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Drei Bücher von Karl Wiesinger neu aufgelegt

  • Mittwoch, 19. Oktober 2011 @ 10:17
Kultur Zum 20. Todestag des Linzer Literaten Karl Wiesinger hat der Wiener Promedia Verlag drei seiner wichtigsten Romane neu aufgelegt. Darin zeichnet er ein Bild eines anderen Österreichs, im Bürgerkrieg 1934 (Roman „Standrecht), beim Anschluss an Nazi-Deutschland („Achtunddreißig“) und während des Oktoberstreiks 1950 („Der rosarote Straßenterror“).

Zeitgeschichtliche Ereignisse, die, bis auf wenige Ausnahmen im vorherrschenden Literaturbetrieb kaum eine Rolle spielen. Wiesingers Empathie galt nicht nur in seinen Romanen jenen, die unter diesen Ereignissen litten und jenen, die Widerstand dagegen leisteten.

Literarisch und politisch galt er deswegen Zeit seines Lebens als Außenseiter, der doch eine Reihe von Nachkriegsschriftstellern wie etwa Peter Turrini oder Michael Scharang inspirierte.

Karl Wiesinger, geboren 1923 in Linz, Hilfsarbeiter, Zahntechniker, Dentist, freischaffender Schriftsteller. So beschrieb Wiesinger selber seine berufliche Laufbahn. Sabotageakte gegen die deutsche Wehrmacht im Zweiten Weltkrieg und aktiv im kommunistischen Widerstand gegen das Nazi-Regime könnte man noch hinzufügen.

Wiesinger schrieb Romane, Stücke, Hörspiele, Kurzgeschichten, Drehbücher, aber auch Kritiken und Essayistisches. Seine literarische Laufbahn war gekennzeichnet durch eine ungeheuerliche Produktivität und dem direkten und indirekten Boykott durch den vorherrschenden Literaturbetrieb, wie ihn zahlreiche linke, widerständige AutorInnen in der zweiten Republik erdulden mussten. Trotzdem wurde Wiesinger spätestens seit Ender der sechziger Jahre zu einer wichtigen Figur in der Linzer Kulturszene.

Den Höhepunkt seiner literarischen Karriere erlebte Wiesinger, als de den Jungautoren und Agronomen Max Meatz erfand, dessen Erzählungen in diversen Anthologien, etwa im literarischen Jahrbuch der Stadt Linz, den „Facetten“ publiziert wurden und dessen Bauernroman „Weilling Land und Leute“ eine sensationelle Medienresonanz, bis ins deutsche Großfeuilleton etwa der „Frankfurter Allgemeinen“ erfuhr. Als die hiesigen Kulturredaktionen langsam ahnten, dass es sich bei Max Maetz um Wiesinger selber handelte, ließ dieser den Jungautor und Agronomen sterben. Dem Vernehmen nach soll sich sogar ein schwarz gekleideter Kulturredakteur zum Begräbnis, zu dem eine Parte lud, eingefunden haben. So wurde aus einer großartigen literarischen Neuentdeckung, ein literarischer Skandal, und der Zorn der Literaturpäpste richtete sich gegen Wiesinger, der ja zudem als Kommunist bekannt war. „Gewissenlosigkeit“ und „Geschmacklosigkeit“ wurden ihm von einem Blatt attestiert, „es glich nicht einem Skandal – es ist einer“ schimpfte eine andere Zeitung

Standrecht, Roman, ISBN 978-3-85371-334-1, französische Broschur, 208 Seiten, 19,90 Euro

Im Februar 1934 blies der österreichische Ständestaat unter der Führung von Bundeskanzler Engelbert Dollfuß zur Offensive gegen die letzten legalen Organisationen der Arbeiterbewegung. Knapp ein Jahr zuvor war das Parlament ausgeschaltet, kurz darauf die Kommunistische Partei und der Republikanische Schutzbund, die paramilitärische Organisation der Sozialdemokratischen Partei, verboten worden. Österreich steuerte auf eine Diktatur zu, als am 12. Februar 1934 die Polizei eine Hausdurchsuchung der Linzer Zentrale der Sozialdemokratischen Partei vornahm – und dabei auf bewaffneten Widerstand stieß. Der Bürgerkrieg nahm seinen Lauf.

Im Mittelpunkt von Karl Wiesingers Roman über die für Österreich so entscheidenden Ereignisse steht der arbeitslose Bierbrauer Martin Lechner. Bei einem Arbeiterfest im steirischen St. Lorenzen erlebt dieser die Brutalität der christlich-sozialen Heimwehr mit eigenen Augen, als diese unbewaffnete Festzugsteilnehmer kaltblütig erschießt.

