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Ausblendung des Widerstandes ist Geschichtsfälschung

  • Montag, 12. März 2018 @ 20:00
Geschichte Rede von KPÖ-Landessprecher Leo Furtlehner bei der Kundgebung der KPÖ am 12.3.2018 beim Denkmal für ermordete Widerstandskämpfer_innen in Linz-Schörgenhub

Liebe Kolleginnen und Kollegen, liebe Genossinnen und Genossen! Die Märztage vor 80 Jahren waren ein entscheidender Wendepunkt der österreichischen Geschichte des 20. Jahrhunderts.

Aber der „Anschluss“, nämlich die militärische Annexion durch Hitler-Deutschland und die Auslöschung Österreichs als selbständiger Staat, kam nicht aus heiterem Himmel, er hatte eine Vorgeschichte.

Die Faktoren, warum es dazu kam waren vielfältig:
- Der Unglaube an die Lebensfähigkeit des zunächst dem entsprechend als Deutsch-Österreich benannten Landes nach dem Zerfall der Habsburger-Monarchie 1918.
- Die politischen Wirren der 1920er Jahre.
- Der Mord von Schattendorf und in der Folge der Justizpalastbrand 1927.
- Die Weltwirtschaftskrise 1929 mit einer Rekordarbeitslosigkeit.
- Der Aufstieg des Austrofaschismus – den die ÖVP auch heute noch als „Ständestaat“ verniedlichen will – mit dem Korneuburger Eid von 1930 als erklärte Abneigung gegen das demokratische System.
- Die Ausschaltung des Parlaments durch Dollfuss 1933.
- Das Verbot von KPÖ und Schutzbund ebenfalls 1933.
- Und dem Februaraufstand von 1934 als letzter verzweifelter Versuch der Arbeiter_innenbewegung bzw. Schutzbundes die Demokratie zu retten.

Die Ausschaltung von KPÖ, Schutzbund, Sozialdemokratie und Gewerkschaften durch den grünen Faschismus ermöglichten erst den Aufstieg des braunen Faschismus, der 1938 Österreich keineswegs aufgezwungen wurde, sondern von einem Großteil bejubelt wurde. Und auch die 99,7 Prozent für den „Anschluss“ im April 1938 waren keineswegs erzwungen, sondern durchwegs freiwillig. Hatte in Deutschland die Etablierung des NS-Systems Jahre gebraucht, so vollzog sich diese in Österreich in wenigen Wochen. In welcher Stimmung das erfolgte charakterisierte der Schriftsteller Carl Zuckmayer treffend beschrieben: „Die Unterwelt hatte ihre Pforten aufgetan und ihre niedrigsten, scheußlichsten, unreinsten Geister losgelassen … Was hier entfesselt wurde, war der Aufstand des Neids, der Missgunst, der Verbitterung, der blinden böswilligen Rachsucht.“

Während sich Kardinal Innitzer „vorbehaltlos zum Werk des Führers“ bekannte und der führende Sozialdemokrat Karl Renner „freudig mit ja“ stimmte handelte die KPÖ ganz anders: Für sie und ihre Mitglieder gilt der Ausspruch des kommunistischen Schriftstellers Richard Zach „Sie sind den anderen Weg gegangen“. Die Kommunistinnen und Kommunisten standen schon im Widerstand gegen den grünen Faschismus und das galt dann umso mehr auch für das Nazi-Regime. Noch in der Nacht es „Anschlusses“ erfolgte der richtungsweisende Aufruf des ZK der KPÖ, gestützt auf die Analyse des Faschismus durch Dimitroff, aber auch auf Alfred Klahrs Studie über eine eigenständige österreichische Nation. Dass die KPÖ die größten Opfer im Kampf gegen das NS-Regime gebracht hat ist daher nicht zufällig.

Sowohl als Widerstand gegen den Faschismus als extreme Form des Kapitalismus bzw. Herrschaft der großen Konzerne als auch als Kampf für ein eigenständiges Österreich sahen die Nazis Anlass vor allem gegen alle kommunistischen Aktivitäten vorzugehen, auch wenn das nicht immer im eng parteipolitischen Sinne zu verstehen ist. Das von der Gestapo erstellte Verzeichnis der Kommunisten in Oberdonau vom 16. August 1938, in welchem 41 Personen erfasst waren, ist ein Ausdruck davon. Der Standardsatz dort lautete nämlich „Er ist heute noch fanatischer Kommunist, der steter polizeilicher Beobachtung bedarf.“

Über 2.000 Mitglieder der KPÖ sind im Kampf gegen das NS-Regime ums Leben gekommen, rund 160 davon in Oberösterreich, vor allen in den Schwerpunkten des Widerstandes in Linz, Steyr, Wels, im Salzkammergut und im Hausruck, aber auch im Inn- und Mühlviertel. Es sind viele Namen, für die ich stellvertretend zwei nennen möchte. Josef Teufl, ab 1933 Landesobmann, 1944 verhaftet und kurz vor Kriegsende 1945 so wie 41 weitere Widerstandskämpfern im KZ Mauthausen ermordet, weil laut einem Befehl des Nazi-Gauleiters Eigruber die Alliierten keine „aufbauwilligen Kräfte“ im befreiten Österreich vorfinden sollten. Genannt sei an dieser Stelle auch die Kommunistin Gisela Tschofenig-Taurer, die ebenfalls kurz vor dem Ende der Schreckensherrschaft der Nazis hier im Arbeitslager Schörgenhub ermordet wurde.

