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Die KPÖ trauert um Walter Herda

  • Mittwoch, 26. Dezember 2012 @ 23:00
Biografien Nach längerer schwerer Krankheit ist am 26. Dezember 2012 in Linz unser Genosse Walter Herda im 89. Lebensjahr gestorben.

Walter Herda wurde am 6. November 1924 in Wien als eines von sieben Kindern geboren. Die kleine Wohnung war gleichzeitig Arbeitsplatz, sein Vater war Schuster und Mitglied der KPÖ. Weil er Kontakte zu „Zigeunerkreisen“ hatte und nicht zur Hitler-Jugend wollte geriet Walter Herda 1939 im Alter von 15 Jahren in die Fänge der Nazi-Justiz, von welcher er in das Jugend-Konzentrationslager in Moringen (Landkreis Northeim, Niedersachsen) eingewiesen wurde, wo er von 1940 bis 1945 als Häftling Nummer 111 inhaftiert war.

Mit den anderen Gefangenen musste Herda dort Zwangsarbeit beim Bau einer Autobahn, in einer Sackfabrik und einer unterirdischen Munitionsfabrik im Solling leisten. Wer nicht spurte, erinnert sich Herda, musste stundenlang wie eine Spinne auf dem Rücken über ein Feld krabbeln. Die Häftlinge wurden geschlagen, gefoltert, viele auch erschossen. Ins Moringer Jugend-KZ mussten von 1940 bis 1945 männliche Jugendliche zwischen zwölf und 22 Jahren aus dem gesamten Reichsgebiet und aus den von deutschen Truppen besetzten Ländern.

„Wir wurden von der SS terrorisiert und litten Hunger“, erzählte Walter Herda. Ab 1941 versuchten „Kriminalbiologen“ der Nazis, durch Untersuchungen an den Häftlingen ihre These zu belegen, dass Kriminalität und „Asozialität“ erblich bedingt seien. Anfang April 1945 wurden die rund 500 Häftlinge des Jugend-KZ auf einen Evakuierungsmarsch Richtung Harz geschickt. Walter Herda gelang dabei die Flucht und fand bei einer jüdischen Familie in Quedlinburg herzliche Aufnahme.

Zurück in Österreich schloss er sich als Platzmacher einem Zirkus an und war jahrelang mit dem „fahrenden Volk“ unterwegs. Später arbeitete er beim Wachdienst. Sein Status als Nazi-Opfer wurde vom Staat Österreich erst spät anerkannt. Seit Ende des 20. Jahrhunderts war Walter Herda in Linz wohnhaft.

Trotz seines hohen Alters und gesundheitlicher Probleme war er bis vor einigen Jahren als einer der wenigen noch lebenden Zeitzeugen in Schulen tätig und hat über 70mal jungen Menschen seine Geschichte erzählt. Auch pflegte er seine Kontakte zur Gedenkstätte des KZ Moringen. Herda war Mitglied des KZ-Verbandes und seit 2001 auch Mitglied der KPÖ.

Nach einem vor einigen Jahren erlittenen Sturz konnte sich Walter Herda nur mehr im Rollstuhl bewegen. Seine letzten Lebensjahre verbrachte er im Seniorenzentrum Neue Heimat. Nach längerer schwerer Krankheit ist er am 26. Dezember 2012 in Linz gestorben.

Wir werden Walter Herda stets ein ehrendes Andenken bewahren. Unsere Anteilnahme gilt seinen Angehörigen.
KPÖ-Bezirksvorstand Linz
KPÖ-Landesvorstand Oberösterreich

Nachstehend einige Bericht über Walter Herda

Bis zur totalen Erschöpfung

Walter Herda überlebt fünf Jahre im Jugend-KZ Moringen. Zurück in Österreich begegnet er Ignoranz und Feindseligkeit. Gerlinde Grünn bat ihn zum Gespräch.

Wir sitzen auf einer Terrasse hoch über den Dächern von Linz. Die Frühsommersonne scheint und wir trinken Kaffee und rauchen die ein oder andere Zigarette. Ich bin gekommen um mit Walter Herda über Ereignisse zu sprechen, die schon lange zurückliegen. Walter Herda ist einer der wenigen Zeitzeugen, die noch aus eigenem Erleben über die Grauen der NS-Zeit berichten können. Über 70 Mal hat er jungen Menschen in Schulen seine Geschichte erzählt.