Er schließt sich dem Republikanischen Schutzbund an und gerät so an die Front des Bürgerkriegs in den Wiener Gemeindebauten. Dabei bemerkt Martin, wie wankelmütig sich die sozialdemokratische Partei in diesen Tagen verhält. Während die Führung den Aufstand abblasen will, kämpfen die Genossen des Schutzbunds in den Arbeitersiedlungen weiter, obwohl sie kaum Aussicht auf Erfolg haben.

Karl Wiesinger zeichnet in einfachen, klaren Worten ein umfassendes Bild der damaligen politischen Verhältnisse in Österreich. Nicht nur Martin Lechner und seine Kampfgefährten kommen zu Wort, sondern auch die Führer der Sozialdemokratie, der berühmte Aufständische Koloman Wallisch, der Austrofaschist Engelbert Dollfuß und die herrschende Kaste sowie die aufstrebenden Nationalsozialisten. Wiesinger gewährt Einblick in die Sichtweise der Wiener Bevölkerung zur damaligen Zeit, die von Armut und Hunger ebenso betroffen ist wie von den drückenden politischen Verhältnissen.

Achtunddreißig, Roman, ISBN 978-3-85371-335-8, französische Broschur, 396 Seiten, 29,90 Euro

„Achtunddreißig“ gilt als das opus magnum des oberösterreichischen Schriftstellers Karl Wiesinger. Fast 500 Seiten hat das Manuskript, als es Wiesinger 1967 fertigstellt. Doch zu dieser Zeit findet er trotz seines weitreichenden Engagements in der Linzer Kulturszene keinen Verlag in Österreich für sein Werk. Wiesinger gilt zu jener Zeit als Kommunist und als jemand, der die Geschichte Österreichs, entgegen den offiziellen Darstellungen, „von unten“ schreibt.

Dem Aufbau-Verlag in der DDR war es zu verdanken, dass Wiesingers zeithistorisch-literarischer Beitrag dennoch publiziert wurde.

Das Buch „Achtunddreißig“, das im Original den Untertitel „Jänner – Februar – März“ trägt, ist ein Episodenroman, der aus verschiedensten Blickwinkeln das Verhalten der österreichischen Bevölkerung am Vorabend des Einmarschs deutscher Truppen wiedergibt. Als verbindendes Element zwischen den einzelnen Szenen dient das Tagebuch des jüdischen Schneiders Isaak Schneidewind aus Linz, der erst langsam zu verstehen beginnt, wie schnell sich die Lebensumstände in wenigen Monaten ändern können.

Seiner Zögerlichkeit steht jene Entschlossenheit gegenüber, mit denen die Nazis Österreich von innen und außen bedrohen. Wiesinger schildert ihren zunehmenden Terror und die Verhandlungen Hitlers mit Schuschnigg, die schließlich Österreichs Ende besiegeln sollten. Als Schneidewind erfasst hat, welche Gefahr ihm bevorsteht, ist es längst zu spät.

Der rosarote Straßenterror, Roman, ISBN 978-3-85371-336-5, französische Broschur, 192 Seiten, 19,90 Euro

In der offiziellen Geschichtsschreibung gilt der „Oktoberstreik“ von 1950 noch immer als „kommunistischer Putsch“. Dazu trug maßgeblich der damalige Vorsitzende der Gewerkschaft der Bau- und Holzarbeiter, Franz Olah, bei, der seine Schlägertrupps auf die streikenden Arbeiter losließ. Olah war, trotz seiner Verbindung zur CIA und späteren strafrechtlichen Verurteilung wegen illegaler Verwendung von Gewerkschaftsgeldern, für den politisch und medial herrschenden Mainstream die entscheidende Figur der Arbeiterbewegung: 1950 als Garant zur Eindämmung der „kommunistischen Gefahr“. und später als wichtiger Zeitzeuge.

Obwohl die Sowjetunion dem Streik abwartend gegenüberstand und die KPÖ von den Ereignissen überrollt wurde, hält sich hartnäckig jenes Geschichtsbild, nachdem die unzufriedenen Arbeiter von damals „im Auftrag der Kommunisten“ gehandelt hätten. Und so konnte auch das brutale Vorgehen der Gewerkschafter gegen ihre eigenen Kollegen im Nachhinein gerechtfertigt werden.

Als Karl Wiesingers Roman über den Oktoberstreik 24 Jahre nach den Ereignissen in einem westdeutschen Verlag erschien, ließ Olah die Auslieferung in Österreich gerichtlich stoppen. Wiesinger zeichnete ein völlig anderes Bild der Auseinandersetzung, einen Streik, der von unten in den Betrieben entstand und sich gegen die Auswirkungen des Lohn-Preis-Abkommens mit ihren Reallohnverlusten richtete. „Der rosarote Straßenterror“ setzt einer kämpferischen Arbeiterbewegung ein Denkmal, die durch falsche Entscheidungen der Streikenden, aber auch durch die brutalen Übergriffe der Olahschen Schlägertruppen letztlich ihre Niederlage erklären musste.

Infos: www.mediashop.at


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