Die vom September 2008 bis MĂ€rz 2009 laufende Ausstellung „Kulturhauptstadt des FĂŒhrers“ im Linzer Schlossmuseum hat in auslĂ€ndischen Medien durch ihren Titel fĂŒr Irritationen gesorgt. Vom Linzer BĂŒrgermeister Dobusch abwĂ€rts beklagen Politiker, dass Linz zu Unrecht wieder einmal die Punze einer Stadt Hitlers aufgedrĂŒckt erhalten hat. Nun hat Linz zweifellos in den letzten Jahren viel getan um sich kritisch und selbstkritisch mit den Jahren 1938 bis 1945 auseinanderzusetzen. Wie so oft ist die Auseinandersetzung der Stadt Linz mit ihrer Vergangenheit freilich oft recht zwiespĂ€ltig erfolgt. Ein Beispiel dafĂŒr ist der bei der genannten Ausstellung zu Ehren gekommene Maler Franz Glaubacker (1895-1974).

Glaubacker hatte 1938 die Zeichen der Zeit erkannt und spontan ein Bild Hitlers bei seinem Empfang in Linz gemalt, das dann in großer Zahl von den Nazi-Behörden angekauft und in den Nazi-Institutionen aufgehĂ€ngt wurde. In der Ausstellung „Kulturhauptstadt des FĂŒhrers“ wird nicht nur Glaubackers Hitler-PortrĂ€t gezeigt sondern auch ein Foto, wo er das Bild persönlich an Hitler ĂŒbergibt.

Wie der frĂŒhere Leiter des Stadtmuseums Nordico, Georg Wacha, in der stadteigenen Publikation „Linz aktiv“ (Nummer 9/1996) schönfĂ€rberisch schrieb hatten sich seit 1938 „die KĂŒnstler auf eine verĂ€nderte Situation einzustellen. Das einzige Ziel war nun, in MĂŒnchen in der „Großen Deutschen Kunstausstellung“ im Haus der Deutschen Kunst vertreten zu sein. Da musste man sich auch andere Persönlichkeiten als SchlĂ€gler Äbte, Chorherren oder Linzer BĂŒrgermeister als Modell suchen.“

Und Wacha weiter: „Glaubacker hat dies schon unmittelbar nach dem Anschluss getan. Vom Auftritt Hitlers auf dem Balkon des Linzer Rathauses in seih Atelier zurĂŒckgekehrt, gab Glaubacker diesen Eindruck in einem Ölbild wieder. Er machte ein PortrĂ€t Hitlers in graphischer Technik, das reproduziert wurde und in hundertfacher Wiedergabe in Ortsgruppen und Kreisleitungen und in den BĂŒros der verschiedenen NS-VerbĂ€nde hing. In ÖlgemĂ€lden hat Glaubacker - ganz in der Tradition alter Genre-Bilder - Ereignisse wie Winterhilfswerk und Spinnstoffsammlungen festgehalten.“

1945 erwies sich dieses Engagement fĂŒr Glaubacker freilich als Hindernis. Laut Wacha hielt er sich „im April 1945 am Attersee auf. In einer Villa, wo er zu Gast war, verbrannte er das Original des „FĂŒhrer“-PortrĂ€ts. Jetzt wurde diese TĂ€tigkeit in der untergegangenen Nazi-Ära zum Hemmschuh. Die Verleihung des Professorentitels wurde abgelehnt.“ Immerhin wurde er 1965 auserkoren ein PortrĂ€t des Nazi-OberbĂŒrgermeisters Sepp Wolkersdorfer zu malen.

Und spĂ€ter kam ihm sogar seine Vergangenheit zugute: „Als Fernsehleute von BBC London in Linz Aufnahmen fĂŒr einen Film von 1938 machten, suchten sie Bildvorlagen, die ĂŒber Schwarzweißfotos hinausgingen. Durch einen Hinweis war es möglich, die Verbindung mit Glaubacker herzustellen, der fĂŒr diese Aufnahmen seines Bildes auch ein Honorar verlangen konnte“, so Wacha.

Damit stand einer spĂ€ten WĂŒrdigung Glaubackers letztlich nichts im Wege, schon drei Jahre nach seinem Tode wurde 1977 eine Straße in Urfahr nach Glaubacker benannt, bezeichnenderweise in der NĂ€he zu der nach dem von den Nazis ermordeten Kriegsdienstverweigerer Franz JĂ€gerstĂ€tter benannten Straße.

In den Jahren 1938 bis 1945 haben freilich nicht alle so wie Glaubacker mit den braunen Wölfen geheult, sondern sind den „anderen Weg gegangen“, wie es der von den Nazis ermordete Schriftsteller Richard Zach in einem seiner Gedichte formuliert hat. Mit der Konsequenz von Verfolgung, Kerker, KZ-Haft und Ermordung. Bei antifaschistischen WiderstandskĂ€mpferInnen dauerte es freilich oft Jahrzehnte bis eine offizielle Anerkennung erfolgte. Ein Beispiel dafĂŒr ist etwa Gisela Tschofenig-Taurer, die noch in den letzten Kriegstagen im Lager Schörgenhub ermordet wurde. Erst 2005 wurde eine Straße nach Tschofenig-Taurer benannt, freilich nicht in der NĂ€he des Lagers Schörgenhub, sondern weit entfernt in Ebelsberg.

Die Symbolik des Umganges mit der Vergangenheit wird freilich daran deutlich, dass das ehemalige Lager Schörgenhub und auch ein dort errichtetes Denkmal ausgerechnet in der Siemensstraße ist, einer jener Straßen im Stadtteil Neue Heimat, die nach jenen deutschen Industriellen benannt sind, die als Förderer und Profiteure des Nazi-Regimes bekannt sind.

Nach der Befreiung vom Faschismus im Jahre 1945 wurden zwar alle nach diversen Nazi-GrĂ¶ĂŸen benannten Straßen umbenannt, nicht jedoch die nach den deutschen Großindustriellen Siemens, Benz, Daimler, Porsche. WĂ€hrend in Klagenfurt 2008 die nach Porsche, der als Hitlers Lieblingsingenieur galt, benannte Straße umbenannt wurde, ist das fĂŒr Linz bislang kein Thema. Bei der Aufarbeitung der NS-Vergangenheit gibt es also noch einiges zu tun.

Leo Furtlehner