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Nur nicht dem Staat zur Last fallen!

  • Samstag, 11. April 2009 @ 12:26
Kapital Persönliche Überlegungen zur Nationalökonomie von Günther Schatzdorfer.

Ich besuchte vor vierzig Jahren eine Schule, in der uns ein Professor mit seinem Holzlineal die Grundzüge von Buchhaltung und Kaufmännisch Rechnen hineingedroschen hat. Seither weiß ich, was Soll und Haben bedeutet. Das war mir auch immer von Nutzen, seit ich freier Schriftsteller bin. In diesem Beruf lernt man schnell, dass man nicht mehr ausgeben kann, als man hat, egal ob's ums Geld geht oder sein Talent.

Die nun schon länger wuchernde Wirtschaftskrise verunsichert mich allerdings in diesem meinem Standpunkt ziemlich. Begonnen hat es eigentlich schon mit der Ostöffnung. Da war plötzlich Geld wie bei Onkel Dagobert im Umlauf. Milliarden spielten keine Rolle bei der wirtschaftlichen Annexion der ehemals sowjetischen Trabantenstaaten. Nur in Russland scheiterte der Ostfeldzug der Deutschen Banken, weil die Russen selbst verdienen wollten. Das hat uns so geärgert, dass wir die dortigen Kapitalisten Mafiosi genannt haben.

Damals begann das europäische DKT, das aber nicht mehr am Brett zu Hause, sondern auf den Screens der Börsen gespielt wurde. Ich und meine Bank haben seither fünfmal den Besitzer gewechselt. Jedesmal wurden Gewinne gemacht und Verluste abgeschrieben oder umgekehrt. Mein Geld wurde allerdings immer teurer und ist mittlerweile so teuer geworden, dass ich mir mich selbst eigentlich gar nicht mehr leisten kann, vor allem nicht in meiner Eigenschaft als Bankkunde. - Es wurde wie wild ge- und verkauft: mein Energieversorger, mein Supermarkt, meine Versicherung und selbst mein Verlag wechselten so oft den Eigentümer, dass ich jetzt gar nicht mehr weiß, was sich noch gehört.

Ringsum schossen die Bürogebäude und Bankpaläste empor wie die Bäume in der Taiga. In diesen endlosen Betonwäldern zwischen New York und Dubai verirrten sich Milliarden von Dollar und Euro, verschwanden spurlos im Bermuda-Dreieck, irgenwelchen Plastiksackerln, im Keller eines Kaffee-Sieders oder in einem Gemeindebau in Vaduz. Wo kam dieses Geld her? Wo ist es jetzt? Das geht mich natürlich nichts an. Denn nur die Not bringt große Künstler hervor, sagen die im Aufsichtsrat oder im parlamentarischen Ausschuss.

Wir Künstler wissen auch seit Jahren aus leidvoller Erfahrung, dass der Staat pleite ist. Das heißt, der Staat ist eigentlich kein Staat mehr, sondern so eine Art privatisierte Politik. Aber wie immer dieser Verein auch heißt - er ist pleite. Wer pleite ist, hat Schulden bei den Banken. Damit aber die Banken nicht unter den uneinbringlichen Forderungen zusammenbrechen, drängt ihnen der Staat viel Geld auf. Da er selber keines hat, muss er eins drucken.

Auch mir wird nichts anderes übrig bleiben, als mein Geld selbst zu drucken, weil ich nicht die Raika oder die UniCredit bin und deshalb der Staat mir keine Kohle aufdrängt, wenn ich vor dem Bankrott stehe. Das hätte auch den Vorteil, dass ich dem Staat nicht zur Last falle. Und ich verspreche, dass ich nicht mehr Geld drucken werde, als ich erwirtschaften kann. Denn das tut man nicht, hat uns der Prügel-Pädagoge gelehrt. Und ich bin auch nicht so ein großes Budgetloch wie der Finanzminister.

Zur Person: Günther Schatzdorfer (57), Schriftsteller und Maler, lebt in Wien und Duino bei Triest.

Quelle: Der Standard, 11./12./13. April 2009, www.derstandard.at


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