Der Mann, der aus dem sonnigen Georgien kam: Anmerkungen zu Josef Stalin, dem bedeutendsten GeneralsekretÀr aller Zeiten.

Als Josef Wissarionowitsch Dschugaschwili, der unter seinem revolutionĂ€ren Decknamen Stalin Geschichte machte, am 5. MĂ€rz 1953 um 21.30 Uhr starb, war er einsam wie ein Tiger im Wald. Die Mitglieder des PolitbĂŒros fanden ihn in seiner Datscha auf dem Fußboden liegend.

In der Annahme, dass sich der „Genosse Stalin“ wohl ein Nickerchen genehmigt habe, wie Nikita Chruschtschow spĂ€ter erzĂ€hlte, schlichen sie sich leise davon. Als wollten sie der Geschichte, bevor sie von ihr in die Pflicht genommen wurden, noch eine kleine Atempause abringen. In ihrem Innersten hatten sie mit dem „Woschd“ (FĂŒhrer), den sie zwar noch fĂŒrchteten, aber nicht mehr respektierten, bereits gebrochen. Der Alleinherrscher war zum Opfer seiner Alleinherrschaft geworden. Die Epigonen ahnten, dass der nĂ€chste Vernichtungsschlag ihnen gelten werde. Und Stalin ahnte, dass er sich der Seinen nicht mehr sicher sein konnte. Der blutige Machtkampf, den der Nachfolger Lenins jahrzehntelang der Partei aufgezwungen hatte, drĂ€ngte zum Finale. Der natĂŒrliche Tod sorgte fĂŒr ein versöhnliches Ende der Tragödie.

Als am Morgen des 6. MĂ€rz der Tod des Generalissimus bekanntgegeben wurde, durchlebte das Land einen gewaltigen Kulturschock, von dem es sich nie mehr richtig erholen sollte. Stalin, der große Baumeister der in der Oktoberrevolution wurzelnden sowjetischen Zivilisation, lebte nicht mehr. Der autoritĂ€re Sozialismus war seiner Personifizierung verlustig gegangen. Die durch und durch, bis in die private Lebensweise stalinisierte Gesellschaft fĂŒhlte sich allein gelassen. FĂŒr einen Augenblick schien das Land in einen Zustand völliger Hilflosigkeit geraten zu sein. Wie an dem Tag, als Stalin den Einmarsch der Hitlertruppen „verschlafen“ hatte. Doch nun schlief er fĂŒr immer.

Spontane Volkstrauer

Die spontane Volkstrauer warf die ganze Planung des staatlichen Trauerkomitees ĂŒber den Haufen. Den Stalinschen Geist bedingungsloser Disziplin Hohn sprechend, zogen unorganisierte Menschenmassen zum Mausoleum, wo Stalin neben Lenin seine (vermeintlich) letzte RuhestĂ€tte fand. Panik brach aus, und hunderte Menschen wurden zu Tode getrampelt. In der leidenschaftlichen Huldigung des verstorbenen BegrĂŒnders der sozialistischen Despotie lag bereits ein Element von Rebellion. Vor allem aber wurde klar, dass die Gesellschaft nach Jahrzehnten Ă€ußerster Anspannungen und einer noch nie dagewesenen Massenleistung nicht zu ihrem Gleichgewicht gefunden hatte. Stalins Tod fiel in eine Zeit zunehmender sozialer Unzufriedenheit und einer sich ausbreitenden Skepsis hinsichtlich der Realisierbarkeit des kommunistischen Zukunftideals.

Der von Stalin in Gang gesetzte „Aufbau des Sozialismus in einem Land“, dessen Triebfedern ebenso Massenheroismus wie Massenrepressionen waren, bildete stets auch eine Quelle sozialer Spannungen. Die Erbauer des Sozialismus fĂŒhlten sich in ihrem Engagement fĂŒr die große Sache höchst unterschiedlich entlohnt. Die soziale Differenzierung als Motor einer effektiven Wirtschaft haben nicht erst die Gorbatschow-Leute entdeckt. Die Perestroika fand ihr Vorbild in Stalins unermĂŒdlichen Kampagnen gegen die „kleinbĂŒrgerliche Gleichmacherei“. Obwohl keiner der bolschewistischen RevolutionĂ€re je Positionen des von Marx denunzierten „rohen Kasernenhofsozialismus“ vertreten hat, dem in der Tat die gleichmacherischen Vorstellungen kleiner Warenproduzenten zugrunde liegen.