Lebensstil nicht angepasst

Am 6.November 1924 ist er in Wien auf die Welt gekommen. Sein Vater war Schuster. In Mitten der Zimmer-Küche-Kabinett Wohnung hatte der Vater seinen Arbeitsplatz. Sein Einkommen musste für die siebenköpfige Familie reichen. Erst spät hat Walter Herda erfahren, dass sein Vater schon kurz nach der Gründung KPÖ Mitglied geworden ist. Mit 15 steht Walter vor dem Richter, ein Fahrrad soll er geklaut haben, obwohl er nicht mal Radfahren kann. Der eigentliche Grund ist sein multikultureller Freundeskreis. Seine Freundin ist Zigeunerin, das passt nicht ins Nazi-Konzept.

Häftlingsnummer 111

Mit der Hitlerjugend hat er nichts am Hut. Der Richter sagt, er komme ins Heim um was Gescheites zu lernen. Mit drei anderen Burschen gemeinsam an den Händen zusammengebunden, werden sie begleitet von einem Zivilpolizisten in den Zug gesetzt. Am Bahnhof Moringen steigen sie aus und finden sich wieder im Jugendkonzentrationslager. Seit Juni 1940 wurde das seit 1933 bestehende KZ als so genanntes „Jugendschutzlager“ geführt. 1400 Jugendliche zwischen 13 und 22 Jahren wurden hier bis zum Kriegsende interniert. Ihre Arbeitskraft wurde bis zur völligen körperlichen Erschöpfung ausgebeutet, Hunger und unvorstellbare Grausamkeiten standen auf der Tagesordnung. Walter bekommt die Nummer 111.

Für einen Ausbruchsversuch setzt es zu seinem 16. Geburtstag 25 Stockhiebe. Für denjenigen der sich beim Mitzählen der Stockschläge verzählt, beginnt die Tortur wieder von vorne. Das vergesse ich nie, sagt Walter und blickt in die Ferne. Wie überlebt man so was? Er habe alles gegessen, was er nur kriegen konnte, auch Gras, und sich nicht dabei erwischen lassen. Fünf Jahre lang hält er durch.

Flucht auf Todesmarsch

Drei Tage vor der Befreiung des KZs Moringen werden die Insassen auf einen Todesmarsch Richtung Harz in Bewegung gesetzt. Über Nacht in einer Scheune eingesperrt, gelingt ihm die Flucht. Im Keller eines Mädcheninternats versteckt, erlebt er die Ankunft der Amerikaner. Er ist nun 21 Jahre alt. Bei einer jüdischen Familie in Quedlinburg findet Walter herzliche Aufnahme, bevor er sich nach Österreich durchschlägt. Wie viele andere Verfolgte trifft er hier auf eisiges Schweigen und Ignoranz. Er schließt sich als Platzmacher einem Zirkus an, später arbeitet er beim Wachdienst. So mancher Nazischinder ist längst wieder anerkanntes Mitglied der Gesellschaft.

Nazis in Amt und Würde

Sein Status als Opfer des Nationalsozialismus wird erst spät vom Staat Österreich anerkannt. Er ist seither im KZ-Verband aktiv und informiert Jugendliche aus erster Hand über das Jugendkonzentrationslager Moringen. Wer ihm heute imponiert, frage ich ihn. Das Mädchen aus Frankenburg, sagt er, weil sie sich nichts gefallen lässt.

Quelle: Café KPÖ, Nummer 35, Mai/Juni 2011, http://ooe.kpoe.at/images/cafe35.pdf

Moringer Schüler treffen Zeitzeugen des Jugend-KZ

Im Januar 2004 war der in Wien geborene Walter Herda für zehn Tage bei einer Moringer Familie zu Gast. In dieser Zeit traf er sich mit vier Schulklassen der KGS-Moringen. Am 16. Januar führten Schüler der 9H2 ein Zeitzeugengespräch mit ihm. Gespannt erfuhren die Schüler, wie Walter Herda im Alter von 15 Jahren ins Jugend-KZ Moringen kam. Die folgenden Texte sind Auszüge aus Berichten über dieses Gespräch, die die Schüler anschließend an Walter Herda und an die Gedenkstätte geschickt haben:

