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1945: Die Ermordung der "Welser Gruppe"

  • Mittwoch, 29. April 2015 @ 08:00
Geschichte Die Bezeichnung „Welser Gruppe“ stammt von der Geheimen Staatspolizei. Die Gestapo berichtet im September 1944 über den „Stand der illegalen Kommunistischen Partei Österreichs, Gebiet Oberdonau“, „daß in dieser Organisation 158 Männer und Frauen tätig gewesen waren und verhaftet worden waren.“ Diese Organisation war in den Gemeinden Ebensee, Gmunden, Gschwandt, Laakirchen, Lambach, Linz, Steyr, Stadl-Paura und Wels verankert. In den wichtigsten Betrieben dieser Gemeinden waren illegale Gruppen organisiert, deren Zusammenfassung 1942 beginnt.

Nach der politischen Zusammensetzung gehörten Personen unterschiedlichster Richtungen der „Welser Gruppe“ an: kommunistische, revolutionär-sozialistische, katholische, ehemalige Anhänger der Großdeutschen und Angehörige des Heimatschutzes. Etwas mehr als 40 Prozent der verhafteten Männer und Frauen dieser Organisation waren bei den Verhören der Gestapo, Folterungen in den Konzentrationslagern, Erschießungen, Erstickungen in der Gaskammer oder bei Bombenangriffen der US-Luftwaffe auf Gefängnisse in Linz getötet worden.

Umfassende Verbindungen

Die „Welser Gruppe“ hatte gute Verbindungen zu den wichtigsten Betrieben wie auch Sportorganisationen, wo Angehörige der Gruppe teilweise als Funktionäre tätig war. Diese waren zum großen Teil Mitarbeiter der Kommunistischen Partei Österreichs, die in Wels seit 1919 bestand, aber seit dem 26. Mai 1933 verboten war.

Da 1941 einige weiterhin aktive Kommunisten verhaftet und verurteilt wurden, lenkte von dieser Zeit an die Gestapo ein besonderes Augenmerk auf Wels, da sie nun wußte, daß dort erfahrene Funktionäre rege waren und ab 1941 aufgrund der Verhaftungen Schwachstellen bestanden. Bis dahin war es etwa der Gestapo nicht gelungen, die Landesleitung der KPÖ mit Josef Teufl aufzudecken. Nun aber gelang es der Gestapo, einen Spitzel in die Reihen der „Welser Gruppe“ einzuschleusen, der sich als Vertreter des Zentralkomitees der KPÖ aus Wien ausgab und daher bei den Welsern volles Vertrauen genoß.

Vorsichtsmaßnahmen vernachlässigend wurden große Zusammenkünfte in Nebenzimmern bekannter Arbeitergasthäuser veranstaltet, wo alle Versammelten gesehen werden konnten. Von Wels aus wurden Verbindungen nach Stadl-Paura, Steyrermühl, Gmunden und Ebensee geschaffen. Es waren dies alte Kontakte von Kommunisten aus Stadl-Paura. Von Wels aus gelang auch die Verknüpfung mit in den Linzer Hermann-Göring-Werken und Stickstoffwerken Tätigen. Geschaffen wurden auch Verbindungen über Attnang-Puchheim zur Widerstandsbewegung im oberen Salzkammergut. Durch die Niederlagen der deutschen Truppen erhielten diese Tätigkeiten einen optimistischeren Charakter und wurden immer unkonspirativer. Dies wurde von dem Wiener Vertreter auch gefördert.

Bernaschek wurde gewarnt

Richard Bernaschek wurde von einem Gestapobeamten vor der Gefahr durch seine Kontakte mit Wels gewarnt, weil dort jemand für die Gestapo arbeite. Bernaschek informierte darüber die Welser. Dadurch bekam die Gestapo Kenntnis, daß ihr Konfident entlarvt worden war. Richard Bernaschek wurde daraufhin am 21,. Juli 1944 verhaftet.

Die Gestapo versuchte dann, die Vertreter der Landesleitung zu täuschen, indem sie diese nach Wien einlud, um dort mit einem ausländischen Offizier zwecks gemeinsamer Handlungen in Verbindung zu kommen. Währenddessen gaben Wiener Vertreter bekannt, daß sich in Wien Parteifunktionäre bewaffneten. Deshalb wurde ein Vertreter nach Wien entsandt, um Waffen zu holen.

