„Reichtum ist keine Schande“ titelt Andreas Lampl im jüngsten „trend“ (8/2010). Er hat vergessen zu ergänzen „…Steuerzahlen auch nicht!“, denn genau darum geht´s bei dieser Thematik.
Sogar „trend“ muss nämlich eingestehen „Die Vermögenden haben sich schneller von der Krise erholt als die Durchschnittsbürger“. Davon zeugt der Zuwachs von 62.100 auf 68.900 Euro-MillionärInnen in Österreich und deren Vermögen von 184,8 auf 210 Milliarden Euro laut DACH-Report.
Reichtum hat Name und Adresse. Nachstehend die Rangliste der Vermögen der 50 reichsten ÖsterreicherInnen (Angaben in Mio. Euro, Quelle: trend 8/2010). Trotz Krise haben die Euro-MillionärInnen kräftig zugelegt - das Vermögen der TOP50 stieg gegenüber dem Vorjahr von 82,2 auf 88,2 Milliarden Euro.
Während Kanzler Faymann und Vize Pröll wie das Kaninchen auf die Schlange der Wahlen in der Steiermark und in Wien starren und sich mit ihren längst in den Schubladen liegenden Belastungsplänen zur Budgetsanierung bedeckt halten gebärden sich diverse Schlaumeier mit ihrer Meinung nach geradezu genialen Ideen.
Gemeinsam ist solchen Schlauköpfen stets, dass ihnen höhere Steuern auf die Profite und Millionenvermögen ein Gräuel sind und ebenso, dass sie zur Abwehr solcher immer wieder den sogenannten „Mittelstand“ in Geiselhaft nehmen.
Es fällt schon auf: Wenn es ums große Geld geht, dann geht angeblich gar nichts. Und so müht sich eine ganze Armada von ExpertInnen, JournalistInnen und PolitikerInnen ab uns zu erklären, warum eine Besteuerung der großen Vermögen angeblich unmöglich ist.
In der „Presse“ erklärt Christoph Kraus, Boss der auf noble Privatstiftungen spezialisierten Kathrein-Privatgeschäftsbank, unter dem verräterischen Titel „Stiftungen brauchen Privilegien“, dass eine höhere Besteuerung von Stiftungen undenkbar ist.
Man muss nicht mit den Sozialpartnern einverstanden sein, aber wenn ÖGB-Präsident Foglar und WKO-Chef Leitl gemeinsam davor warnen, dass die Regierung das Land zur Krisensanierung „totsparen“ wollen, kann ihnen zugestimmt werden. Kein Wunder, dass die Lohnschreiber von Banken und Konzernen gegen eine solche Warnung Sturm laufen und unter Berufung auf einen „nationalen Schulterschluss“ Opfer einfordern.
Von Leo Furtlehner, Landessprecher der KPÖ-Oberösterreich
Kanzler Faymann und Vizekanzler Pröll (für beide gilt die Unschuldsvermutung) laden die Banker zu sich und betteln darum, dass die Banken doch – bitte, bitte – ein kleines Almosen zur Krisenbewältigung beitragen. Der Wirtschaftsforscher Stephan Schulmeister rechnet vor, dass ein einziges Prozent Steuer auf die Finanztitel rund fünf Milliarden Euro bringen würde und er möchte die InhaberInnen von Privatstiftungen überzeugen, dass sie doch – bitte, bitte – einen Obulus leisten.
„Weihnachten ist die stärkste Zeit im Jahr“, heißt es im Volksmund. Das trifft freilich nur für die gewöhnlichen Menschen zu, denen bereits ab September von Politik, Medien und Wirtschaft das Kaufen auf Teufel komm raus verordnet wird. Dass „die da unten“ mangels Kaufkraft infolge stagnierender Löhne, gekürzter Pensionen und gestrichener Sozialleistungen nicht so kaufen können wie sie wollten, lässt „die da oben“ kalt, die sich zudem immer wieder über die angebliche Konsumverweigerung der KonsumentInnen mokieren.
