Zu einer enormen Misere für viele Gemeinden und Häuslbauer drohen sich die seit den 1990er Jahren umfangreich aufgenommenen Fremdwährungskredite in Schweizer Franken zu entwickeln, stellt KPÖ-Kommunalsprecher Leo Furtlehner mit Besorgnis fest. Nach einem Tiefststand von 1,04 Franken pro Euro im August 2011 wurde die Schweizer Währung bei 1,20 dirigistisch stabilisiert und dürfte sich längerfristig bei diesem Wert einpendeln. Da Fremdwährungskredite aber endfällig bei einem Kurs zwischen 1,90 (1993) und 1,45 (2001) aufgenommen wurden und ein Kurs unter 1,45 CHF pro Euro von den Banken und Finanzberatern als ausgeschlossen galt klafft eine gewaltige Lücke zwischen Kreditaufnahme und Endfälligkeit.

Demzufolge ist bei einem 2000 bei einem Kurs von 1,60 aufgenommenen Kredit von 200.000 Euro eine Rückzahlung von 259.000 erforderlich, die sich auch unter Einrechnung einer Zinsersparnis von 32.000 Euro nur auf 227.000 Euro verringert. Erst bei dem derzeit wenig wahrscheinlichen Kurs von 1,38 wäre zumindest ein Abschluss mit Null möglich. Auch die Zinsersparnis bei einem CHF-Kredit wird immer geringer, nachdem infolge der Zinssenkungen der EZB die Differenz zwischen EURIBOR für Euro und LIBOR für Franken nur mehr marginal ist.

Im Ergebnis der verfehlten Finanzpolitik hat etwa die Stadt Wien für die im großen Stil aufgenommenen Fremdwährungskredite mittlerweile einen Buchverlust von rund 300 Millionen Euro zu verzeichnen. Auch die Stadt Linz hat die 1992 aufgenommene Fremdwährungsanleihe von 195 Mio. Franken 2005 verlängert, die 2017 fällig wird und sich durch die Kursentwicklung von 135 auf 188 Mio. Euro verteuert hat. Zur Absicherung der Zinszahlung ließ sich die Stadt ein Swap-Geschäft als Wette auf den Franken-Kurs aufs Auge drücken, aus welchem Titel die BAWAG von der Stadt 418 Mio. Euro fordert.

„In aller Deutlichkeit zeigt sich jetzt, dass spekulative Finanzgeschäfte und dazu gehören auch die jahrelang als Nonplusultra angepriesenen Fremdwährungskredite zum Damoklesschwert für die Gemeinden werden“, stellt Furtlehner fest.

Es wird geschätzt, dass österreichische KreditnehmerInnen insgesamt bereits Verluste von mehr als zehn Milliarden Euro zu verzeichnen haben. Damit haben auch die involvierten Banken zu kämpfen, die für aushaftende Franken-Darlehen infolge des Euro-Abfalls viel Kapital hinterlegen müssen und die daher bestrebt sind solche Darlehen in Euro-Kredite umzuschichten.

Am Höhepunkt im Jahre 2008 waren in Österreich von 121,5 Mrd. Euro aushaftender Privatkrediten 37,8 Mrd. Euro in Fremdwährungen. 2009 lag der Fremdwährungskreditanteil bei Haushalten bei 30 Prozent, bei Nichtbanken bei 17 Prozent und bei Unternehmen bei acht Prozent.