Am 7. September 1944 frühmorgens fuhr die Gestapo mit Lastwagen in die einzelnen Orte und verhaftete Männer und Frauen der „Welser Gruppe“. Die Frauen wurden in Linz inhaftiert, der Großteil der Männer wurde in das KZ Mauthausen gebracht. In Mauthausen hatte die Linzer Gestapo eine Außenstelle eingerichtet, um ihre Vernehmungen gleichsam ungestört durchführen zu können.

Übrigens wurde ebenfalls am 7. September 1944 in Bad Aussee eine NS-Aktion gegen die Widerstandsgruppe „Willy-Fred“ um Josef Plieseis begonnen. Die Salzkammergut-Partisanen wußten jedoch davon und lockten die Gestapo und die SS-Gendarmerie tief in das Tote Gebirge, wo sie ohne Erfolg umkehren mußten. Der Gestapo gelang nur die Verhaftung zweier Ausseer Salinenarbeiter.

Die Fehler der „Welser Gruppe“

Daß die „Welser Gruppe“ von der Gestapo aufgerollt werden konnte, hatte laut dem Arbeiterhistoriker Peter Kammerstätter folgende drei Ursachen:

a) Es wurde eine Gesamtleitung gebildet, was im Widerspruch zu den konspirativen Erkenntnissen stand, die die meisten von ihnen in den Jahren der Illegalität der österreichischen ArbeiterInnenbewegung spätestens seit dem Februar 1934, erlangt hatten.

b) Verhängnisvoll waren auch die großen Zusammenkünfte, die abgehalten wurden. Damals konnten und sollten höchstens Gruppen von drei bis fünf Personen gebildet werden. Dies ermöglichte es der Gestapo, von MitarbeiterInnen und AnhängerInnen der Organisation Kenntnis zu erlangen.

c) Fatal war auch, daß sich die Angehörigen der „Welser Gruppe“ allzusehr in Sicherheit fühlten, wodurch es der Gestapo nicht schwer gemacht wurde, ihre Spitzel einzuschleusen.

Von den Verhafteten sind zwischen dem 7. September 1944 und April 1945 im Sanitätslager des KZ Mauthausen fünf verstorben, deren Namen uns bekannt sind: Auinger Karl aus Wels, Großmaier Johann (1891-1944) aus Gmunden, Jelemicky Michael aus Steyrermühl, Mitterer Karl (4. November 1894-25. Februar 1945), Lokführer aus Wels und Welischek Alois (24. Dezember 1894-13. Dezember 1944) aus Stadl-Paura.

„Keine aufbauwilligen Kräfte...“

Während in Wien schon die am 27. April 1945 unter Karl Renner (SPÖ) gebildete provisorische österreichische Staatsregierung der drei demokratischen Parteien ÖVP, SPÖ und KPÖ im Amt war, setzten die in Oberösterreich noch machthabenden NS-Spitzen ein Zeichen der Gewalt. NSDAP-Gauleiter August Eigruber, SS-Obergruppenführer Ernst Kaltenbrunner und der Kommandant des KZ Mauthausen, Ziereis, beschlossen, sämtliche für die neue österreichische Staatsform Aufbauwilligen durch Vergasung zu vernichten, die Allierten sollten bei der Befreiung „keine aufbauwilligen Kräfte“ vorfinden. 43 „Oberdonauer“ Widerstandskämpfer wurden dabei noch so kurz vor Kriegsende zum Tode verurteilt, nur einer davon, nämlich Richard Dietl, konnte dem Tod entkommen.

