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Kurt Palms Wahnsinn der Provinz

  • Donnerstag, 15. April 2010 @ 09:47
Kultur Sie glauben gar nicht, was in „Bad Fucking“ alles passiert, bevor sie es nicht gelesen haben. Das neue Buch von Regisseur, Autor und Volksbildner Kurt Palm ist ein satirischer Krimi und eine kriminelle Satire. Von Peter Grubmüller.

OÖN: Ist der in Worte gegossene Wahnsinn die einzige Möglichkeit, um die Realität zu schildern?

Palm: Absolut, wobei ich glaub’, dass ich in meinem Buch noch untertreibe, die Realität ist noch wilder. Mit Bad Fucking hab’ ich nur die Wirklichkeit bis zur Kenntlichkeit entstellt.

OÖN: Auf dem Buch steht, es sei ein Krimi – warum dieses Genre?

Palm: Es ist natürlich kein klassischer Krimi, sondern ein Buch mit ganz vielen Facetten. Da stecken Elemente des Heimatromans drinnen, des Arztromans, der Provinzposse. Es kann auch kein Krimi sein, weil sich die Figuren, die in dem Buch mit ihrer Rolle nicht einverstanden sind, von sich aus an den Leser wenden. Zum Beispiel die Veronika Sandleitner, die am Ende des Buches fragt, ob der Autor auf sie vergessen hat: Sie sitzt in ihrem Fotoladen und möchte das Geld für die Erpressungen kassieren, und der Autor meldet sich nicht bei ihr. Für mich war es die einzige plausible Form, diese Geschichte zu erzählen.

OÖN: Warum haben Sie aus diesem Stoff nicht gleich einen Film gemacht?

Palm: Es gab ursprünglich das Konzept einer ORF-Serie, so hat alles begonnen. Wir wollten viele Jahre nach Twin Peaks den Wahnsinn in der österreichischen Provinz – in der oberösterreichischen – beschreiben. Das ist aus vielen Gründen nichts geworden, aber zum Glück hat mich der Residenz-Verlag getreten, dass ich endlich diesen Stoff schreibe. Auf einen Film in Österreich zu warten, ist nicht angenehm. Da fahren viele Züge ab, in die man nicht einsteigt.

OÖN: Es kam zu einem Streitgespräch von Ihnen mit der im Buch angedeuteten Innenministerin Maria Fekter. Wie war das?

Palm: Die Figur ist natürlich nicht die Maria Fekter, das ist klar. Es sind Elemente von ihr drinnen, aber es ist nicht die Fekter. Es ist eine Innenministerin und eine Trägerin von bestimmten Ideen, das weiß auch die Maria, deshalb war sie auch zu diesem Gespräch bereit. Wir sind ja gemeinsam in die HAK in Vöcklabruck gegangen und haben auch gemeinsam maturiert. Aber wenn über mich jemand in einem Buch schreibt, dass ich in meinen eigenen Fäkalien sitze und mir die Zunge herausgeschnitten wird, ich hätte mit so jemandem vielleicht kein Wort mehr gewechselt. Das Gespräch spricht also für sie. Wir haben uns dabei auch nichts geschenkt, und wir werden uns weiterhin nichts schenken, weil sie politisch weit rechts steht und ich eher links.

OÖN: Damit sind Ihre Anspielungen auf oberösterreichische Verhältnisse aber noch nicht vorbei.

Palm: Nein, weil auch der Besamer vorkommt, hinter dem sich natürlich der Großunternehmer Asamer verbirgt, und ein gewisser Bankdirektor Doktor Leitinger, der seine Sekretärin…. Das war auch die einzige Figur, bei der mir der Anwalt des Verlags geraten hat, den Namen zu ändern. Ursprünglich klang der Name ähnlich wie jener eines tatsächlichen Bankdirektors. Jeder, der sich in Oberösterreich auskennt, weiß aber auch jetzt, wie es gemeint ist.

OÖN: Aber Sie können sich auf das satirische Mittel der Übertreibung berufen.

Palm: Na, wenn Sie schon sagen Übertreibung, dann nehmen wir den Asamer. Wenn man sich anschaut, was der in Oberösterreich alles baut, welche Macht er hat, wie Anbotskorrekturen bei riesigen Bauprojekten ablaufen. Mein Buch ist von der Realität gar nicht so weit weg. Natürlich ist jene Geschichte etwas überzogen, in der die Innenministerin in ihrer Funktion als Bauunternehmerin auch gleich das Asylantenheim selbst errichten will. Aber hätte ich alles geschrieben, was es über die Buwog gibt, wo 10 Millionen zum Trauzeugen des Finanzministers geflossen sind, oder über den Flughafen Wien oder um die Salzburger Osterfestspiele, wo sich einer 600.000 Euro Spesen genehmigt, ohne dass es jemand merkt, dann weiß man, dass das Buch in Oberösterreich, in Österreich, in der EU insgesamt der Realität viel näher als angenommen ist. Ich arbeite aber auch gerne mit dem Holzhammer, und ein Roman hat niemals die Aufgabe, die Wirklichkeit eins zu eins abzubilden, das wär’ auch fad.

OÖN: Tut es Ihnen leid, dass Ihre Anspielungen in weiter von Oberösterreich entfernt liegenden Gebieten nicht entlarvt werden?

Palm: Nein, weil das Buch ja Verhältnisse abbildet. Ich hab’ gerade eine Einladung zu einer Lesung nach Hamburg gekriegt, wo man wie vielleicht in Wien etwa diesen Bankdirektor gar nicht kennt. Das sind ja auch nur Nebenfiguren, alle anderen entspringen ohnehin meiner Fantasie – mit Anlehnungen an die Wirklichkeit.

Quelle: OÖN 15.4.2010, www.nachrichten.at




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