Die Strategie der ÖVP im Linzer Gemeinderat ist recht simpel: Da wird mit einer Flut von Anträgen alles Mögliche (und Unmögliche) gefordert, um als Folgewirkung über die prekäre Finanzlage zu jammern und zur Aufforderung, wo denn nun nach Meinung der schwarzen Budgetsanierer zu sparen sei, vornehm zu schweigen.

Den Vogel abgeschossen hat die sich offenbar in Faschingslaune befindendende Watzl-Partei nun mit einem Antrag die Landeshauptstadt auf „Linz an der Donau“ umzubenennen und ließ zu diesem Thema vor der Sitzung vom 26. Jänner 2012 entsprechende mediale Feuerwerke steigen. Dass eine solche Umbenennung mit enormen Kosten, angefangen von Ortstafeln über Bundes- und Landesgesetze, amtliche Schriftstücke, Aufschriften auf öffentlichen Einrichtungen usw. verbunden wäre, ließ man vorsichtshalber unterbelichtet.

Wie zu erwarten scheiterte der Antrag, nur der jetzt „wilde“ BZÖ-Gemeinderat Reinhard Reiman schloss sich der schwarzen Auffassung an. SPÖ-Vizebürgermeister Klaus Luger kritisierte die ÖVP als „provinziell und von einem geringen Selbstbewusstsein“ geprägt. FP-Klubchef Sebastian Ortner bezeichnete den Antrag als „spannendes Thema“, meinte aber man dürfe die Identität von Linz nicht auf ein einziges Merkmal reduzieren.

Grün-Gemeinderat Severin Mayr betonte, dass die Stadt kein Produkt ist, das man nach Belieben umbenennt. KPÖ-Gemeinderätin Gerlinde Grünn meinte, dass die ÖVP „offenbar an einer Donaumanie leidet“ und wies auch darauf hin, dass die Bezeichnung „Linz an der Donau“ nach dem Anschluss 1938 vom NS-Regime erfunden wurde, um Linz im „Großdeutschen Reich“ von Linz am Rhein zu unterscheiden.

Als Glanzleistung muss der Verweis von ÖVP-Klubchef Klaus Fürlinger auf die Markenstrategie von Red Bull interpretiert werden, der Vergleich der Landeshauptstadt mit einer Dose zeigt die Geisteswelt der ÖVP. Und wenn die Donau im Masterplan der ÖVP angeblich höchste Priorität hat muss man sich zudem fragen, ob als nächstes eine schwarze Offensive für die Umbenennung von Oberösterreich in Oberdonau kommt.

Was Provinzialismus betrifft erinnert man sich bei solchen Debatten unweigerlich an Eduard von Bauernfelds Äußerung „Mit Zyankali hat´s keine Eile, Man kann auch sterben vor langer Weile. Wie in der Provinz. Zum Beispiel in Linz“. Oder an Helmut Qualtingers lapidares „In Linz müsste man sein“. Nicht zu vergessen die vielfach zu hörende liebevolle und selbstironische Standortbestimmung „Linz an der Tramway“, die LinzerInnen nehmen Initiativen wie die einer Namensänderung á la ÖVP schließlich mit Gelassenheit und gehen zur Tagesordnung über.