Latenter BĂŒrgerkrieg

Wie Leo Trotzki seinem mörderischen Widersacher in der Schrift „Die verratene Revolution“ aber vorhielt, bildete die soziale Ungleichheit die Voraussetzung des vom GeneralsekretĂ€r verkörperten bĂŒrokratischen Herrschaftssystems und deren Aufrechterhaltung die Voraussetzung zur stĂ€ndigen Reproduktion dieses Systems. In den sozialen GegensĂ€tzen sah Trotzki die Ursache und in deren VerschĂ€rfung das Ergebnis der bĂŒrokratischen MachtĂŒbernahme: „Grundlage des bĂŒrokratischen Kommandos ist die Armut der Gesellschaft an KonsumgĂŒtern mit dem daraus entstehenden Kampf aller gegen alle“, schreibt er.

Doch das Erreichen einer höheren Stufe der materiellen Produktion hob das bĂŒrokratische Regime und die soziale Ungleichheit nicht auf. Nun ging es darum, so Trotzki, „einer Minderheit erhebliche Privilegien zu gewĂ€hren und die Ungleichheit in eine Knute zur Anpeitschung der Mehrheit zu verwandeln. Das ist der erste Grund, warum das Wachsen der Produktion bisher nicht die sozialistischen, sondern die bĂŒrgerlichen ZĂŒge des Staates verstĂ€rkte“.

Anpeitschen, Zuspitzen, DurchrĂŒtteln. Das waren Konstanten der Stalin-Politik. Um die Gesellschaft auf Stalinschen Kurs zu bringen und zu halten, musste ihr permanent Gewalt angetan werden. Doch auch die Ergebnisse waren gewaltig. Aus einem rĂŒckstĂ€ndigen Agrarland, das Jahrhunderte verschlafen hatte, war ein moderner Industriestaat geworden. Aus den Tiefen eines analphabetischen, unkultivierten und apathischen Volkes war eine in ihrer Breite beispiellose neue Intelligenz hervorgegangen.

Stalins aus den Fingern gesogene These, dass sich im Sozialismus die KlassenwidersprĂŒche zwangslĂ€ufig verschĂ€rfen, wurde zur „selffilling prophecy“. Die Rolle des Klassenfeindes wurde in dieser subjektivistischen Klassenkampftheorie jeglicher - oft auch nur behaupteter - oppositioneller Strömung zur Stalinschen Generallinie zugeschrieben. Die Oppositionellen kamen und gingen - das Reservoir an Klassenfeinden erwies sich als unerschöpflich. Wer heute noch den Stalinschen Geist verkörperte, konnte morgen schon zu einem erbĂ€rmlichen Speichellecker der Bourgeoisie herabgesunken sein. Je fließender der Unterschied zwischen Freund und Feind wurde, desto unverrĂŒckbarer stand das Dogma vom nie schlafenden Klassenfeind, das die ErmĂ€chtigung zum permanenten Terror abgab.

Es war nicht Josef Stalin, der ĂŒber die UdSSR einen jahrzehntelangen Ausnahmezustand verhĂ€ngte. Denn dieser Zustand war objektiv gegeben. Doch hat die stalinistische FĂŒhrung die Ausnahmesituation, in der sich das vom Weltkapitalismus umzingelte Land befand, zum latenten BĂŒrgerkrieg weitergetrieben. Das betrifft die Liquidierung der Kulaken als Klasse, den Einsatz von Millionen Zwangsarbeitern an den Großbaustellen des Sozialismus und die Eskalierung des innerparteilichen Konfliktes zu einem Kampf auf Leben und Tod. Das lĂ€sst Stalin als linksradikalen Übertreiber der russischen Revolution erscheinen, der die VerhĂ€ltnisse stets aufs Neue aufmischte und die Gesellschaft permanent radikalisierte.

