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1950: Der Oktoberstreik in Ranshofen

  • Freitag, 25. September 2015 @ 08:00
Geschichte Von Fritz Gerhartinger

1947 trat ich in die Aluminium-Werke Ranshofen ein. Die Arbeitsbedingungen waren hart, vor allem in der Gießerei und im Ofenhaus. Die Schmelze musste noch per Hand mit Eisenstangen abgestoßen werden.

Es gab noch Lebensmittelkarten und Bezugscheine. Hauptverkehrsmittel war das Fahrrad. Wir hatten die US-Besatzung im Werk, welche öfters schikanöse Kontrollen durchführte. Auf Grund meines Auftretens gegen die Missstände wurde ich bereits 1948 als Betriebsrat gewählt und war dies bis zum Jahre 1950.


Im Herbst 1950 fand der größte Streik der zweiten Republik statt. Dieser Kampf richtete sich gegen den 4. Lohn- und Preispakt, der zwischen den Sozialpartnern ausgepackelt wurde. Inhalt war eine 30-prozentige Preiserhöhung, die Lohnregelung deckte nicht einmal den bisherigen Verlust ab. Dies löste großen Protest aus.

Um den gerechten Kampf zu diffamieren, wurde die Lüge vom „kommunistischen Putsch“ fabriziert. Aber dieser Streik ging nicht von den sowjetisch verwalteten USIA-Betrieben aus, sondern von den Großbetrieben im US-amerikanischen Sektor, wie den Steyr-Werken, der Voest, der Schiffswerft und der ÖBB-Hauptwerkstätte.

Diese Betriebe erwarteten auch von Ranshofen Solidarität. Ich forderte Betriebsratsobmann Kasinger auf, eine Betriebsversammlung abzuhalten, was dieser aber mit der Begründung ablehnte, der Streik sei bereits am Abflauen.

Die SPÖ-Mehrheit versuchte durch Verwirrung und Einschüchterung die Arbeiter vom Kampf abzuhalten. Aber die Empörung war so groß, dass die Arbeiter spontan die Arbeit niederlegten und zur Werkskantine marschierten.

Als die Bewegung immer größer wurde, gab die SP-Mehrheit nach und führte am 30. September 1950 eine Betriebsversammlung durch. Nationalrat Faget und AK-Sekretär Feldschmid versuchten, den Streik abzuwürgen. Beeindruckt von der Stimmung beantragte dann aber der BRO, sich für den Streik auszusprechen und eine Demonstration nach Braunau durchzuführen.

Als dieser Beschluss bekannt wurde, begann die Einschüchterung der Arbeiter. Am Tag der geplanten Demonstration standen bereits um vier Uhr früh vor dem Werkseingang Gendarmerie, Werkschutz und Feuerwehr und riegelten das Werk ab.

In einem Flugblatt wurde den Arbeitern erklärt: „Das Bundesministerium für Verkehr und verstaatlichte Betriebe fordert alle Belegschaftsmitglieder auf, an der festgesetzten Demonstration nicht teilzunehmen. Diejenigen Belegschaftsmitglieder, die sich vom Arbeitsplatz entfernen, sind namhaft zu machen. Gezeichnet: GD Klein.“

Trotz der Drohung marschierten 800 Kollegen zum Betriebsratsbüro und forderten BRO Kasinger auf, zu diesem Beschluss zu stehen, für den auch er gestimmt hatte. Die SP-Mehrheit ließ aber die Arbeiter im Stich. Nach dem Streik wurden rund 100 Kollegen und auch ich als Betriebsrat gemaßregelt. Wir verloren Arbeitsplatz und die Werkswohnung. Durch Solidaritätsaktionen wurden größere Härten vermieden.

Trotz Einschüchterung und Massenabbau konnten wir nach einigen Jahren wieder kandidieren. Anfangs erreichten wir zwei bis drei Mandate, in den 80er Jahren wurden daraus zeitweise fünf bei den Arbeitern und zwei bei den Angestellten.




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