Zahlreiche Frauen waren von 1943 bis 1945 am Bestehen der Widerstandsgruppe „Willy-Fred“ beteiligt, deren Kern Josef Plieseis, Alois Straubinger und Karl Gitzoller bildeten. Die Gruppe hielt sich ab April 1944 zwischen Bad Ischl und Bad Aussee versteckt. Die Frauen organisierten Zusammenkünfte, beschafften Verstecke, übermittelten Nachrichten und versorgten die Gruppe mit Lebensmitteln, wozu Geldsammlungen und Tauschhandel erforderlich waren.

Maria Plieseis, die spätere Ehefrau von Josef Plieseis, erinnerte sich: „Meine Aufgabe war, zu den einzelnen Depots die Lebensmittel hinzubringen und vorerst diese von den Spendern abzuholen. Eines der Depots war in der Rettenbachalm, in einer abseits gelegenen Almhütte. Die Wände waren schon zusammengebrochen, nur das Dach war noch in Ordnung, das über den Trümmern lag. Dort hin musste ich die Lebensmittel, Rauchwaren, Sanitätsmaterial oder andere Dinge hinterlegen. Dies besorgte ich mit meinem Fahrrad.“

Zur Vorsicht nahm sie dabei auch öfter ihren kleinen Sohn mit, um den Lebensmitteltransport als Ausflug zu tarnen. Die bisweilen über 30 Männer, die sich im Gebirge versteckten, versorgten sich durch „Wilderei“ mit Fleisch, wobei das Wild von den Frauen gegen Zucker, Mehl oder Brot eingetauscht wurde. Zum Teil wurden die Lebensmittel im Tal bei verschiedenen Familien deponiert, zum Beispiel bei Cäcilia Langeder in Bad Goisern oder bei Marianne Feldhammer in Bad Aussee.

Maria Plieseis wurde als einzige Tochter der Familie Wagner am 15. August 1920 in Wolfsegg geboren. Nach dem frühzeitigen Tod des Vaters als Folge einer Kriegsverletzung verheiratete sich die Mutter und die um drei Kinder des Ehemanns aus erster Ehe vergrößerte Familie übersiedelte nach Ried im Innkreis, nach einer Versetzung des Vaters dann nach Bad Ischl.

Nach dem Besuch der Hauptschule absolvierte Maria Wagner eine zweijährige Fachschule für Weißnähen und Kleidermachen und war 1938 Schwesternschülerin für Säuglingspflege im Riesenhof in Linz. Sie war nach verschiedenen Beschäftigungen als Schwester im Liebeswerk Linz und Steyr anschließend als Erzieherin im Heim für schwererziehbare Kinder in Gleink tätig, wo sie ihren späteren Ehemann, den Lehrer Walter Ganhör kennenlernte, den sie 1941 heiratete. Ganhör fiel am 21. Oktober 1941 als Wehrmachtssoldat. Am 3. August 1941 wurde ihr Sohn Peter Ganhör geboren.

In Bad Ischl kam Maria Ganhör dann in Kontakt mit der antifaschistischen Widerstandsbewegung. Sie unterstützte ab Herbst 1943 den aus dem KZ-Außenlager in Hallein geflohenen Sepp Plieseis – den sie 1956 heiratete – der in der Wohnung ihrer Mutter Maria Huemer untergebracht war und wurde dabei vor allem für Kurierdienste eingesetzt.

Im Jahre 1947 war Maria Plieseis eine der Angeklagten im „Milchprozeß“, konnte sich der US-Militärgerichtsbarkeit jedoch durch Flucht in die sowjetische Besatzungszone entziehen. Von 1961 bis 1970 war sie dann als Schneiderin in der Kleiderfabrik Frey tätig und dort bis Juni 1969 auch Betriebsratsobfrau. Ab Jänner 1970 bis zu ihrer Pensionierung arbeitete sie im KPÖ-Bezirkssekretariat Gmunden.

Maria Plieseis war seit 1942 Mitglied der KPÖ und war für die Partei, den BDF und den KZ-Verband – dessen Landesvorstand sie bis 2002 angehörte – in zahlreichen Funktionen tätig. Sie starb nach längerem schweren Leiden am 9. Jänner 2004.