Von Wien nach Moringen

„Der Zeitzeuge heißt Walter Herda, er ist mit 15 Jahren als einer der ersten Häftlinge aus Österreich ins Jugendkonzentrationslager Moringen eingeliefert worden. Er musste ins KZ weil er die Hitler Jugend verweigert hat. Alle Häftlinge mussten morgens um 6:00 Uhr aufstehen und bis 18:00 Uhr abends hart arbeiten. Sie arbeiteten montags bis Samstags an der Autobahn und am Sonntag war Waschtag. Die Kleidung musste absolut sauber sein, sonst wurden sie sehr hart bestraft. Eine sehr bekannte Strafe ist der Blutacker, die Häftlinge mussten auf dem Rücken krabbeln wie Spinnen. Bei dieser Strafe war am Ende der Rücken aufgerissen und blutverschmiert. Die Häftlinge wurden geschlagen, misshandelt und in manchen Fällen auch erschossen. Alle Gefangenen waren auf sich selbst gestellt, man konnte niemandem trauen. Zum Frühstück bekam man schwarzen Kaffee und ein Stück Brot mit Butter, zum Mittag gab´s 3/4 l Steckrübensuppe und abends aßen sie Suppe mit Brot und wenn man Glück hatte, bekam man eine Kartoffel. Niemand wurde satt. Auf ihrem Weg zur Arbeit wurden die Häftlinge von den Einwohnern aus Moringen mit Steinen beworfen. Wir danken Walter Herda dafür, dass er uns einen Einblick in die Zeit 1940 bis 1945 ermöglicht hat.” Jessica, Felix, Christian, Jessica, Sandra, Martin

Vom Namen zur Nummer

„Sie durften ihre Namen nicht mehr benutzen. Die SS-Leute gaben jedem Häftling eine Nummer. Walter Herda hatte die Nummer 111. Wenn sie doch ihre Namen gesagt haben, wurde ihnen ein Schlag verpasst. Die härtesten Strafen waren, dass sie bis zu drei Tage kein Essen bekamen und der Blutacker. Walter Herda war von 1940 bis 1945 im KZ. Vor dem Ende des Krieges wurden die Häftlinge wurden eines Nachts weggebracht, damit man sagen konnte, es gab nie ein KZ. Als wir das hörten fühlten wir uns sehr betroffen. Wir können nicht verstehen wie man einem Menschen so etwas Schreckliches antun kann. Wir möchten uns recht herzlich bei Ihnen bedanken, dass Sie uns ermöglicht haben einen Zeitzeugen aus dieser Zeit zu befragen.” Sarah, Waldemar, Jan, Tim-René, Marion

Nie wieder!

„Wir finden das gut, dass Herr Herda als Zeitzeuge sich für uns Zeit genommen hat um uns aufzuklären was früher geschehen ist. Es war schockierend, was damals geschah. Uns hatte es sehr beeindruckt, dass Herr Herda den Lebenswillen hatte um weiter zu leben. Denn es war sehr schwer in diesem Jugend-KZ zu überleben. Er musste schwere Arbeiten verrichten, wurde bei Kleinigkeiten bestraft und hatte nur wenig zu essen bekommen. Herr Herda kam in das KZ, weil er nicht in der HJ beitreten wollte. Wir hoffen, dass so was schlimmes nie wieder vorkommen wird.” Jariya, Alexander, Lea, Sascha, Heike

Erinnern und nicht vergessen

„Wir fanden es sehr interessant aber auch ziemlich erschütternd. Wir danken ganz herzlich dem Zeitzeugen Walter Herda, dass er uns über das KZ berichtet hat. Wir fanden es ziemlich schrecklich als er uns über die Strafen erzählt hat. Die Strafen waren: Essensentzug, Blutacker Strafstehen und das Straflaufen. Die schlimmste Strafe war für ihn der Essensentzug, das war sehr schlimm, denn man bekam ca. 3 Tage nichts zu essen. Wir hatten ziemlich viele gemischte Gefühle als wir die Geschichten gehört haben. Es ist schön, dass es solche Gedenkstätten gibt, die an diese Zeit erinnern.” Amelie, Florian, Slava, Nadine, Vitali

Quelle: Schulprojekt der Gedenkstätte Moringen, http://www.gedenkstaette-moringen.de/gedenkstaette/Zeitzeugen_Projekte/besucher/besucher.html

Wo „Kriminalbiologen“ forschten

Weil er nicht zur Hitler-Jugend wollte, schickten die Nationalsozialisten Walter Herda im Alter von 15 Jahren in das Jugend-Konzentrationslager in Moringen (Kreis Northeim), wo am kommenden Wochenende des Endes des Zweiten Weltkriegs gedacht wird. Mit den anderen Gefangenen dort musste er Zwangsarbeit beim Bau einer Autobahn, in einer Sackfabrik und einer unterirdischen Munitionsfabrik im Solling leisten. Wer nicht spurte, erinnert sich Herda, musste stundenlang wie eine Spinne auf dem Rücken über ein Feld krabbeln. Die Häftlinge wurden geschlagen, gefoltert, viele auch erschossen.

