Gerlinde Gr├╝nn ├╝ber die Benennung von Stra├čen und Pl├Ątzen als ein immer wiederkehrendes Thema der Kommunalpolitik.

Stra├čennamen dienen nicht nur der Orientierung. Sie erz├Ąhlen Geschichten, erinnern an wichtige Ereignisse und ehren Pers├Ânlichkeiten. Das Ged├Ąchtnis einer Stadt manifestiert sich so im ├Âffentlichen Raum, bewahrt, polarisiert und grenzt auch aus. Unvergessen hier das hartn├Ąckige Engagement von Gemeinderat Franz Kain, der 1986 die Umbenennung der Langothstra├če durchsetzte. Davor ehrte die Stadt jahrzehntelang einen SS-General, der als Richter am Volksgerichtshof 41 Todesurteile verantwortete und von 1943 bis 1945 Linzer Oberb├╝rgermeister war, mit einer Stra├čenbenennung. Aktuell ├╝berpr├╝ft das Linzer Stadtarchiv, initiiert durch einen Antrag der KP├ľ und der Gr├╝nen zur Dinghoferstra├če, alle Stra├čennamen auf antisemitische und nationalsozialistische Spuren.

Interessant ist aber nicht nur was ist, sondern auch was fehlt. In der J├Ąnner-Sitzung beantwortete B├╝rgermeister Luger eine KP├ľ-Anfrage nach der Verteilung von Stra├čenbenennungen nach Frauen und M├Ąnnern. Das Ergebnis: Nur 47 von insgesamt 1.152 Linzer Stra├čen tragen Frauennamen, 510 hingegen die Namen von M├Ąnnern.

Dieses Missverh├Ąltnis sorgte f├╝r Emp├Ârung. Zumal kurz danach der Stadtsenat wieder zwei Stra├čenneubenennungen nach M├Ąnnern vornahm. Die mangelnde Sichtbarkeit von verdienstvollen Frauen im Stadtbild ist also nicht nur Folge jahrhundertlanger patriarchaler Verh├Ąltnisse, die Frauen von ├ämtern fernhielt, sondern auch eine geh├Ârige Portion Ignoranz gegen├╝ber den Leistungen von Frauen in Politik und Kunst trotz patriarchaler Ausgrenzung.

Auf Initiative der KP├ľ wurden in den vergangenen Jahren in Ebelsberg die Widerstandsk├Ąmpferin Gisela Tschofenig-Taurer und in Pichling die Schriftstellerin Henriette Haill mit einer Stra├čenbenennung geehrt. In der M├Ąrz-Sitzung wurde nun mehrheitlich gegen die FP├ľ beschlossen, alle Stra├čennamen im Neubaugebiet Ebelsberg nach Frauen zu benennen. Vorschl├Ąge daf├╝r k├Ânnen beim Linzer Stadtarchiv eingebracht werden.

Am Rande sei noch erw├Ąhnt, dass eine von der KP├ľ und den Gr├╝nen vorgeschlagene Stra├čenbenennung nach der Menschenrechtsaktivistin und geb├╝rtigen Linzerin Ute Bock letztes Jahr an den Stimmen der ├ľVP und der FP├ľ im Linzer Stadtsenat scheiterte.

Caf├ę KP├ľ #63, M├Ąrz 2020