Ein gutes halbes Jahrzehnt lang bis Mitte der 80er Jahre griff die Friedensbewegung in Oberösterreich spürbar in die politische Auseinandersetzung mit ein und hinterließ bis heute ihre Spuren. So deklarierten sich als Ergebnis der Friedensbewegung mehrere Friedensgemeinden. Am Anfang stand 1979 die Gründung des „Linzer Komitees für Frieden und Abrüstung“ mit einer Veranstaltung anlässlich der SALT-II-Unterzeichnung in Wien. Im Herbst 1979 griff das Komitee die Stationierung neuer Mittelstreckenraketen auf.

Parallel dazu bildete sich eine Initiative von Katholiken, Gewerkschaftern und Sozialdemokraten, die im Herbst 1980 die Oberösterreichische Friedensbewegung (OÖFB) gründete. Ein Anlass dafür war hausgemacht: Gegen geplante Panzerlieferungen in das faschistische Chile regte sich im Sommer 1980 massiver Protest.

Im Juni 1981 fand dann die erste oö Friedenskonferenz statt. Als Schwerpunkt wurde der Kampf gegen die atomare Bedrohung fixiert, eine Sprechergruppe mit Vertretern von fünf weltanschaulichen Zugängen (Sozialdemokraten, Gewerkschafter, Katholiken, Unabhängige, Kommunisten) wurde gewählt.

Ein Friedensmarsch mit über 4.000 Teilnehmern im November 1981 war ein Höhepunkt der Aktivitäten, 16.000 Menschen beteiligten sich im Februar 1982 an einer Friedenswallfahrt der Kirche. Die OÖFB war dann federführend beim Zustandekommen des Friedensmarsches am 15. Mai 1982 in Wien. 70.000 Menschen nahmen teil, davon 10.000 aus Oberösterreich.

Im Vorfeld dieses Friedensmarsches hatten sich in zahlreichen Gemeinden örtliche Friedenskomitees gebildet, so etwa in Vöcklabruck, Braunau, Wels, Steyr und Gmunden. Im Mai 1982 erschien die erste Nummer des „Informationsblattes“ der OÖFB.

Eine oö Friedenskonferenz im Oktober 1982 gab den Impuls für den „Linzer Appell“ gegen die NATO-Raketenstationierung, der von der ersten gesamtösterreichischen Friedenskonferenz in Linz im Dezember 1982 beschlossen wurde. Bis Ende 1983 unterzeichneten österreichweit 125.000 Menschen den „Linzer Appell“.

Der eigentliche Höhepunkt der Friedensbewegung war der Friedensmarsch am 22. Oktober 1983 in Wien mit 100.000 Teilnehmern. Das Ziel, die NATO-Raketenstationierung zu verhindern, konnte aber nicht erreicht werden.

Die Aktivitäten verlagerten sich zum Großteil auf die kommunale Ebene, sodaß in der Folge auch Gemeinden, Parteien, Kirche und Verbände die Friedensthematik im weitesten Sinne aufgriffen.

In der Folge richtete die Friedensbewegung ihren Kampf gegen den Ankauf von Abfangjägern für das Bundesheer und schließlich für die Abschaffung des Bundesheeres.

Mit einer Friedenskonferenz im Juni 1986 in Linz versuchte die OÖFB neue Themen, wie Hochrüstung, Entwicklungspolitik und Ökologie aufzugreifen.

Leo Furtlehner