Doch nichts lag dem GeneralsekretĂ€r ferner, als Trotzkis Theorie der „permanenten Revolution“ zu adaptieren. Stalin war im Gegenteil der Prototyp des Zentrismus. Seine Macht ergab sich aus der Paralysierung des linken und des rechten FlĂŒgels im Bolschewismus, aus der administrativen Gleichschaltung des revolutionĂ€ren Diskurses. Er liquidierte mit Hilfe der Rechten die Linke und mit Hilfe der Linken die Rechte.

Frage an den Genossen Stalin: Welche ist die gefĂ€hrlichere Abweichung, die linke oder die rechte? Antwort des Genossen Stalin: Beide sind „gefĂ€hrlicher“. Doch auf der stĂ€ndigen Suche nach der Mitte, in seinem Bestreben, das Stalinsche Zentrum dauerhaft zu festigen, verfiel der Mann, der aus dem sonnigen Georgien kam, immer wieder in einen irrationalen Radikalismus. Die Industrialisierung war eine - in ihrem Wesen - voluntaristische Großtat historischer Dimension. Es schien, als könnte bolschewistischer Willen tatsĂ€chlich Berge versetzen. Doch hatte diese „Widerlegung“ der Naturgesetze auch ungeheure soziale und ökonomische Verwerfungen zum Preis. Im bĂŒrokratischen Subjektivismus dieser Jahre waren die spĂ€teren Fehlentwicklungen bereits angelegt.

Die zwangskollektivierte Landwirtschaft, aus der die Mittel fĂŒr die „sozialistische Akkukumulation“ herausgepresst wurden, ist in all den Jahren der Sowjetmacht nie richtig auf die Beine gekommen. Die KonsumgĂŒterindustrie blieb bis zuletzt ein Stiefkind der Sowjetökonomie, die Tonnenideologie bewies ein erstaunliches Beharrungsvermögen. Der Übergang vom extensiven zum intensiven Wirtschaften ließ sich, obwohl lĂ€ngst als vordringlich erkannt, nicht vollziehen. Das administrative Kommandosystem, das die industrielle Revolution zum Sieg fĂŒhrte , erwies sich als Anachronismus, als die technologische Revolution an die TĂŒr klopfte.

Der Generalissimus

Bleibt noch, auf die Rolle Stalins als Generalissimus zu verweisen. Am Vorabend des Krieges gegen Hitlerdeutschland köpfte er die FĂŒhrungsschicht der Roten Armee. Im Kreml wusste man zwar, dass der Krieg unausweichlich war, bei der EinschĂ€tzung der AktualitĂ€t der Kriegsgefahr aber irrte der Genialissimus, wie es genialer nicht hĂ€tte sein können. Ihm, der stĂ€ndig inneren Verschwörungen auf der Spur war, der die Trotzkisten als „hitlerfaschistische Agenten“ enttarnt hatte, war die „revolutionĂ€re Wachsamkeit“ abhanden gekommen, als die hitlerfaschistische Verschwörung an den Grenzen zur Sowjetunion Stellung bezog und zum Vernichtungsschlag ausholte. Hier zeigte sich ein seltsam zögerlicher, Ă€ngstlicher Wesenszug in Stalins Charakter. Der „PĂ€dagoge“ der einfachen Antworten, war ein Politiker des stĂ€ndigen Zick-Zacks.

Dem Krieg, der Anfangs verloren schien, eine Wende gegeben und die Nazi-Wehrmacht in Berlin zur Kapitulation gezwungen zu haben, bleibt die grĂ¶ĂŸte Ruhmestat der von Stalin gefĂŒhrten UdSSR. Es war ein Sieg der sowjetischen Zivilisation ĂŒber die Barbarei, ein Sieg des sowjetischen Kollektivismus ĂŒber das Herrenmenschentum und auch ein Sieg Stalins ĂŒber sich selbst. Es war eine Art spontaner Entstalinisierung, die nach dem Krieg allerdings wieder zurĂŒckgedreht wurde, was zu einer neuen Repressionswelle fĂŒhrte.

