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Ein geistiger Vorläufer des NS-Regimes

  • Dienstag, 29. November 2011 @ 19:48
Linz Wenn es um die Wurst geht, ist sogar der Österreichische Turnerbund (ÖTB) durchaus flexibel. Überraschend war daher, dass vom Linzer Gemeinderat am 24. November 2011 ein Antrag der SPÖ, die Zusatztafel beim Jahn-Denkmal im Volksgarten zu entfernen, einstimmig beschlossen wurde.

Die FPÖ-Gemeinderätin Ute Klitsch berichtete dazu, dass der ÖTB mit einer Entfernung und Rückgabe dieser Tafel einverstanden ist. Offenbar will man im Turnerbund auf Grund seit Jahren anhaltender Kritik am gestörten Umgang mit der NS-Vergangenheit und Verfilzung mit rechtsextremen Kreisen durch diese Zustimmung einer Auseinandersetzung aus dem Wege gehen. Ist man doch seit dem Urteil des Landesgerichts Wien im Jahre 1980, wonach die damalige Schreibweise der „Bundesturnzeitung“ als neofaschistisch bezeichnet werden konnte, penibel bemüht ein sauberes Image zu pflegen.

Der Turnerbund argumentiert in seiner Selbstdarstellung gelegentlich auch damit, dass er 1938 aufgelöst und in die NS-Organisation eingegliedert wurde und versucht damit politisch recht verwegen die Turner sogar als eine Art Widerstandskämpfer darzustellen. Dass auf der Zusatztafel wie jetzt vom Stadtarchiv festgestellt wurde von den darauf angeführten 55 Namen der in den beiden Weltkriegen gefallener „Turnbrüder“ nicht weniger als 29 Mitglieder der NSDAP, SS oder SA waren, teilweise schon illegal vor 1938, beweist allerdings, dass sich die Turner als stramme Nationalsozialisten verstanden haben.

Welches Volk, welche Heimat?

„Für Volk und Heimat“ starben laut Zusatztafel die dort angeführten Turnbrüder. Welches Volk? Das österreichische existierte bekanntlich zwischen 1938 und 1945 bekanntlich nicht, Aktivitäten zur „Lostrennung der Donau- und Alpengaue vom Großdeutschen Reich“ waren ein sicheres Todesurteil. Und welche Heimat wurde in Russland, Frankreich oder am Balkan verteidigt? Derartige Huldigungen, die sich bekanntlich auch auf vielen Kriegerdenkmälern finden, sind mehr als fragwürdig, war doch der Weltkrieg ein vom Nazi-Regime vom Zaun gebrochener Raub-, Eroberungs- und Vernichtungskrieg.

Die sarkastische Anmerkung der FP-Mandatarin Klitsch, dass diese vom Turnerbund zur Verfügung gestellte Zusatztafel 1960 unter SPÖ-Bürgermeister Ernst Koref angebracht wurde, zeigt allerdings Altlasten der SPÖ. Ähnlich wie bei der 1973 unter Bgm. Franz Hillinger vom Stadtsenat erfolgten Benennung der Langothstraße – die erst 1986 vor allem auf Grund der jahrelangen Kritik der KPÖ umbenannt wurde – pflegte die Bürgermeisterpartei auch beim Jahn-Denkmal einen recht fahrlässigen Umgang mit der braunen Vergangenheit.

So flexibel sich der Turnerbund und seine politische Lobby bei FPÖ und ÖVP in der Causa Zusatztafel zeigte, so stur stehen diese zum Jahn-Denkmal selbst. So wandte sich der vom Aktivisten der neonazistischen VAPO in den 1990 Jahren zum FPÖ-Klubchef mutierte FP-Mandatar Ortner vehement gegen eine Entfernung. Und auch ÖVP-Vizebürgermeister Erich Watzl legte ein demonstratives Bekenntnis der ÖVP zum Jahn-Denkmal ab. Die Anwesenheit einer größeren Gruppe von TurnerbündlerInnen auf der Galerie und deren Erregung während der Debatte über den Antrag der Grünen zeugte davon, dass man im ÖTB der Verehrung des „Turnvaters“ nach wie vor nicht abgeschworen hat und sie ihr Idol um jeden Preis verteidigen wollen.

Schützenhilfe von der SPÖ

Die Schlüsselrolle in der Causa spielte aber einmal mehr die SPÖ, die durch ihre Stimmenthaltung den Antrag zu Fall brachte, ähnlich wie sie schon mehrere ähnliche Anträge der Grünen und zuletzt im April 2011 einen Antrag der KPÖ zu Fall gebracht hatte. Die Argumentation von SP-Fraktionschef Klaus Luger ist dabei recht simpel: Er reduziert die Auseinandersetzung auf die NS-Periode, wofür es verfassungsmäßige Handhaben gibt. Fein säuberlich versucht er die geistigen Vorläufer des Nazi-Regimes wie Friedrich Ludwig Jahn oder auch Franz Stelzhamer – beide durch wüsten Antisemitismus und Fremdenfeindlichkeit weit über das auch im 19. Jahrhundert übliche Maß hinaus bekannt – davon abzutrennen.

Der Schriftsteller Heinrich Heine hat aber schon 1823 zu den von Jahn inspirierten und von den deutschnationalen Burschenschaften in die Tat umgesetzten ersten Bücherverbrennungen geschrieben: „Das war ein Vorspiel nur – dort, wo man Bücher verbrennt, verbrennt man am Ende auch Menschen.“ Es ist bemerkenswert, wie visionär Heine schon rund 120 Jahre zuvor die Bestialität des NS-Regimes und die Massenvernichtung in den Konzentrationslagern und Gaskammern vorhergesehen hat.

Aber für Lugers SPÖ steht Jahn nur in der Tradition der napoleonischen Kriege und er will ihn nicht als Vorläufer der Nazis sehen. Daher sieht er auch keine Notwendigkeit, den von KPÖ-Gemeinderätin Gerlinde Grünn vorgeschlagenen kritischen Umgang mit „braunen Flecken“, etwa durch Anbringen von Zusatztafeln oder in Verbindung mit Kulturprojekten auf diese Aspekte aufmerksam machen, zu realisieren.

Die Aufarbeitung der NS-Geschichte in Linz in allen Ehren, dabei ist zweifellos in den letzten 20 Jahren viel geschehen. Wenn es aber um so simple Themen wie ein Jahn-Denkmal geht, bleibt die Landeshauptstadt deutlich hinter anderen Städten zurück. So wurde etwa in Wels beim Jahn-Denkmal bei der ÖTB-Turnhalle eine Zusatztafel angebracht, in Graz brachten erst im Herbst Antifa-AktivistInnen auf eigene Initiative eine solche beim dortige Jahn-Denkmal an. Aber in Linz will man sich offenbar den Umgang mit den Rechten wohl nicht verderben.


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