SPÖ-Landeschef Josef Ackerl kontert via „Standard“ dem ehemaligen steirischen ÖVP-Landesrat (und am steirischen Widerstand gescheiterten Wunschkandidaten von ÖVP-Chef Pröll als Wirtschaftsminister) Herbert Paierl. Für Ackerl ist der für seine scharfen Ansagen für „Reformen“ bekannte Parade-Neoliberale Paierl neben WKO-Boss Leitl der „wohl prominenteste Vertreter der sogenannten Marktradikalen“ in Österreich.
Wolf, Winfried, Sieben Krisen - ein Crash, ISBN 978-3-85371-299-3, br., ca. 256 S., ca. 17,90 Euro, 32.- sFr.
Seit Mitte 2007 existierten die ersten Anzeichen einer „Subprime-Krise“ im Hypotheken-Kreditsektor der USA. Anfang 2008 ging es um eine US-amerikanische Wirtschaftskrise. Ende 2008 machte der Begriff von einer weltweiten Rezession die Runde. Seit Frühjahr 2009 ist „die neue Weltwirtschaftskrise“ in aller Munde.
Als Genius und Impetus sieht sich Vizekanzler Josef Pröll (ÖVP) mit seinem mit einer demonstrativen Rede vorgestellten „Projekt Österreich“, mit dem er den Anspruch auf die künftige Kanzlerschaft bzw. aktuell die Führung in der Koalition angemeldet und dabei den amtierenden Kanzler Werner Faymann (SPÖ) demonstrativ an die Brust genommen hat. Prölls Antreiber-Slogan „Schneller, flexibler, geschmeidiger“ erinnert in mancher Hinsicht an den Sager von einer „solidarischen Hochleistungsgesellschaft“ des früheren Kanzlers Alfred Gusenbauer, ist freilich einer der charakteristischen neoliberalen Jargons.
Übermütig sind und bleiben die hochgradig neoliberal eingefärbten „OÖ Nachrichten“, die jetzt gemeinsam mit der Raiffeisen-Bankengruppe jetzt zum achten Mal ein „Börsespiel“ veranstalten. Angeboten werden eine Erwachsenenwertung (ab 18), eine SchülerInnenwertung (ab der 8. Klasse) und als Draufgabe eine Klassenwertung (für LehrerInnen die gleich die ganze Klasse für den Unfug vergattern). Als Lockmittel gibt es Preise für 20.000 Euro, darunter ein Auto sowie passenderweise Gold- und Silberbarren.
Durch die Finanzkrise sanken 2008 die Profite der US-Großbanken deutlich, manche Banken schrieben sogar Rekordverluste. Aber jene Prediger des Neoliberalismus, die immer das Credo „Privat ist besser als Staat“ predigten scheuten sich nicht umgehend Staatshilfen in Milliardenhöhe zu beanspruchen. Nichts gelernt hat man freilich in Hinblick auf das System von Bonuszahlungen in Milliardenhöhe, das auf waghalsigen Finanztransaktionen beruht die zum Crash geführt haben. Teilweise werden sogar trotz Verlusten Milliarden an Bonuszahlungen ausgeschüttet. Und die Zahl der Finanzmanager mit Millioneneinkommen ist enorm, wie der Bonus-Report der New Yorker Staatsanwaltschaft beweist:
Jahrelang wurde Oberösterreich als das Wunderland der Innovation propagiert, das Zauberwort dafür war vor allem die Autozulieferindustrie. Eine im Vergleich zu den anderen Bundesländern niedrige Arbeitslosenrate, von manchen voreilig sogar als Vollbeschäftigung interpretiert und eine extreme Exportorientierung waren die Markenzeichen dafür. Die sich beginnend im Herbst 2008 rasant zu einer allgemeinen Wirtschaftskrise ausgewachsene Finanzkrise hat die Sonntagsreden der Prediger des Neoliberalismus, egal ob LH Pühringer, WKO-Chef Leitl oder Raiffeisen-Boss Scharinger allerdings rasch entzaubert.
Per Ende April rangierten gleich sieben der 18 oö Bezirke bei den bundesweiten Spitzenreitern mit der größten Zunahme der Arbeitslosigkeit gegenüber dem Vorjahr, allen Voran Braunau mit einem plus von gleich 104,7 Prozent, aber auch Steyr mit 83,1, Vöcklabruck mit 75,3, Wels mit 58,9, Perg mit 54, Gmunden mit 51,6 und Grieskirchen mit 50,7 Prozent gehören dazu.