Mitten im beschaulichen Moringen hatten die Nationalsozialisten drei Konzentrationslager errichtet - je eines für Frauen, für Männer und für Jugendliche. Im Männer-KZ waren ab März 1933 rund 1000 politische Gefangene aus dem Raum Hannover und dem südlichen Niedersachsen inhaftiert, erzählt der Leiter der Moringer KZ-Gedenkstätte, Dietmar Sedlaczek - überwiegend Kommunisten, Sozialdemokraten und Gewerkschafter. Im November 1933 lösten die Nazis das Lager auf, die Gefangenen kamen in andere Konzentrationslager oder wurden in „Polizeiaufsicht“ entlassen.

Das im selben Jahr errichtete Frauen-KZ war das zentrale Konzentrationslager für weibliche Häftlinge in Preußen. Neben politischen Gefangenen waren auch Prostituierte, Zeuginnen Jehovas und sogenannte Rassenschänderinnen in Moringen eingesperrt. Nach Angaben der KZ-Gedenkstätte lebten in dem Lager insgesamt 1350 Frauen. Das Frauen-KZ bestand bis Ende 1938.

Eine der Inhaftierten war Anna Pröll. Sie war in ihrer Heimatstadt Augsburg im Widerstand gegen die Nazis aktiv, berichtete die 87-jährige kürzlich auf einer Veranstaltung. Nach Verbüßung einer Haftstrafe wegen „Vorbereitung zum Hochverrat“ wurde sie 1936 ins Frauen-KZ Moringen überstellt. In dem Lager erlebte Pröll auch einen Besuch Heinrich Himmlers.

Ins Moringer Jugend-KZ mussten von 1940 bis 1945 männliche Jugendliche zwischen zwölf und 22 Jahren aus dem gesamten Reichsgebiet und aus den von deutschen Truppen besetzten Ländern. „Wir wurden von der SS terrorisiert und litten Hunger“, erzählt Walter Herda. Ab 1941 versuchten „Kriminalbiologen“ der Nazis, durch Untersuchungen an den Häftlingen ihre These zu belegen, dass Kriminalität und „Asozialität“ erblich bedingt seien.

Anfang April 1945 wurden die rund 500 Häftlinge des Jugend-KZ auf einen Evakuierungsmarsch Richtung Harz geschickt. Walter Herda gelang dabei die Flucht. Am nächsten Wochenende kommt der heute 80jährige zu einem Treffen ehemaliger KZ-Häftlinge in die südniedersächsische Kleinstadt. Dann will Herda Schülern aus Moringen von seiner Haftzeit im Konzentrationslager berichten.

Quelle: Osnabrücker Zeitung, 6.5.2005, http://www.noz.de/artikel/7920537/wo-kriminalbiologen-forschten

Zeitzeugengespräch mit Walter Herda, der von 1940 bis 1945 im Jugend-KZ Moringen inhaftiert war

Weil er nicht zur Hitler-Jugend wollte, schickten die Nationalsozialisten Walter Herda im Alter von 15 Jahren in das Jugend-Konzentrationslager in Moringen (Kreis Northeim). Mit den anderen Gefangenen dort musste er Zwangsarbeit beim Bau einer Autobahn, in einer Sackfabrik und einer unterirdischen Munitionsfabrik im Solling leisten. Wer nicht spurte, erinnert sich Herda, musste stundenlang wie eine Spinne auf dem Rücken über ein Feld krabbeln. Die Häftlinge wurden geschlagen, gefoltert, viele auch erschossen. Ins Moringer Jugend-KZ mussten von 1940 bis 1945 männliche Jugendliche zwischen zwölf und 22 Jahren aus dem gesamten Reichsgebiet und aus den von deutschen Truppen besetzten Ländern. „Wir wurden von der SS terrorisiert und litten Hunger“, erzählte Walter Herda. Ab 1941 versuchten „Kriminalbiologen“ der Nazis, durch Untersuchungen an den Häftlingen ihre These zu belegen, dass Kriminalität und „Asozialität“ erblich bedingt seien. Anfang April 1945 wurden die rund 500 Häftlinge des Jugend-KZ auf einen Evakuierungsmarsch Richtung Harz geschickt. Walter Herda gelang dabei die Flucht.

Quelle: Schulprojekt Hauptschule Niederneukirchen, Projektleitung Claudia Anuth, http://schulen.eduhi.at/hs_niederneukirchen/chronik/2004-05/zeitzeugen/index.html




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