Damals aber war es eine Voraussetzung fĂŒr den Sieg, die ĂŒber die Gesellschaft verhĂ€ngte innere Blockade aufzuheben. Das hatte allerdings auch eine fĂŒr die Weiterentwicklung sozialistischen Bewusstseins verhĂ€ngnisvolle Kehrseite. Im „Großen VaterlĂ€ndischen Krieg“ vollzog sich endgĂŒltig die Wende von der - zumeist ohnedies nur mehr deklamatorischen - proletarisch-internationalistischen zur großrussischen Staatsidee. Das machte sich auch in den innersowjetischen Beziehungen bemerkbar.

Die Huldigung des „ewigen Russlands“, von Stalins Agitabteilung als Hegemon der Weltzivilisation gepriesen, ĂŒberformte den Sowjetpatriotismus. Doch es war keine nationale Idee, von der sich der „Vater aller Völker“ bewegen ließ, sondern eine imperiale. In ihr fand die sowjetische Großmachtpolitik ihren ideologischen Ausdruck. Die besondere Rolle des russischen Volkes gegenĂŒber den anderen Sowjetvölkern, die Stalin in seiner Rede zum Kriegsende ausdrĂŒcklich hervorhob, ergab sich aus dem BedĂŒrfnis des bĂŒrokratischen Zentralismus nach einer herrschenden Nation.

Vollendung und Ende des Stalinismus

Das bĂŒrokratische Sozialismusmodell hat seinen BegrĂŒnder 37 Jahre ĂŒberlebt. Stalins Nachfolger haben das System zwar liberalisiert, aber nicht demokratisiert. Das von Lenin beschworene „lebendige Schöpfertum der Massen“ lag weiterhin fast völlig brach. Das sozialpaternalistische System wurde zunehmend zum Hemmschuh seiner eigenen Entwicklung. Aus sich heraus konnte es, auch wenn das subjektiv durchaus gewĂŒnscht gewesen sein mochte, keine positive Aufhebung der VerhĂ€ltnisse bewirken. Zu schwer wog das bĂŒrokratische Eigeninteresse. Was aber noch schwerer wog: Die Gesellschaft vermochte es nicht, aus sich selbst heraus ein zu den bĂŒrokratischen Interessen antagonistisches Subjekt herauszubilden, das imstande gewesen wĂ€re, das Nomenklatura-Regime und die ihm innewohnenden Tendenz zur kapitalistischen Restauration zu ĂŒberwinden.

Es geschah genau umgekehrt: Die Nomenklatura und die in ihrem Schatten gediehene WirtschaftskriminalitĂ€t wuchsen zum - gegen die staatssozialistischen EigentumsverhĂ€ltnisse gerichteten - antagonistischen Subjekt. Dieses fand in der werktĂ€tigen Bevölkerung keine Gegenkraft. Die bĂŒrgerliche Partei, die sich im Sumpf staatssozialistischer Korruption bildete, verstand es vielmehr, die soziale Frustration der Massen auf ihre MĂŒhlen umzuleiten.

Leo Trotzki hatte es in der „Verratenen Revolution“ kommen sehen: FĂŒr den Fall, dass die BĂŒrokratie an der Spitze des Staates bleibe, sagte er voraus, wĂŒrden „die sozialen Beziehungen nicht starr festgeschrieben bleiben. Keinesfalls kann man damit rechnen, dass die BĂŒrokratie friedlich und freiwillig zum Besten der sozialistischen Gleichheit sich selbst verleugnet, sie wird sich unvermeidlich nach StĂŒtzen in den BesitzverhĂ€ltnissen umsehen mĂŒssen“. Trotzki hatte allerdings nicht damit gerechnet, dass sich dieser Prozess noch 50 Jahre hinziehen werde.

