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Über die Prekarisierung reden

  • Donnerstag, 20. Mai 2010 @ 23:22
Linz KPÖ-Gemeinderätin Gerlinde Grünn zur Kreativwirtschaft bei der Gemeinderatssitzung am 20.5.2010

Wenn wir von Kreativwirtschaft sprechen, dürfen wir nicht den Begriff vergessen, der untrennbar damit verbunden ist: Den Begriff des Prekariats. Damit sind jene Personen und Personengruppen gemeint, die in Jobs arbeiten, die eine geringe Arbeitsplatzsicherheit aufweisen, deren Jobs äußerst niedrige Löhne bringen, deren Jobs von zweifelhaften Arbeitsverträgen gekennzeichnet sind, von Kündigungsschutz gar nicht zu reden, weil die Prekären in meist nicht selbst gewählter Selbstständigkeit arbeiten.

Etwas pathetisch könnte man sagen es handelt sich um das moderne Proletariat.

Bislang spielte Kunst und Kultur in der Diskussion um den Wandel der Arbeitswelt kaum eine Rolle. Erst mit der Erfindung der Kreativwirtschaft, wobei hier eindeutig die Wirtschaft den dominierenden Part innehat, spielen KünstlerInnen und eben Kreative eine Rolle. Der Grund dafür ist die totale Identifikation mit dem eigenen Tun, das bei KünstlerInnen vorausgesetzt wird, ihre Selbstvermarktung ihre totale Übereinstimmung und ihre bedingungslose positive Identifizierung mit dem Job. Das ist es, was die Ökonomie in Zeiten der verpflichtenden Ich-AGs braucht: Flexible, mit ihrer Arbeit positiv verbundene, materiell anspruchlose, in hohem Maße selbstverantwortliche Individuen, die sämtliche Lebensrisiken selbst zu tragen haben.

Wir sehen schon seit längerer Zeit einen Prozess der totalen Ökonomisierung von Kultur. Linz09 hat diesen Prozess noch beschleunigt. Es geht längst nicht mehr darum, dass die Künste und die Kultur einen wie auch immer kritischen Blick auf die Gesellschaft werfen, es geht um die Unterwerfung des künstlerischen Potentials unter die Belange der Wirtschaft.

Man muss über die Einkommen sprechen. In einer Studie von Anne Rambach aus dem Jahr 2002 ist zu lesen, dass prekarisierte Intellektuelle, kreativ Arbeitende also unfreiwillig Selbstständige, zwischen 30 und 50 Prozent von dem verdienen, was sie verdient hätten, wenn sie dieselbe Arbeit als fix Angestellte gemacht hätten. Alle weiteren Studien zu diesem Thema belegen, dass diese Schere weiter auseinandergeklafft ist. Hier mit dem Begriff der Kreativwirtschaft solle ein „role model“ etabliert werden, in dem die großen Firmen und Konzerne aber auch Unis oder Kommunen, denen die Kreative zuzuarbeiten haben, kosten sparen und sämtliche Risiken auf die prekären, kreativen „ArbeitskraftunternehmerInnen“ abgewälzt werden.

Die Stadt Linz muss sich da ja selbst bei der Nase nehmen: Vorletztes Jahr beispielsweise wurde das AEC vor das Arbeitsgericht zitiert, weil die Arbeitsverträge vieler Beschäftigter gelinde gesagt katastrophal, und die Entlohnung viel zu gering waren. Es wurde zwar ein Vergleich geschlossen, aber alleine die Tatsache, dass ein stadteigenes Unternehmen vors Arbeitsgericht muss, spricht Bände.

Wenn von der Kreativwirtschaft die Rede ist, werden die darin Akteurinnen und Akteure oft heroisch zu „Mikrounternehmen“ oder zu „Unternehmern in das eigene Humankapital“ hochstilisiert, wie das beispielsweise die Europäische Kommission tut. Im vorliegenden Antrag mit Verlaub klingt das ebenso. In seriösen Studien von zahlreichen WissenschafterInnen ist allerdings von „Job-Sklaven“, von „Taglöhnern“ oder von „Scheinselbstständigen Wanderarbeitern“ die Rede.

Eine Anmerkung zum vorliegenden Papier: Die inhaltliche Kompetenz der AutorInnen scheint ja auch nicht recht ausufernd zu sein: Das ist von einer Beteiligung am KUPF-Innovationstopf die Rede. Die KUPF weiß davon aber nichts und ihr Innovationstopf wird auch nicht von der Stadt finanziert sondern vom Land Oberösterreich. Oder will man hier den Anschein erwecken, dass die KUPF, die ja bekanntlich sehr kritisch den Kreativwirtschaftsgerede gegenüber steht, ohnehin mit im Boot ist? Wenn man schon bei so einfachen Übungen danebenhaut, was ist dann bei schwierigeren Aufgaben los.

Ich werde gegen diesen Antrag stimmen, weil es einer Stadt wie Linz viel besser anstehen würde, Maßnahmen zu finanzieren, die den prekären Lebens- und Arbeitsverhältnisse der Kreativen, der KünstlerInnen, der KulturarbeiterInnen Einhalt gebieten würden. Nicht einer Modeerscheinung nachlaufen, welche genau diese Prekarisierung hervorbringt. Eine der Möglichkeiten wäre es, die Finanzierung der freien Kulturarbeit zu forcieren. Aber das ist ein anderes Kapitel.


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