Nachdem Linz als eine Lieblingsstadt Hitlers bekannt ist, ist es unumgänglich, dass sich die Kulturhauptstadt dazu „outet“. Auch Linz hat spät mit der Aufarbeitung begonnen. Die Opferverbände mussten noch in Eigenregie das (hässliche) Denkmal am Bernaschekplatz errichten lassen, obwohl es eine Kunstschule gegeben hätte. Aber inzwischen muss man anerkennen, dass vom Stadt- und Landesarchiv viel geleistet wurde. Umso erstaunlicher ist es, dass die Linz09-Inten-danz glaubte, bei so heiklen Projekten auf die „einheimischen“ Fachleute und Historiker verzichten zu können. Eine ungute Diskussion hätte vermieden werden können, wenn auch der Herr Intendant meint, dass das Gute daran ist, „dass das Thema auf den Tisch kommt“. Man hätte die Opferverbände konsultieren können. Auch diese bemühen sich, dass „das Thema auf dem Tisch bleibt“! In Linz gab es nämlich einen opferreichen Widerstand. Durch den berüchtigten „Eigruber-Befehl“ wurde noch vom 27. bis 29. April 1945 in Mauthausen und Schörgenhub wild gemordet - in Treffling sogar noch am 1. Mai 1945. Die Alliierten sollten keine aufbauwilligen Kräfte vorfinden.

Dieses Thema hat auch vor gar nicht so langer Zeit eine engagierte Lehrerin mit einer Klasse der HBLA für künstlerische Gestaltung „auf den Tisch gebracht“. In einer eindrucksvollen Ausstellung im Alten Rathaus hat jede Schülerin und jeder Schüler je einen Widerstandskämpfer behandelt. Linz09 hätte mit wenig Geld diese Ausstellung auffrischen und an Jugendliche heranbringen können, gerade jetzt, wo die Gefahr besteht, dass die. jungen Menschen wieder auf Populisten hereinfallen.

Margit Kain, Linz
Leserbrief an die OĂ–N, 30.3.2009