Die heutigen Verhandlungen zwischen den BesetzerInnen der JKU Linz, dem Rektorat, VertreterInnen der ÖH und Lehrenden waren sehr konstruktiv und bilden den Anfang eines Diskussionsprozesses, der im laufenden Semester und darüber hinaus fortgesetzt werden wird.
Ein gemeinsames Vorgehen gegen die Unterfinanzierung des Bildungsbereiches durch das Bundesministerium wird von allen Seiten angestrebt. Weiters zeigte sich das Rektorat dem Vorschlag der BesetzerInnen und der ÖH gegenüber, das zukünftige Universitätsbudget partizipativ zu verteilen, aufgeschlossen.
Bei der heutigen Podiumsdiskussion ging es nicht nur um die zusätzlichen 3,6 Millionen Euro für die JKU, die von den BesetzerInnen erreicht wurden. Klar wurde, dass es viele Kritikpunkte zum Bildungssystem gibt und noch immer viel Veränderungsbedarf besteht.
„Ich halte dafür, dass das einzige Ziel der Wissenschaft darin besteht, die Mühseligkeit der menschlichen Existenz zu erleichtern.“ Bertolt Brecht, Leben des Galilei
Sieben Thesen über linke Politik an den Universitäten von Walter Baier
Mehr als tausend Menschen beteiligten sich am bundesweiten Aktionstag am 5. November 2009 in Linz an der Demonstration „Freie Bildung für alle“. Nicht nur direkt betroffene Studierende der Johannes-Kepler-Universität, der Kunstuniversität und von Fachhochschulen, sondern auch viele SchülerInnen und Berufstätige unterstützten den Protest der Studierenden und versammelten sich bei der Auftaktkundgebung im Volksgarten.
Der Protest der Studierenden hat schlagartig die Misere der Bildungspolitik deutlich gemacht. Die finanzielle Aushungerung der Universitäten und Umwandlung zu selbstfinanzierenden Unternehmen zwingt diese zu verstärkter Drittmittelfinanzierung, macht die Hochschulen zum Anhängsel von Banken und Konzernen. Besonders deutlich wird dies an der Johannes-Kepler-Universität.
Wir sind ang’fressen! Während für Banken und Konzerne Milliarden aufgebracht werden, wird an unserer Bildung, an unserem Sozialsystem, an unserer Gesundheit, an unseren Löhnen und Gehältern und unseren Pensionen gespart. Das ist Ausdruck einer gesellschaftlichen Schieflage: Profitinteressen zählen mehr als menschliche Bedürfnisse. Um daran etwas zu ändern, brauchen wir einen Schulterschluss zwischen Studierenden und Arbeitenden, SchülerInnen und Arbeitslosen, PensionistInnen, BäuerInnen, prekär Beschäftigten und vielen anderen.
Wer gegen die Aushöhlung des Bildungssystems protestiert, wer gegen die Unterordnung von Lehre & Forschung unter die Interessen einiger weniger großer privater Unternehmen protestiert, wer auf die desaströsen Folgen der Politik der Regierung (nicht nur im Bildungsbereich) aufmerksam macht, der/die hat unsere Solidarität.
Die Zeitung "Der Funke" führte im Rahmen des „Lehrerstreits“ ein Interview mit Edith Friedl - ihres Zeichens Lehrerin an der HBLA für Künstlerische Gestaltung in Linz.
Zu Weihnachten ließ Wissenschaftsminister Hahn die Katze aus dem Sack: in einem Interview plädierte er für Einführung von generellen Zugangsbeschränkungen für das weiterführende Master- und Doktoratsstudium. Nur noch beim Grundstudium, dem Bachelor-Studium, soll es einen „möglichst freien Zugang“ geben. (1)
Die soziale Herkunft darf nicht länger die Zukunft von Kindern bestimmen
In Österreich endet die gemeinsame Schulzeit aller Kinder mit 9 ½ Jahren. Auf die gemeinsame Volksschule folgt die soziale Auslese. Aus Gesamt-Volksschulkindern werden HauptschülerInnen oder GymnasiastInnen. Auch wenn über Berufsbildende Höhere Schulen und ORGs HauptschülerInnen die Matura erreichen, bestimmen in Österreich vor allem Herkunft und Elternhaus die zukünftigen Bildungs- und Lebenschancen. Ein Ergebnis der vorzeitigen und sozialen Differenzierung: Kinder von Arbeitern, Alleinerzieherinnen und MigrantInnen werden durch das differenzierte Schulsystem benachteiligt. 20 Prozent der Jugendlichen sind funktionale Analphabeten.
Derzeit wird erbittert und teilweise sehr unsachlich über das Thema Gesamtschule diskutiert. Nicht immer entsprechen alle Argumente den Tatsachen – nicht immer sind alle Thesen dazu schlüssig. Höchste Zeit, sich einmal genauer mit dem Thema zu beschäftigen:
Die Kernpunkte im Koalitionsabkommen zur Hochschulpolitik bedeuten die strikte Fortsetzung der Degradierung von Bildung zur kapitalistischen Ware und Umwandlung der Universitäten in kapitalistische Unternehmen verbunden mit allen unsozialen Auswirkungen. Die rotschwarze Regierung steht also auch auf diesem Sektor voll in der Kontinuität der neoliberalen Regierungspolitik wie sie schon 1986 bis 2000 von der vormaligen großen Koalition als auch von 2000 bis 2006 von der schwarzblau/orangen Koalition praktiziert wurde.
Franz Fend hat Liessmanns „Theorie der Unbildung“ gelesen
Zwei wichtige massenmediale Ereignisse haben im Februar stattgefunden: Die Karaoke Sängerin Nadine Beiler aus dem tirolerischen Inzing hat das Starmania Wettsingen gewonnen und der Wiener Philosoph Konrad Paul Liessmann ist zum Wissenschafter des Jahres gekürt worden. Beides wird man nur, wenn man sich willig durch die mediale Walze drehen lässt. In einem Falle muss man dümmlich treuherzig in Interviews bekannt geben, dass man am liebsten Single sei, um dann mit Fistelstimme „Alles was Du willst“ zu trällern. Vermutlich, um möglichst schnell mit dem geilen Greis Udo Jürgens ein Date zu bekommen.
Wie umfallen, wenn man nicht steht? Von Barbara Steiner und Nora Gumpenberger
Seit Jahresbeginn ist es bekannt: Die Studiengebühren wurden nicht erhöht! Schon 60 Stunden sozialer Dienst ermöglicht allen den freien Zugang zur Hochschulbildung! Fein gedacht, denn: „Neue soziale Herausforderungen in der Hospizbewegung“ warten auf die StudentInnen! Angehende AkademikerInnen, diese Intellektuellen, sollen ihre soziale Ader entdecken. Vor allem Frauen kommen immer zu kurz. Fehlt Ihnen doch die staatlich zur Verfügung gestellte Möglichkeit, sich sozial zu engagieren: der Zivildienst!
Franz Fend hat sich in der Wühlkiste der Bildungsangebote umgetan.
Es tut sich was auf dem Feld der Bildung und Ausbildung. Wie es scheint, wird kein Stein auf dem anderen bleiben. Das staatliche Bildungssystem wurde heruntergewirtschaftet zu einem Ausbildungsbetrieb, der bestenfalls kurzfristige Berufsanforderungen zu vermitteln mag.
Die mit dem Wintersemester 2001/02 eingeführten Studiengebühren stellen für die überwiegende Zahl der Studierenden bzw. deren Eltern eine soziale Härte dar, denen angesichts überfüllter Hörsäle und fehlender Studienplätze nicht einmal eine Gegenleistung gegenübersteht.