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Podgorscheks „Germania“ würdigte SS-Massenmörder

  • Donnerstag, 1. Februar 2018 @ 11:20
Antifa In Oberösterreich ist die FPÖ besonders ewiggestrig. Sie sorgt immer wieder für einschlägige Skandale 1. Ein Fall erinnert stark an jenen des niederösterreichischen FPÖ-Spitzenkandidaten Udo Landbauer: Auch Elmar Podgorschek, seit Herbst 2015 freiheitlicher Sicherheitslandesrat, gehört (seit 1972) einer Burschenschaft „Germania“ an. Allerdings jener, die in Ried im Innkreis zuhause ist.

Der SS-Massenmörder Friedrich Kranebitter (1903 – 1957) war ebenfalls Mitglied der „Germania zu Ried“ und wurde von ihr noch im Jahr 2000 in einer Festschrift gewürdigt 2. 2006 nahm Podgorschek gemeinsam mit dem heute inhaftierten Neonazi-Führer Gottfried Küssel an einer deutschnationalen Veranstaltung in Braunau teil 3. 2009 dankte der FPÖ-Politiker der rechtsextremen Zeitschrift „Aula“, die u.a. mehrfach KZ-Überlebende als Kriminelle beschimpft hat, für ihre „Gesinnungstreue“ 4.

Im September 2016 fiel der blaue Landesrat auf, weil er im Netz Schreckensszenarien verbreitete und die Fremdenangst durch Warnungen vor „Bürgerkriegen“ schürte 5. Kürzlich schaltete Podgorschek ein halbseitiges Inserat im Magazin „Info-Direkt“ – samt Landeswappen 6. Das „Dokumentationsarchiv des österreichischen Widerstandes“ stuft „Info-Direkt“ als „rechtsextrem“ ein und sieht „neonazistische Hintergründe“ 7. Der Kongress „Verteidiger Europas“, der im Herbst 2016 internationale Proteste hervorrief und dessen Neuauflage am 3. März im Schloss Aistersheim nahe Grieskirchen stattfinden soll, wird von „Info-Direkt“ mitorganisiert 8.

„Das ist einfach unglaublich“, sagt Willi Mernyi, der Vorsitzende des Mauthausen Komitees Österreich (MKÖ). „Oberösterreichs schwarz-blaue Landesregierung behauptet, dass gespart werden muss, und kürzt deshalb bei Sozialem, Bildung und Kultur. Gleichzeitig sponsert FPÖ-Landesrat Podgorschek mit Steuergeld ein Hetzblatt, das rassistische Verschwörungstheorien und übelsten Antisemitismus verbreitet.“

Auch die beiden blauen Landesregierungskollegen von Podgorschek sind Mitglieder einer deutschnationalen Verbindung: Günther Steinkellner, seit Herbst 2015 oö. Verkehrslandesrat, gehört dem „Corps Alemannia Wien zu Linz“ an. Einst war auch SA-Sturmführer und NSDAP-Idol Horst Wessel (1907 – 1930) beim „Corps Alemannia“ aktiv. Vom Burschenschafterblatt „Zur Zeit“ wurde Steinkellner wegen dieses Verbindungsbruders ausdrücklich gelobt 9.

Manfred Haimbuchner, FPÖ-Landesobmann und Landeshauptmannstellvertreter in der schwarz-blauen Koalition, ist wie Steinkellner Mitglied im „Corps Alemannia“. Außerdem ist er Mitglied im rechtsextremen „Witikobund“ 10. Als seinen Lieblingsschriftsteller nennt Haimbuchner den Rechtsterroristen Ernst von Salomon (1902 – 1972) 11. Im November 2016 hat er den SS-Brigadeführer Anton Reinthaller (1895 – 1958), der nach 1945 als Hochverräter zu einer mehrjährigen Haftstrafe verurteilt wurde und dann erster Bundesobmann der FPÖ war, in einer Festrede geehrt 12.

„Die FPÖ wurde als Partei der Ewiggestrigen gegründet und ist es bis heute geblieben“, stellt Mernyi fest. „Es wäre lächerlich, von Strache oder Haimbuchner irgendwelche Konsequenzen zu verlangen. Denn trotz aller ihrer Beteuerungen stecken sie selbst bis zum Hals im braunen Sumpf. Verantwortlich für Konsequenzen ist vielmehr die ÖVP als Koalitionspartner der FPÖ.“

Das Mauthausen Komitee, das die Überlebenden des NS-Konzentrationslagers Mauthausen vertritt, und das OÖ. Netzwerk gegen Rassismus und Rechtsextremismus, dem 82 Organisationen angehören, fordern von Landeshauptmann Thomas Stelzer und Bundeskanzler Sebastian Kurz, auf den Fall Podgorschek und die zahlreichen anderen rechtsextremen Umtriebe der FPÖ mit unmissverständlichen Maßnahmen zu reagieren. „Wer einer Burschenschaft angehört, die einen SS-Massenmörder würdigt, und mit Steuergeld ein Hetzblatt unterstützt, hat in keiner Regierung und in keinem öffentlichen Amt etwas verloren!“, betont der MKÖ-Vorsitzende.

Darüber hinaus appellieren das Mauthausen Komitee und das Netzwerk gegen Rassismus an Landeshauptmann Stelzer, an den Linzer Universitätsrektor Meinhard Lukas und an alle Repräsentanten des öffentlichen Lebens, den “Burschenbundball“ nicht mehr zu besuchen, sondern sich klar zu distanzieren. Der Ball soll am Samstagabend im Kaufmännischen Vereinshaus in Linz stattfinden. Eine Gegendemonstration beginnt um 16.30 Uhr auf dem Pfarrplatz.

Infos: www.mkoe.at

1 Siehe z.B. in der Broschüre „Lauter Einzelfälle?“ http://www.mkoe.at/broschuere-lauter-...htsextrfür emismus und z.B. für die Linzer FPÖ http://www.nachrichten.at/nachrichten...83,1109752

2 Kranebitter ist das einzige „Germania“-Mitglied aus den Jahren 1919 bis 1933, von dem die Festschrift ein fotografisches Einzelporträt zeigt. Der Schriftsteller Ludwig Laher geht in seinem dokumentarischen Roman „Bitter“, (2014), in dem er die Lebensgeschichte des SS-Massenmörders behandelt, auf diese Würdigung ein. Siehe https://de.wikipedia.org/wiki/Friedri...ranebitter

3 https://mobil.derstandard.at/13105122...-Potenzial

4 https://de.wikipedia.org/wiki/Elmar_Podgorschek

5 http://www.nachrichten.at/nachrichten...83,2354161

6 “Info-Direkt“, Ausgabe 18, Jänner 2018, Seite 22: siehe die erste und zweite angefügte JPG-Datei!

7 https://www.doew.at/erkennen/rechtsex...nfo-direkt

8 http://info-direkt.eu/2018/01/23/kong...stersheim/

9 „Zur Zeit“, Ausgabe 28/2004, Seite 27: siehe die dritte angefügte JPG-Datei!

10 http://derstandard.at/1297216173513/W...ter-Kritik

11 https://de.wikipedia.org/wiki/Ernst_von_Salomon und https://www.profil.at/oesterreich/les...er-7534469

12 http://www.nachrichten.at/oberoesterr...70,2411009


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