Mit dem 1986 verabschiedeten Gesetz ĂŒber die Genossenschaften, das ein genossenschaftlich etikettiertes privates Unternehmertum zuließ und das Schöpfertum der Massen stimulieren sollte, hatten BĂŒrokratie und Schattenwirtschaft eine Eigentumsbasis gefunden. Statt der von Lenin entworfenen Gesellschaft zivilisierter Genossenschafter entstanden ehrenwerte Gesellschaften zur Reinwaschung von massenhaft akkumuliertem Schwarzgeld. WĂ€hrend die „demokratischen“ MeinungsfĂŒhrerInnen BĂŒrokratismus und Sozialismus als Synonyme darstellten, ging von der Öffentlichkeit weitgehend unbemerkt der kapitalistische Eigentumsputsch der BĂŒrokratie ĂŒber die BĂŒhne. Zu schlechter letzt waren auch noch die von der Perestroika wachgerufenen antibĂŒrokratischen Bestrebungen der Volksmassen von der BĂŒrokratie korrumpiert worden. Die bĂŒrgerliche Partei hatte die Interpretationshoheit ĂŒber die Ereignisse erlangt.

So fand der Stalinismus, der in seinen wesentlichen Strukturelementen, wenn auch nicht in seiner terroristischen Form, nach Stalin fortbestanden war, im Gorbatschowismus seine Vollendung. Und sein Ende. Der Sowjet-gesellschaft war das Bewusstsein ihrer selbst und jegliche „revolutionĂ€re Wachsamkeit“ abhanden gekommen. Stalin dĂŒrfte das wohl geahnt haben, als er sich vor seinem Tod gegenĂŒber den Epigonen beklagte: „Ihr seid blind wie junge Katzen, was werdet ihr ohne mich machen? Unser Land wird zugrunde gehen, weil ihr es nicht versteht, Feinde zu erkennen.“

Der Feind, an dem die Sowjetunion zerbrach, hatte seine Genesis in dem vom Stalin geschaffenen bĂŒrokratischen Herrschaftssystem. Vor lauter Klassenfeinden konnten oder wollten die Stalinisten die reale Konterrevolution nicht sehen. „Die Kader entscheiden alles“, lehrte uns der weise Stalin. Boris Nikolajewitsch Jelzin, ein im Ural gestĂ€hlter Kader, lieferte im August 1991 die BestĂ€tigung fĂŒr diese These. Im Jelzinismus fand der Stalinismus seine genetische Fortsetzung unter Bedingungen der terroristischen Enteignung der Volksmassen.

50 Jahre nach Stalins Tod wird sein Wirken von einem Drittel der RussInnen positiv eingeschĂ€tzt. Das hat nur sehr bedingt etwas mit dem Überleben sozialistischer Wertvorstellungen zu tun. Es ist nicht so sehr der „SchĂŒler Lenins“ und der Herrscher ĂŒber die kommunistische Weltbewegung, der sich in der kollektiven Erinnerung eingeprĂ€gt hat, sondern ein ideologisch neutraler Stalin. Der weise Staatsmann, der Bewahrer der russischen Reichsidee, der BegrĂŒnder der russischen Supermacht und BannertrĂ€ger der östlichen Zivilisation.

Der Zar, der den Titel GeneralsekretÀr trug

PrĂ€sent blieb der im 2. Weltkrieg gelĂ€uterte Generalissimus, der die innere Einheit der Großen Rus wiederhergestellt und die zwei Seelen in Russlands Brust, die rote und die weiße versöhnt habe. GemĂ€ĂŸ dieser nationalpatriotischen Deutung wĂŒrdigt auch der Vorsitzende der Kommunistischen Partei der Russischen Föderation, Gennadi Sjuganow, den bedeutendsten GeneralsekretĂ€r aller Zeiten: als Vertreter der russophilen Strömung im Bolschewismus, der Russland vor dem Revolutionarismus der russophoben Bolschewiki gerettet habe. Einen solchen Stalin-Kult braucht Wladimir Putin nicht zu fĂŒrchten.

Werner Pirker, Volksstimme 12/2003, 30.3.2003