Man kann uns Kommunist_innen in der heuer hundertjährigen Geschichte der KPÖ vieles vorwerfen und wir tun so wie andere Parteien auch sicher gut daran, selbstkritisch mit unserer Geschichte umzugehen und manches zu hinterfragen. Aber sicher nicht brauchen wir uns vorwerfen zu lassen, gegen den Faschismus gekämpft zu haben. Denn dieses Kapitel ist in der österreichischen Geschichte festgeschrieben.

Die KPÖ hat die Aufforderung der Alliierten in der „Moskauer Deklaration“ von 1943 ernst genommen, wo es heißt „Österreich wird aber auch daran erinnert, dass es für die Teilnahme am Kriege an der Seite Hitler-Deutschlands eine Verantwortung trägt, der es nicht entrinnen kann, und dass anlässlich der endgültigen Abrechnung Bedachtnahme darauf, wieviel es selbst zu seiner Befreiung beigetragen haben wird, unvermeidlich sein wird“. Und nicht zufällig war die KPÖ daher auch eine der drei Gründerparteien der 2. Republik.

Dass der Kampf gegen den Faschismus nicht jene Breite erhalten hat wie etwa in Italien, Frankreich, Jugoslawien oder Tschechien hat seine Ursache in der spezifischen Geschichte und im Verhältnis zu Deutschland. Das musste die KPÖ schmerzhaft bei der ersten Wahl nach der Befreiung im November 1945 erkennen und ebenso in den folgenden Jahren des „Kalten Krieges“, als anstelle des Antifaschismus zunehmend der Antikommunismus getreten ist.

Welche Schlussfolgerungen sind aus den Ereignissen vor 80 Jahren zu ziehen? Symptomatisch für den Umgang mit der Geschichte ist hierzulande die Verdrängung. Bejubelte 1938 die große Mehrheit durchaus freiwillig den „Anschluss“ um bald darauf in den folgenden Jahren zu erkennen, dass Hitlers Weg in den Untergang führte betrachteten sich nach der Befreiung 1945 die vormaligen Täter jahrzehntelang als Opfer. Erst mit einer Rede des damaligen Bundeskanzlers Franz Vranitzky im Jahre1991 erfolgte mit der Aussage „Es gibt eine Mitverantwortung für das Leid, das zwar nicht Österreich als Staat, wohl aber Bürger dieses Landes über andere Menschen und Völker gebracht haben“ ein Paradigmenwechsel und es wurde zunehmend auch die Mitverantwortung Österreichs an den Verbrechen des Faschismus thematisiert.

In der folgenden Rollenumkehr gab es allerdings zunehmend nur noch Täter und Opfer. Bezeichnend dafür ist etwa die Charakterisierung des Filmregisseurs Christian Frosch zum jetzt laufenden durchaus sehenswerten Film „Murer – Anatomie eines Prozesses“. Frosch meint dazu „Österreich besteht aus Tätern, Zusehern und Opfern.“ Dass es freilich auch einen bewussten Widerstand gegeben hat wird zunehmend unterschlagen, was einer gezielten Geschichtsfälschung gleichkommt, gegen die wir entschieden auftreten müssen.

In diesen Tagen gibt es viele mahnende Worte zu den Ereignissen im März 1938. Wenn Bundespräsident Alexander van der Bellen an künftige Generation gerichtet meint, das wichtigste sei „sich nicht verführen lassen“ ist das gut gemeint. Aber so garantiert wie der Präsident meint sind Menschenrechte und Rechtsstaatlichkeit im heutigen Österreich keineswegs, als dass dies eine Garantie gegen autoritäre und faschistische Tendenzen wäre.

Und auch die diversen Beschwörungen des „gemeinsamen Europa“ als Garant für Frieden, Wohlstand und Demokratie klingen angesichts besorgniserregender Entwicklungen in ganz Europa und darüber hinaus durch das Erstarken populistischer, rechtsextremer Parteien und dem Ruf nach einer autoritären Politik und nach „starken Männern“ ziemlich leer und hohl. Es gilt daran zu erinnern, dass die Nazis 1933 in Deutschland keineswegs durch die Überzeugung ihrer Ideen an die Macht gekommen sind, sondern durch das Versagen der anderen Parteien, aber auch weil die entsprechende Hegemonie in den Köpfen das ermöglichte.

Wenn also heute von der etablierten Politik und den ihr zuarbeitenden Medien alarmistisch vor populistischen und rechtsextremen Tendenzen gewarnt wird, aber die Grundlage, warum diese so breit Fuß fassen können ausgeklammert wird gilt es klar zu sagen: Es ist die Politik des neoliberalen Extremismus, die massenhaft jene soziale Verunsicherung erzeugt, auf welcher nicht nur die Versatzstücke einer unbewältigten Vergangenheit an die Oberfläche gespült werden, sondern auch die Bereitschaft vorhanden ist, jenen neuen „Führern“ zuzujubeln, welche den Unmut auf neue Feindbilder lenken, um von den kapitalistischen Verhältnissen abzulenken.

Wenn wir hier und heute den antifaschistischen Widerstand im Allgemeinen und den kommunistischen Widerstand im Besonderen ehren tun wir das in der Erkenntnis, dass es die Menschen die sich unter Einsatz ihres Lebens bewusst gegen das NS-Regime gestellt haben nicht verdient haben vergessen zu werden und dass wir die entsprechenden Schlussfolgerungen aus den Ereignissen die dem März 1938 folgten ziehen. Ehre ihrem Andenken! Nie wieder Faschismus! Nie wieder Krieg!


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