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Grüß Gott! Grüß Gott! Grüß Gott!

  • Freitag, 10. April 2009 @ 12:28
Österreich Die nächsten Pläne für mein Heimatland: Ich will Landeshauptmann werden. Von Egyd Gstättner

Genaugenommen bin ich ein schüchterner, menschenscheuer Mensch. Sogar zu meinen allerengsten Freunden habe ich kaum Kontakt. Aber so bringt man es zu nichts, und so geht es nicht weiter: Daher habe ich beschlossen, wenn ich außer Haus gehe, auf der Straße wildfremde Menschen zu grüßen. Wenn sie Trachten trugen, sagte ich "Grüß Gott" , sonst "Guten Tag" . Weil es ja unüblich ist, dass man in der Stadt von Fremden gegrüßt wird, schauten mich die Passanten verwundert bis entgeistert an. Manche grüßten zurück, viele nicht. (Sie meinten wohl, ich verwechsle sie mit jemandem.)

Anfangs kostete mich dieses Blankogrüßen viel Überwindung. Aber ich gab nicht auf. Nun schaute ich jedem, den ich grüßte, direkt in die Augen und lächelte ihn an. Das machte schon mehr Eindruck. Als nächsten Schritt ersetzte ich das Lächeln durch ein Lachen, später durch freudestrahlendes Lachen. Gleichzeitig schüttelte ich meinem Gegenüber beim Grüßen die Hand. Da konnten die Leute gar nicht anders, als mich zurückzugrüßen und mir die Hand zu schütteln. Etliche lächelten auch. Wie man in den Wald hineingrüßt, so grüßt er heraus. Um schöner lachen zu können, ließ ich mir ein neues Gebiss mit großen weißen Zähnen in den Mund einbauen, das von einem Ohr bis zum anderen reichte, wodurch ich auch insgesamt viel fescher wurde.

Da dachte ich mir: "Grüß Gott" oder "Guten Tag" klingt zu förmlich. Ich sage von nun an (freudestrahlend händeschüttelnd): "Griasdi." Nun glaubte niemand mehr, dass ich ihn verwechsle, sondern jeder glaubte, dass ich ihn gut kenne. Meine nächste Maßnahme war, dass ich das "Griasdi!" zu "Griasdi! Wia geht's da denn?" ausbaute. Bei all jenen, die zu diesen Worten zurücklächelten, expandierte ich das Händeschütteln zu einem Schulterklopfen. Wenn ich gut aufgelegt war, entfuhr mir dann und wann ein helles "Sing ma a Liadle!" Oder ich verabschiedete mich mit den berührenden Worten "Do host an Hunderter!" Ich verwendete wenig Fremdwörter, um nicht als zu intelligent und hochnäsig zu gelten. Ich verheimlichte meinen Doktortitel, mein Studium und sogar meine Matura. Hingegen erfand ich einen Schulabbruch und einen obskuren Aushilfsjob als Laufbursche in einem Verwaltungsgebäude. Was immer mir die Leute sagten, beantwortete ich mit: "Genau, da hast völlig recht! Wenn ich was zum Reden hab, mach ma des!" Jetzt freudestrahlten alle und grüßten mich von sich aus, denn ich war einer von ihnen, und man kannte mich.

Meine nächsten Pläne sind: Ich möchte mein "Grias di! Wia geht's da denn?" nochmals ausbauen, und zwar zu "Grias di! Wia geht's da denn? Mogst wos trinkn?" In fünf Jahren möchte ich Landeshauptmann sein.

Zur Person: Egyd Gstättner ist Schriftsteller und lebt in Klagenfurt

Quelle: Der Standard, 10. April 2009, www.derstandard.at

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