Elisabeth Fürschuß, geboren am 2. November 1882, wohnhaft in Steyr, Adolf Hitler-Platz 45 (heute Grünmarkt 3). Bereits nach dem Februarkampf 1934 wurde sie Mitglied der verbotenen Kommunistischen Partei und betätigte sich in der Folge illegal. 1940 nahmen sie und ihr Gatte den durch eine Kinderverschickungsaktion von Berlin nach Steyr gekommenen Heinz Neitzel, geboren 1933 in Berlin auf und blieb bis zu ihrem Tode seine Ziehmutter.

In der Widerstandsbewegung war sie eingesetzt bei der Beschaffung von Quartieren und für Übermittlung von Informationen; weiters beschaffte und transportierte sie Lebensmittel für versteckte WiderstandskämpferInnen. Elisabeth Fürschuß war es, damals im Alter von 62 Jahren, die Kontakt zu dem im Steyrtal-Pernzell versteckten, auf der Flucht befindlichen, zum Tode verurteilten Widerstandskämpfer Josef Bloderer herstellte.

Ende November 1944 gelang Josef Bloderer zusammen mit Franz Draber und Karl Punzer die Flucht aus der Todeszelle im Zuchthaus Stadlheim. Karl Punzer wurde gefangen und am 5. Dezember 1944 enthauptet. Franz Draber gelangte nach tagelangem Fußmarsch nach Bad Hall und wurde vom Müllerehepaar Jetzinger in der Furtmühle versteckt und überlebte.

Nach abenteuerlichem, tagelangen Fußmarsch kam Josef Bloderer am 8. Dezember bis Leonstein-Pernzell, wo er von einem Bekannten für eine kurze Zeit aufgenommen wurde. Durch den Eisenbahnpensionisten Hans Podlipnik wurde die Verbindung nach Steyr, über Elisabeth Fürschuß zur Widerstandsbewegung der Partei hergestellt.

Elisabeth Fürschuß besorgte Nahrungsmittel, Lebensmittelmarken und sammelte Geld, die Parteileitung gefälschte Ausweispapiere aus denen hervorging, Josef Bloderer sei kriegsbeschädigt und U.K. gestellt, einen Wehrpass und eine Pistole 08.

In Begleitung ihres Ziehsohnes Heinz machte sich Elisabeth Fürschuß auf den Weg ins Steyrtal nach Leonstein-Perzell und überbrachte sie Josef Bloderer. Sie blieb weiterhin die Kontaktperson bis die Steyrer Widerstandsbewegung ein anderes Versteck organisierte. Da es auf die Dauer in Pernzell zu gefährlich geworden wäre, wurde Josef Bloderer zu einem Bauern in einem abgelegenen Graben gebracht, wo er bis Neujahr 1945 auf dem Heuboden, von Bauer Steiner versorgt wurde.

Anfang Jänner 1945 wechselte Bloderer seinen Unterschlupf. Maria Wiesenberger, Trafikantin in Kleinreifling versteckte den zum Tode verurteilten und von der Nazi-Gestapo gesuchten Widerstandskämpfer in ihrem Haus genau gegenüber dem Gebäude der Gendarmerie bis Ende April 1945. Vier Monate wurde er von ihr und ihrem blinden Mann Franz betreut sowie mit Lebensmittel versorgt.

Otto Treml