So recht Sepp Wall-Strasser in der Sache selbst zur Vermögensbesteuerung hat, sowenig hilfreich ist es, den Diskurs auf eine „Schwarze Fiskaldemagogie“ zu reduzieren. Da siegt wohl wieder einmal die (sozialdemokratische) Parteiräson über eine kritische Gewerkschaftspolitik.
Christian Ortner ist für strammen Neoliberalismus bekannt. Für ihn gilt nach wie vor das Motto „Mehr privat, weniger Staat“ und auch dass dieses Dogma durch die Wirtschaftskrise erschüttert wurde ficht ihn nicht an. In seinen Rundbriefen „OrtnerOnline“ beglückt er die Welt mit seinen Erkenntnissen. Dabei findet sich manches Interessante.
Die FPÖ lässt sich gerne als Partei des „kleinen Mannes“ feiern. Jüngste Vorstöße im Parlament rund um die Budgetdebatte zeigen jedoch, dass hinter der sozialen Fassade rasch die Partei der großen Geldsäcke zum Vorschein kommt. So forderte die FPÖ Anfang April im Nationalrat die Senkung der Staatsquote von 43% auf 39%, das entspricht einer Einschränkung der öffentlichen Ausgaben um sage und schreibe 12 Milliarden (!) Euro.
„Wenn der Ludwig mit 65 in Pension gegangen wäre, hätte er sich einiges erspart. Zumindest einige Kratzer an seinem Denkmal“ – diese Aussage eines „Vertrauten“, via Dietmar Mascher im selbsternannten „Landeshauptblatt“ OÖN transportiert, lässt aufhorchen. Solches Aufbegehren gegen den ungekrönten „König Ludwig“ von Oberösterreich (und darüber hinaus) ist angesichts der gewohnten Unterwürfigkeit der wichtigsten Medien im Lande unüblich. Schon überhaupt wenn das ganze der Bibel entlehnt mit der Schlagzeile „Er kann doch nicht übers Wasser gehen“ getitelt ist.
Eine erneute Vermögenssteuer müsste wiederum die Betriebe, vor allem aber auch Häuslbauer und Autobesitzer treffen, das sie sonst fiskalisch nicht interessant wäre. Hannes Androsch, Ex-Finanzminister, Österreich, 3.5.2009
Es hatte einen guten Grund, dass ich seinerzeit die Vermögenssteuer abgeschafft habe. Wenn die Häuslbauer nicht besteuert werden sollen, was bleibt dann noch? Franz Vranitzky, Ex-Bundeskanzler, Österreich 3.5.2009
„Die wirtschaftlichen Chancen in den osteuropäischen Nachbarstaaten haben viele österreichische Unternehmen genutzt, vor allem auch die großen österreichischen Banken. Dabei haben diese viele Jahre sehr gut verdient. Weil die Banken von den erzielten Gewinnen in einem viel zu geringen Ausmaß Reserven für Risikoabdeckungen gebildet haben, ist die aktuelle Krise nicht nur für sie selbst, sondern auch für unseren Staat zu einem nicht geringen Problem geworden“, analysiert der SPÖ-Industrielle Hannes Androsch im „trend“.
Was zu tun und was zu lassen ist, um ein Wirtschaftssystem zu kreieren, in dem nicht Banker sondern Unternehmer das Sagen haben und Krisen nicht gefährlich, sondern gesund sind. Ratschläge eines skeptischen Empiristen - Kommentar der anderen von Nassim Nicholas Taleb
Die Methode ist nicht neu, sie wird aber immer wieder aufgewärmt: Als es seinerzeit darum ging, die anonymen Sparbücher abzuschaffen mit denen Schwarzgeld vor der Steuer im großen Stil hin- und herverschoben wurde, wurden die „alten Mutterln“ mit ihren paar Spargroschen als Geiseln vorgeschoben. Ähnlich läuft es auch beim Bankgeheimnis, wo von den NutznießerInnen – den Schwarzgeldanlegern oder Profiteuren aus krummen bis kriminellen Geschäften und betuchten Steuerflüchtlingen aus dem Ausland – und ihren Sprachrohren in Politik (da tun sich die „Parteien des kleinen Mannes“ namens FPÖ und BZÖ besonders hervor) und Medien wieder die kleinen SparerInnen als Schutzschild missbraucht werden.
