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Nicht irremachen lassen und keinesfalls zurückweichen

  • Dienstag, 31. Januar 2017 @ 11:06
Antifa Statement des deutschen Liedermachers Konstantin Wecker zur Unterstützung der Demonstration des Bündnisses „Linz gegen Rechts“ gegen den Burschenbundball 2017.

Liebes Bündnis gegen Rechts! Gut, dass Ihr wachsam seid und die Vernetzungen von Rechtsextremen und Konservativen für deren neoliberale Politik im Auge behaltet. Ein breites antifaschistisches Bündnis, das über viele Organisationsgrenzen hinweg den Unmut gegen Neofaschismus und Rechtsextremismus und die Neue Rechte verkörpert, unterstütze ich sehr gerne.

„Wer aufrecht geht, ist in jedem System nur historisch hoch angesehen.“ 1983 hatte ich der Widerstandsbewegung „Die Weiße Rose“ ein Lied gewidmet. Weniger im Bewusstsein ist der Zusatz in meiner Widmung: „…und all denen, die sich auch heute noch dem Faschismus entgegenstellen, ist dieses Lied zugeeignet.“ Allen Menschen, die sich im Kampf gegen Neofaschismus und Rechtsextremismus einsetzen, können sich davon sehr gern angesprochen fühlen. Ich bin mit Herz und Verstand bei ihnen. In einer Zeit, in der es offenbar verlegerisch nichts Dringenderes zu tun gibt, als Hitlers „Mein Kampf“ neu aufzulegen und in der der braune Mob das Straßenbild dominiert wie nie zuvor seit 1945, ist dieser Einsatz doppelt wichtig.

Man darf sich den Kampf gegen Nazis, Rassisten und Rechtspopulisten nicht zu einfach vorstellen, nur weil diese formal derzeit nicht an der Macht sind. Rechtsextreme üben Druck aus, greifen nach Macht und Einfluss auf allen Ebene: auf den Straßen, in den Kneipen, im Internet wie in der großen Politik. Wer, wie ich es öfter getan habe, in Dresden gegen Nazi-Aufmärsche demonstriert, kann mitunter erleben, wie die Polizei tapfer und entschlossen einschreitet – auf der Seite der Nazis, die den öffentlichen Raum ja rechtmäßig „gemietet“ haben.

Rechte regieren indirekt schon jetzt überall mit, wo die etablierte Politik ihnen aus taktischen Gründen ein Stück entgegenkommt: um ihnen „den Wind aus den Segeln zu nehmen“, ihnen „keine Steilvorlage zu geben“ oder sie „aus den Parlamenten draußen zu halten“. Wer aber mit Nazis in puncto Unmenschlichkeit Kompromisse schließt, hat schon ein Stück seiner selbst und jener Kultur preisgegeben, die in der Nachkriegszeit nicht umsonst sehr hellhörig gegenüber allem gewesen ist, was nach Rassismus und Fremdenfeindlichkeit riecht

Wer sich gegen Nazis klar in Stellung bringt, kann in Auseinandersetzungen verlieren; wer ihnen gegenüber jedoch von vornherein Boden preisgibt, indem er z.B. immer härtere Maßnahmen gegen Flüchtlinge fordert, anstatt diesen ohnehin geschundenen Menschen großherzig zu helfen, der hat schon verloren.

Seit die Grünen in Deutschland im Bund relativ erfolgreich waren, hielten es alle anderen Parteien für angebracht, ebenfalls „ein bisschen grün“ zu werden, um den Erfolg der Ökopartei einzudämmen. Soll unsere Zukunft nun so aussehen, dass alle ein bisschen braun werden – vermeintlich im Kampf gegen Braun? In Frankreich, wo Marine Le Pen ihre fremdenfeindliche Partei bei Regionalwahlen bereits auf Platz 1 in der Wählergunst geführt hat, kann man diese Entwicklung bereits beobachten.

Mir graut vor einem Deutschland und auch vor einem Österreich, in dem sich Terrorfurcht, Flüchtlingszustrom und die zunehmende Enttabuisierung rechter Diskurse zu einem explosiven Gemisch hochschaukeln. In dem man ein mörderisches Weltwirtschaftssystem unterstützt, das das Leben für die Menschen im Süden unerträglich macht, um dann entrüstet festzustellen, dass diese Menschen irgendwann aus purer Verzweiflung zu uns kommen.

Man kann Angst bekommen, ja, aber darf sich von dieser Angst auch nicht lähmen lassen, darf nicht nachlassen, den neuen Rechtspopulisten immer wieder ein klares „Nein“ entgegenzuschreien: auf Straßen und Plätzen, im Internet, in Büchern, Gedichten und Liedern. Auch im Freundes- und Familienkreis, wo sich der derzeitige „Rechtsruck“ oft am schmerzlichsten bemerkbar macht, weil scheinbar Verlässliches auf einmal zu bröckeln beginnt.

Verständnis für die soziale Situation des nach rechts Abgedrifteten, für die psychopathologische Entstehungsgeschichte seiner Fremdenangst dürften wir durchaus aufbringen. Auch Rechte sind ja teilweise gewiss Opfer eines diskriminierenden Wirtschaftssystems. Das behandelt sozial schlechter gestellte Deutsche seit Jahren so mies, dass die dümmeren von ihnen schon mal ihren aufgestauten Hass – statt gegen die Täter – gegen Opfer anderer Hautfarbe richten.

Wir sollten uns diesen verblendeten Rechtsauslegern weder in unseren Ausdrucksmitteln noch in der Intensität unseres Hasses annähern. Und psychologisches Verstehen darf nie so weit führen, dass wir uns mit den Gemeingefährlichen gemein machen. Wir dürfen uns nicht irremachen lassen und keinesfalls zurückweichen, auch wenn – wie ich es in meinem Lied „Willy“ ausgedrückt habe – „die ganze Welt den Arsch offen hat“. In diesem Sinne: Sagt nein!

Mit solidarischen Grüßen,
Konstantin Wecker

Infos: www.linz-gegen-rechts.at




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