Bis in den Winter schon haben Schulen, Reisegruppen und – auf Initiative von Alt-Landeshauptmann Ratzenböck – Senioren im Akustikon im Voraus gebucht. Das kleine Hörmuseum in der Pfarrgasse ist beliebt und viel besucht. 16.000 Gäste konnten in nur einem Jahr begrüßt werden. Und jetzt stellen Stadt und Land die Finanzierung ein!

„nach 3maligem besuch mit hauptschulklassen ... stelle ich mit entsetzen fest, dass dieses bildungsangebot nicht mehr existieren wird. die schülerInnen konnten besonders beeindruckend erleben, was in der welt des hörens alles zu entdecken ist“, schreibt einer von vielen engagierten Lehrern an unsere Solidaritätsadresse zukunft@hoerstadt.at. Linz hat sich durch den Beschluss des ersten akustischen Stadtentwicklungsprogramms „Linzer Charta“ international als Stadt des Hörens positioniert – viel mehr, als den politisch Verantwortlichen bewusst ist. Deshalb schlägt die beabsichtigte Schließung so große mediale Wellen. „Eine himmelschreiende Schande“, meint die Frankfurter Allgemeine Zeitung. Und die Frankfurter Rundschau schreibt: „Nicht dass damit besonders viel Geld gespart würde, es wird nur maximaler Schaden angerichtet und maximale Gedankenlosigkeit eindrucksvoll betont.“

Zwei Gründe wurden angeführt für die Einstellung der Finanzierung des Akustikons: die angespannte Budgetlage der öffentlichen Hand und die unsichere Zukunft des Forschungsbereiches des Akustikon. Beide Gründe nehmen wir sehr ernst. Deshalb haben wir jetzt Stadt und Land einen Vorschlag übergeben, der zu einer substanziellen Änderung der Sachlage führt. Wir reduzieren die Kosten um ein Drittel, also wirklich massiv, durch „Einfrieren“ der Forschung.

Während dieses Moratoriums kann an einer Lösung für den Forschungsbereich gearbeitet werden. Gleichzeitig forcieren wir die Erwirtschaftung eigener Mittel, aufbauend auf den positiven Erfahrungen des ersten Betriebsjahres. Stadt und Land sind eingeladen, je einen Vertreter in den Vorstand des Trägervereins „Akustikon – Gesellschaft des Hörens“ zu entsenden. Das Akustikon wäre damit als erfolgreiches Hörmuseum gerettet.

Trotzdem bleibt unverständlich, warum von mehr als einer Million Euro Überschuss von Linz09 nichts für das Akustikon verwendet wird. Es ist neben dem Kepler-Salon das einzige (!) noch bestehende Projekt aus der Europäischen Kulturhauptstadt.

Wir appellieren an Bürgermeister Dobusch und Landeshauptmann Pühringer, dieser substanziellen Änderung der Sachlage Rechnung zu tragen und in ein Gespräch einzutreten. Auch wenn die Zeit drängt. Wir sind sicher, dass mit unserem Vorschlag alle Interessen in Einklang gebracht werden können. Denn Aufhören ist die schlechteste Art von Hören.

Gastkommentar von Peter Androsch, Initiator des Akustikons
Quelle: OÖN 29.6.2010, www.nachrichten.at

Infos: http://www.hoerstadt.at