Die noch so kurz vor Kriegsende zum Tode Verurteilten waren:
- Auinger Johann, geboren am 30. November 1892 in Lindach
- Bala Józef, geboren am 11. Jänner 1923 in Ochojno
- Blank Adam, geboren am 30. April 1893 in Altmünster
- Breitwieser Josef, geboren am 23. Februar 1887 in Irnharting
- Bricevac Martin, geboren am 11. November 1910 in Prijedor
- Brunner Franz, geboren am 30. Oktober 1902 in Linz
- Buchholzer Johann, geboren am 17. Mai 1894 in Waldneukirchen
- Chmielenski Anton, geboren am 22. Mai 1905 in Linz
- Čondić Nikola, geboren am 16. Februar 1922 in Aržano in Dalmatien
- Dietl Richard, geboren am 3. August 1911 in Wels (Dietl ist als einziger der von den Machthabern des KZ Mauthausen zum Tode verurteilten die Flucht und damit das Überleben gelungen)
- Grochot Mieczysław, geboren am 20. Mai 1920 in Ochmanow, eine Ortschaft in Kleinpolen/Malopolska)
- Hackl Johann, geboren am 31. Juli 1906 in Linz
- Haider Ludwig, geboren am 9. August 1885 in Straßwalchen
- Haselmeier Franz, geboren am 31. März 1910 in Linz
- Hirsch Wenzel, geboren am 21. September 1905 in Schwarzbach
- Hofmann Franz, geboren am 9. Juli 1900 in Linz
- Jankowski Józef, geboren am 20. Jänner 1920 in Krakau
- Jelačić Anton, geboren am 20. Jänner 1920 in Split)
- Kaczmarczyk Stanisław, geboren in Krakau
- Lehner Jakob, geboren am 28. Juni 1905 in Linz
- Leidlmair Karl, geboren am 20. Jänner 1910 in Wels
- Leitner Josef, geboren am 10. August 1910 in Gmunden
- Lepschy Josef, geboren am 9. Juli 1905 in Unter-Moldau
- Loy Karl, geboren am 3. November 1895 in Grieskirchen-Parz
- Maritschnegg Franz, geboren am 6. März 1900 in Plauen
- Mayer Gustav, geboren am 13. Juni 1914 in Watzelsdorf
- Mischka Karl, geboren am 10. Mai 1898 in Wien
- Neubacher Josef, geboren am 23. März 1893 in Pinsdorf
- Obermayr Heinrich, geboren am 16. Jänner 1901 in Linz
- Pensl Otto, geboren am 28. November 1895 in Linz
- Pesendorfer Josef, geboren am 10. Jänner 1907 in Neukirchen
- Plaichner Fritz, geboren am 15. Juni 1901 in Traismauer
- Pollhammer Stefan, geboren am 12. Dezember 1906 in Linz
- Reindl Karl, geboren am 20. Februar 1913 in Linz
- Roll Josef, geboren am 9. Februar 1897 in Aiching
- Sommer Johann, geboren am 16. Dezember 1889 in Vorchdorf
- Steiner Alois, geboren am 24. Mai 1908 in Edt-Lambach
- Teufl Josef, geboren am 23. November 1904 in Linz
- Trappel Karl, geboren am 28. Dezember 1896 in Weitra
- Truckendanner Franz, geboren am 12. Oktober 1894 in Ebensee
- Wolfgang Karl, geboren am 23. März 1893 in Pettenbach
- Zekan Ivan, geboren am 8. Juni 1915 in Split
- Zelger Willibald, geboren am 17. September 1907 in London

Gleichzeitig mit den 42 Widerstandskämpfern der „Welser Gruppe“, die am 28. April 1945 im KZ Mauthausen vergast wurden, sind sieben Männer der Gegenbewegung von Moosbierbaum aus dem Tullnerfeld bei Zwentendorf an der Donau Blutopfer des Beschlusses von Eigruber, Ziereis und Kaltenbrunner geworden:
- Gottwald Rudolf, geboren am 21. September 1891 in Karlstal
- Grubauer Robert, geboren am 30. Mai 1883 in Wien
- Lingler Johann, geboren am 7. März 1887 in Diettersdorf
- Pinz Franz, geboren am 2. Juli 1907 in Trarsdorf
- Schober Lorenz, geboren am 1. August 1901 in Kottschalings
- Tomaschko Heinrich, geboren am 5. Juli 1891 in Bernschlag
- Wallner Karl, geboren am 8. September 1908 in Sankt Pölten

Die letzte Vergasung

Dieser vielfache Mord in der Gaskammer des KZ Mauthausen erfolgte am 28. April 1945 mittags. Es war die letzte Vergasungsaktion und die vorvorletzte Hinrichtung im KZ Mauthausen. Am nächsten Tag, am 29. April 1945, wurden die technischen Einrichtungen der Gaskammer abmontiert. Die Wandecke mit den Öffnungen für die Gaszufuhr- und Absaugeinrichtungen wurde zugemauert und verfliest. Die Gaskammer sah nunmehr wie ein kleines Brausebad aus.

Am 5. Mai 1945, einem sonnigen Frühlingstag, wurde das KZ Mauthausen von US-Soldaten befreit, wie auch die Nebenlager Gusen, Linz, Gunskirchen, Lenzing, Schloß Lind und Steyr.


Publikationen

 
 
Peter Kammerstätter (1911-1993). Eine Dokumentation über Leben und Werk des Antifaschisten und Historikers der oö Arbeiterbewegung.
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