KPÖ-Gemeinderätin Gerlinde Grünn zum FPÖ-Antrag für ein Bettelverbot bei der Gemeinderatssitzung am 22.4.2010

Das Weltbild der FPÖ ist offensichtlich ein sehr simples: Da sind die „Anständigen, Fleißigen, Tüchtigen“ und dort sind die anderen, und weil die anderen nicht in das Weltbild passen werden sie weggesperrt, wenn nicht schlimmeres. Der Ruf nach dem Verbot des Betteln, egal ob organisiert, gewerbsmäßig, aggressiv oder nur er für den Eigenbedarf wie von manchen so sinnvoll unterschieden wird, ist aber nichts anderes als ein Ausblenden der Realität, nämlich daß Armut im Wachsen ist. Natürlich ist es unangenehm durch BettlerInnen an diese Realität erinnert zu werden: „Der Anblick von Armut und Elend stößt uns ab. Er irritiert uns, beunruhigt uns, erweckt Schuldgefühle, Angst und Abscheu“ schreibt Barbara Coudenhove-Kalergi im „Standard“.

Wie aus dem Antrag hervorgeht, geht es nicht einmal um die Störung einer Zeremonie, sondern nur um die bloße Präsenz von BettlerInnen. Es bleibt die Frage, wie es gerade die vorgeblich so gläubigen Christen mit dem Lukasevangelium, mit der Geschichte vom Bettler Lazarus halten, der am Ende im Himmel landet, der reiche Mann dagegen, der ihm zu Lebzeiten nichts gegeben hat, in der Hölle.

Wir sollen uns nicht von Kleinformat und Politik ein gutes Gewissen einreden lassen, wenn wir die Bettler wegjagen und uns die „Geiz ist geil“-Mentalität zu eigen machen. Das heißt natürlich nicht sich verpflichtet zu sehen jedem etwas zu geben, sondern einfach nur die Augen vor der Realität nicht zu verschließen.