Persönliche Überlegungen zur Nationalökonomie von Günther Schatzdorfer.
Ich besuchte vor vierzig Jahren eine Schule, in der uns ein Professor mit seinem Holzlineal die Grundzüge von Buchhaltung und Kaufmännisch Rechnen hineingedroschen hat. Seither weiß ich, was Soll und Haben bedeutet. Das war mir auch immer von Nutzen, seit ich freier Schriftsteller bin. In diesem Beruf lernt man schnell, dass man nicht mehr ausgeben kann, als man hat, egal ob's ums Geld geht oder sein Talent.
Seit der Vollprivatisierung der Voestalpine im Jahr 2003 haben die neuen Eigentümer kräftig Dividende aus dem Unternehmen abgesaugt. Die Dividendenausschüttungen sind von 63 Millionen (2003/04) auf 334 Millionen (2007/08), also auf mehr als das Fünffache geradezu explodiert. Dabei wurde den Aktionären die VA schon bei der Privatisierung nach Schätzung der Studie der AK-Wien weit unter dem tatsächlichen Wert offeriert.
Wenn die Scheisse angesichts der unübersehbaren Krise des realen Kapitalismus so richtig am Dampfen ist und den Verteidigern dieses Systems bis zum Halse steht, ertönt geradezu zwangsläufig der Ruf nach Solidarität. Alle müssten Opfer bringen und alle müssten zahlen, meint etwa auch Hans Rauscher im „Standard“ und erteilt postwendend den aufmüpfigen Lehrerinnen Nachhilfeunterricht in seiner Lesart von „Politischer Ökonomie“.
Die Banken des Alpenlandes sackten seit dem Zusammenbruch der sozialistischen Staaten in Osteuropa unvorstellbare Summen ein. Heute betteln sie die Regierung um Gelder für ihre maroden Geschäfte in dieser Region an. Von Hannes Hofbauer
Die Regierung will den Kurs der neoliberalen Demontage der öffentlichen Dienste fortsetzen. Bahn, Post, Gesundheit kommen unter Druck. Die EU-Liberalisierungsrichtlinien geben die Marschroute vor. Die Krise wird immer hemmungsloser genutzt, um soziale und ökologische Standards zurückzudrehen. Bei Bahn, Post und Gesundheit soll gekürzt werden.
Anstatt die Verluste von Banken aufzufangen, sollte man diese selbst vergesellschaften. Von Christian Felber
Plädoyer für eine grundlegende Neuausrichtung des Bankenwesens: Anstatt die Verluste von Banken aufzufangen, sollte man diese selbst vergesellschaften und unter demokratische Kontrolle bringen. Die sich auswachsende Krise bietet eine historische Chance, die Finanzmärkte neu zu ordnen und dabei auch gleich das Bank- und Geldwesen gründlich zu reformieren. Banken haben am besten funktioniert, als sie - in den Nachkriegsjahrzehnten - nicht gewinnorientiert waren.
Die „Initiative für eine demokratische Wende“ erwartet mehr als hundert TeilnehmerInnen aus ganz Österreich bei ihrer Konferenz am 7. Februar 2009 in Linz (11 bis 18 Uhr, Volkshaus Franckviertel, Franckstraße 68). Ziel der Konferenz ist die Beratung über gemeinsame Forderungen an Bundesregierung und Parlament und gemeinsame Aktionen zur Durchsetzung dieser Forderungen.
„Folgen Sie dem japanischen Beispiel: Machen Sie eine Verbeugung – und dann treten Sie entweder zurück oder begehen Selbstmord“
US-Senator Charles Grassey zum Management des US-Versicherungskonzerns AIG, der sich mit 200 Mrd. Dollar Staatshilfe vor dem Bankrott retten lässt, aber jetzt 450 Mio. Dollar Boni und weitere 700 Mio. Dollar Zusatzzahlungen an Spitzenmanager auszahlen will.