentationslinien sind in gewisser Weise richtig, ich stimme vor allem ersterem selbstverständlich zu.
Helmut Rizy: Hasenjagd im Mühlviertel, Roman einer Gegend; Edition Art Science, Au 93, 5360 Sankt Wolfgang, Mail editionas@aon.at, 2008; ISBN 978-3-902157-40-9
Spät, viel zu spät hat sich der österreichische Literaturbetrieb für Franz Kain zu interessieren begonnen. Während der Schriftsteller, Journalist und Politiker in der DDR viel gelesen wurde, erschien sein erster Text in Österreich erst in den späten 80er Jahren. Die beste Kain-Expertin hat sich 40 Jahre intensiv mit seinem umfangreichen Werk auseinandergesetzt: Margit Kain, seine Witwe. Das Herzstück des Nachlasses befindet sich nicht in einem Literaturarchiv, sondern in einer kleinen Wohnung in Linz-Urfahr. Seit 1967 hatten die beiden hier gewohnt.
Wenige Wochen vor dem Wiener Volksstimmefest ist es soweit: Die alljährlich stattfindende Lesung "Linkes Wort" präsentiert sich in Form einer eigenen Webseite. Seit heute ist die neu gestaltete Webseite des Linken Worts veröffentlicht und abrufbar.
Stellungnahme der Freien Szene zur aktuellen kulturpolitischen Situation in Linz
Was braucht die Kultur?
Um eine Kultur zu fördern, in der Kunst und Kultur gemacht, rezipiert, gelebt, angeregt und anregend werden können, bedarf es bestimmter Bedingungen. Zu diesen Bedingungen gehören Zeit -- frei von Produktionszwängen, um sich auszutauschen, nachzudenken, Gedanken weiter zu spinnen -- und Raum, wo Menschen zusammen kommen, etwas ausprobieren, Ideen umsetzen und diese und sich weiter entfalten können. Das Kulturhauptstadtjahr wäre eine Chance, die Schaffung solcher Bedingungen zu erproben, aber diese Chance schwindet mittlerweile zunehmend. Die Verantwortlichen von Linz09 zeigen sich wenig an strukturellen Lösungen interessiert und die politisch Verantwortlichen nehmen in diesem Zusammenhang ihre Verantwortung nur ungenügend wahr.
Anlässlich der von der Landesregierung (erstmals seit 1995) erfolgten Verweigerung der Förderung von zwei Projekten aus dem KUPf-Innovationstopf (wegen kritischer Auseinandersetzung mit der Linzer Stadtwache) hat die Kulturplattform OÖ eine Petition für faire und transparente Fördergeldvergabe im Kulturland Oberösterreich gestartet.